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Ulrich Lebenstedt (80) ist ein Altmeister der Trierer Kunstszene.

Ausstellung : „Ein Talent ist eine Verpflichtung“

Ulrich Lebenstedt (80) ist ein Altmeister der Trierer Kunstszene. Eine Werksauswahl ist in Oberbillig zu sehen.

Wie war das noch mit dem Lied, das nach des Dichters Wort  in allen Dingen schläft. Ulrich Lebenstedt findet offenbar immer wieder das Zauberwort, das es zum Klingen bringt. „Wenn ich hinaus in den Garten oder in die Landschaft schaue, habe ich einen Farbklang vor Augen“, sagt der Maler. Der klingt auch nach, wenn er vor seiner Leinwand steht oder die Keramikfarben auf den Bildgrund aufträgt. So gesehen sind die abstrakten Farbklänge der Bilder des Trierer Künstlers allesamt in Farbe und geometrische Form übersetzte, veräußerte Welt-und Selbsterfahrung. Das deuten nicht zuletzt die Titel seiner Bilder an, die auf Gärten, Felsen oder Dörfer verweisen. Man kann Lebenstedts Ab­straktion durchaus als jene Metamorphose verstehen, die es erst möglich macht, wahrgenommene Wirklichkeit aus ihren konkreten Verhältnissen zu lösen, um sie als Kunstwerk über die Zeit zu retten. Es sind meist ausgesprochen frische Klänge, die in den Gemälden des Wahl-Trierers zum Bild werden. Bewundernswert frisch möchte man sagen angesichts der Tatsache, dass der Maler am Sonntag sein achtes Lebensjahrzehnt vollendet hat. Allerdings bleiben Lebenstedts symphonische Farbkompositionen dabei auch meist ein wenig auf angenehm kühler Distanz. Zuweilen ist den pastellfarbenen Klängen eine sanfte Heiterkeit eigen. Dagegen zieht sich das tiefe Blau seiner keramischen Bilder ganz in sich selbst zurück. Einer der nach Schönheit in der Welt sucht, ist der Künstler. In der Farbe macht er sie klingen. Als Sohn eines Bildhauers und Enkel eines Buchdruckers wurde Ulrich Lebenstedt am 13. September 1940 im Moseldorf Kröv  geboren. Die Umgebung von Büchern und Bildwerken habe ihn maßgeblich geprägt. Schon früh fing der Junge zu zeichnen an. Dabei sei ihm sein Vater ein strenger Kritiker gewesen, erzählt der Künstler. Bevor er 1959  sein Studium an der Trierer Werkkunstschule bei Reinhard Heß begann, hatte er zunächst das Malerhandwerk gelernt. „In Trier tat sich mir eine ganz neue Welt auf“, erinnert sich der Wahl-Trierer. Nach dem Studium arbeitete er bis 1991  in der Keramikindustrie als Produktdesigner. Zu seinen Zuständigkeiten gehörten neben anderem der Entwurf und die Ausführung von Wandgestaltungen in Hallenbädern oder einem Münchner Untergrundbahnhof. Heute betreibt der Künstler, der seit vielen Jahren Mitglied der Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst ist und dem Berufsverband Bildender Künstler Rheinland-Pfalz angehört, sein eigenes Atelier. Wer Lebenstedts  vielfältiges Werk betrachtet, das Zeichnung, Malerei, Collage und  Bildhauerei vereint, erkennt sofort, wie sehr darin alles mit allem zusammenhängt. Lebenstedts Gemälde gleichen Farbcollagen. Ein Gewirk feiner Linien durchzieht viele seiner keramischen Arbeiten. An der Arbeit mit dem Ton und den keramischen Farben  schätzt der Künstler neben der formbaren weichen  Masse vor allem den Prozess der Brennvorgänge. „Da ergeben sich ganz neue spontane Ergebnisse“. Schon während seiner Zeit in der Keramikindustrie hatte sich Lebenstedt  mit plastischen Arbeiten wie Reliefs befasst. Erst relativ spät wandte sich der Künstler der freien Plastik zu. Als Grenzgänger zwischen Malerei und Plastik, als verräumlichte Gemälde führen seine bildhauerischen Arbeiten konsequent in derselben Formensprache das malerische Werk fort. Die Arbeit des in Trier-Ehrang lebenden Künstlers wird weit über die Region geschätzt. Seine Werke befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen. Als besondere Herausforderung empfindet Lebenstedt seine zahlreichen Arbeiten im Bereich Kunst am Bau. „Für mich war es eine schöne konkrete Aufgabenstellung künstlerisch  zu reflektieren, was in diesem Bau geschieht“. Zu ­Lebenstedts Arbeiten im öffentlichen Raum gehören neben den oben erwähnten  Hallenbädern und U-Bahn, auch die Wandgestaltung im Treppenhaus des Trierer Humboldt-Gymnasiums oder die Gestaltung der Kirche St. Peter in Trier, die Wandmalereien in der Balthasar-Neumann-Schule und viele mehr. „Ein Talent ist eine Verpflichtung“ sagt Ulrich Lebenstedt und meint damit nicht nur seine ungebrochene Schaffensfreude, sondern auch die Ernsthaftigkeit, mit der er seine Arbeit betreibt. Solide Kenntnisse in Technik und Materialkunde sind für ihn unverzichtbare Voraussetzungen, um  nicht in künstlerische  Beliebigkeit abzugleiten. Und ansonsten: „Ich bin privilegiert“, sagt der Mann, der am Sonntag 80 Jahre wird. „Ich bin gesund und kann mir meine Arbeit aussuchen. Das macht einen Riesenspaß.“