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THEATERGESCHICHTE(N)
Das Leben ist ein Theater – Jedem Ende wohnt ein Anfang inne

Triumphales Spielzeit-Ende:  „Ewig Jung“ mit Publikumsliebling Barbara Ullmann und Jung-Vater Martin Geisen, hier in der Generalprobe.
Triumphales Spielzeit-Ende: „Ewig Jung“ mit Publikumsliebling Barbara Ullmann und Jung-Vater Martin Geisen, hier in der Generalprobe. FOTO: Dirk Tenbrock
Zum Spielzeit-Ende am Theater ein Rückblick und Ausblick vor und hinter die Kulissen des Trierer Theaters. Von Dirk Tenbrock

Es war ein Triumph der Spielfreude: Als sich am Samstagabend der Vorhang des großen Hauses senkte, war die Interims-Spielzeit 2017/2018 (zumindest für das Schauspiel, am Sonntag folgte noch eine fulminante Zauberflöte) endgültig Geschichte und großer Jubel brandete unter den über 500 Zuschauern auf. Gegeben wurde die äußerst erfolgreiche Rock & Roll-Revue „Ewig Jung“, die für drei Zusatzvorstellungen aus dem ewig ausverkauften Kasino am Kornmarkt auf die große Bühne gehievt worden war. Zu den sieben Akteuren gesellte sich zum Applaus auch der Rest des Schauspiel-Ensembles, um mit dem Publikum den Abschluss einer turbulenten Saison und auch sich selbst zu feiern. Das Stück war – von der Auslastung her – das wohl erfolgreichste des Jahres. Der neue Intendant Manfred Langner fiebert nun seinem offiziellen Start Ende Juli entgegen. Wie das ganze Haus genießt er die Theaterferien, „allerdings auch am Schreibtisch“, wie er dem TV am Telefon verrät. Ihm ist die unbändige Freude darüber anzumerken, dass er in dieses Amt am Dreisparten-Haus am Augustinerhof berufen wurde. Die Pendelei zwischen seiner ehemaligen Arbeitsstelle an der Schauspielbühne Stuttgart und Trier ist jedenfalls vorbei und in seiner theaternahen Wohnung hat er sich mit seiner französischen Frau, Nathalye Langner-Lebreton, schon bestens eingelebt und die ersten Mosel-Rieslinge sind verkostet, wie er schmunzelnd sagt. Erster Höhepunkt im Theaterleben wird dann das Theaterfest am 8. September, auch die erste Gelegenheit, dem Publikum Aug’ in Aug’ zu begegnen. Ein spannendes „Theater-Labyrinth“ auch hinter den Kulissen des Hauses kündigt Langner für das Fest an.

Dass so ein Wechsel natürlicherweise nicht ohne Ruckeln abläuft, ist bekanntermaßen normal. Organisatorisch muss sich das Team erst einmal finden, eine Schaltzentrale im Künstlerischen Betriebsbüro ist kurzfristig neu zu besetzen, das alles braucht ein wenig Zeit. Die erste von – hoffentlich – mindestens fünf Spielzeiten dient da dem Aufbau, zusammen mit des Intendanten Spartenleitern, dem Ballet-, dem Opern- und dem Orchester-Chef, ist man „guten Mutes“ (Langner). Vom Entspanntheits- und gute Laune-Level her kann das jedenfalls nur gut werden! Über 200 neue Abonnenten hat Langner schon gewonnen, er ist zuversichtlich, dass im August, wenn die Theaterkasse wieder öffnet, der Boom weitergeht.Die große Axt zum radikalen, personellen Kahlschlag wie 2015 Enfant Terrible Karl Sibelius (der damals einzig Publikumsliebling und Theatermasken-Preisträgerin Barbara Ullmann einen neuen Vertrag gab) hat der Neue jedenfalls nicht geführt, rund die Hälfte der Künstler hat er behalten, ein neuer Intendant bringt üblicherweise eben auch neue Künstler mit. Marie Scharf und Franziska-Marie Grams vom Schauspiel wechseln nach Kaiserslautern an das Pfalztheater, Niklas Maienschein wird einige Stücke als Freiberufler machen, bevor er 2019 bei Ex-Schauspiel-Direktorin Caroline Stolz in Neuss – wo sie jetzt Intendantin wird – anheuert. Benjamin Schardt (u.a. ein famoser Marquis Posa in Schillers Don Carlos) und der gebürtige Eifelaner Martin Geisen bleiben (wie auch Urgestein Klaus-Michael Nix und Barbara Ullmann) am Haus.Geisen ereilte übrigens unlängst ein großes Glück, er wurde Vater eines kleinen Mädchens. Unglücklicherweise verletzte er sich kurz darauf mit einem Nagel den Fuß und musste daher in der oben genannten Dernière von „Ewig Jung“ durch Schardt ersetzt werden. Der meisterte diese massive und kurzfristige Herausforderung mit Bravour, hatte er sich doch – um eine geburtsbedingte, mögliche Abwesenheit von Geisen aufzufangen – schon mal prophylaktisch in dessen Rolle gekniet. Das nennt man wohl Ensemble-Geist und beide Herren sind mit Fug und Recht als echter Gewinn für das Haus zu bezeichnen.

Die Opernsolisten Frauke Burg (Koloratur-Sopran), Bonko Karadjov (Tenor) und Fritz Spengler (Countertenor) verlassen nach drei ereignisreichen Jahren das Haus in Richtung Freiberuflichkeit, alle können auf Gastspiele im Trierer Opernensemble hoffen und sind schon jetzt für etliche Produktionen und Konzerte anderswo gebucht; Burg beispielsweise als Zerlina im Trierer Don Giovanni, Karadjov mit der Oper Lyon im Oman und Spengler in Brig in der Schweiz.

Eva-Maria Ammans warmer und strahlender Sopran bleibt dem Opernensemble erhalten.

Auch Bariton Laszlo Lukacs verlässt nach vielen, vielen erfolgreichen Jahren das Haus, um in seiner Heimat Ungarn an der Staatsoper in Budapest zu seinen Wurzeln zurückzukehren.

Auch die von Sibelius aufgebaute Musicalsparte verabschiedete sich, in diesem Fall aber eher still und leise. Christopher Ryan und seine Frau Sidonie Smith (glänzten noch im Kasino als Conferencier und Sally in Cabaret) sowie Carin Filipcic haben Trier schon länger „farewell“ gesagt. Nur der famose Norman Stehr, den es wohl nach Wien ziehen wird, spielte eine Rolle nach der anderen, ob Musical (Into the Woods) oder Schauspiel (Dreigroschenoper) oder Soloprogramm (Hedwig and the angry Inch), bis zum letzten Tag der Spielzeit beweist der auch in Kollegenkreisen äußerst beliebte und sympathische Alleskönner seine Qualitäten.

Ein Jahr in der Musicalsparte als Sängerin verbracht hatte auch Soul-Röhre Conny Hain, die jetzt wieder als Bratschistin im Orchester integriert ist. Auch von ihr gibt es freudige Neuigkeiten: In Kürze wird die Siegerländerin den Bayern Christian Niegl, der als Inspizient die organisatorischen und technischen Abläufe während der Theatervorstellungen koordiniert, heiraten. Aus ebendiesem Orchester gibt es leider auch eine traurige Nachricht, John Marbut, seit über 35 Jahren an der ersten Violine, verstarb im Juni mit nur 63 Jahren nach schwerer Krankheit.

Das Leben ist ein Theater und am Theater ist es eben wie im richtigen Leben, immer wieder ein Ende, dem aber auch der Zauber des Neuanfanges innewohnt, um es mit Hermann Hesse zu sagen.

Triumphales Spielzeit-Ende:  "Ewig Jung" und (v.l.) Gast Thomas Peters, Urgestein Michael Nix und Jung-Vater Martin Geisen, hier in der Generalprobe.(TV-Foto: Dirk Tenbrock)
Triumphales Spielzeit-Ende: "Ewig Jung" und (v.l.) Gast Thomas Peters, Urgestein Michael Nix und Jung-Vater Martin Geisen, hier in der Generalprobe.(TV-Foto: Dirk Tenbrock) FOTO: Dirk Tenbrock