Luxemburger Sprachenstreit: Bettel für "Pragmatismus"

Luxemburger Sprachenstreit: Bettel für "Pragmatismus"

Luxemburger Sprachenstreit: Bettel für "Pragmatismus" Welche Sprache spricht man in Luxemburg? Oft entscheidet sich das erst, wenn man weiß, was der Gesprächspartner sagt. Im Großherzogtum mit drei Amtssprachen wird jetzt darüber gestritten, ob das Luxemburgische nicht einen Vorzugsplatz bekommen sollte.

(dpa/lrs) - Im Streit um den Status der luxemburgischen Sprache hat Premierminister Xavier Bettel zu Pragmatismus aufgefordert und vor gegenseitigen Anschuldigungen gewarnt. "Wir sollten pragmatische Wege zu gehen versuchen, was die luxemburgische Sprache angeht", sagte er am Montag vor dem Petitionsausschuss des Parlaments. Dieser befasste sich mit zwei gegensätzlichen Eingaben.

Eine Petition, wonach das moselfränkisch geprägte Luxemburgisch zur ersten Amtssprache werden sollte, hatte rund 14 500 Unterschriften bekommen. Eine andere Petition, wonach Luxemburgisch neben Französisch und Deutsch eine von drei offiziell anerkannten Sprachen bleiben solle, hatte gut 5000 Unterstützer gefunden.

Bettel sagte, die Regierung werde das Luxemburgische weiter fördern, wolle aber auch an der Mehrsprachigkeit festhalten, die "eine der Qualitäten unseres Landes ist": "Eine Sprache soll der anderen nicht wehtun." Andererseits müsse die Regierung auch garantieren, "dass die Angst, die luxemburgische Sprache könne verschwinden, nicht Realität wird".

Die Petition für Luxemburgisch als erste Amtssprache war von so vielen Bürgern unterzeichnet worden wie zuvor keine andere Eingabe. Der Initiator der Petition, Lucien Welter, sagte, vor allem junge Leute müssten in der Schule mehr Luxemburgisch lernen. Die Sprache gehöre zur nationalen Identität: "Unsere Muttersprache ist uns heilig."

Für die Gegner der ersten Amtssprache Luxemburgisch sagte Henri Werner, er lehne einen "Rückzug ins Identitäre" und "nationalistische" Argumentationen ab. Die Gesetze des Landes seien auf Französisch aufgeschrieben, weil "unsere Muttersprache nicht die Präzision wie die großen europäischen Kultursprachen Französisch, Deutsch und auch Niederländisch hat". Deswegen könne sich Luxemburgisch auch nicht als Zeitungssprache durchsetzen. Zudem verstehe nur ein kleiner Teil der täglich mehr als 170 000 Grenzgänger die Sprache.

Nach Angaben der luxemburgischen Statistikbehörde vom Montag ist das Luxemburgische die meist gesprochene Sprache im Großherzogtum. Sie werde von 70,5 Prozent der Einwohner beherrscht. Die französische Sprache wird demnach von mehr als Hälfte der Bevölkerung benutzt, die deutsche Sprache von einem Drittel.

Für 55,8 Prozent ist das Luxemburgische die Hauptsprache, gefolgt von Portugiesisch (15,7 Prozent) und Französisch (12,1 Prozent). Die Portugiesen sind mit gut 16 Prozent die größte Ausländergruppe in Luxemburg. Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung sprechen zwei oder mehr Sprachen.

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