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Alte Turnhalle in Bernkastel wird zum Gemeindehaus umgebaut

Bauprojekt : Turnhalle wird zum Gemeindehaus

Sobald die Zuschüsse bewilligt sind, soll noch in diesem Jahr mit der Sanierung des historischen Gebäudes in Bernkastel begonnen werden.

Wer vor der alten Turnhalle in der Straße „Hinterm Graben“ in Bernkastel-Kues steht, erschreckt sich im ersten Moment: „Betreten des Gebäudes verboten! Einsturzgefahr!“, warnt ein Schild am Eingang des Bruchsteingebäudes mit den Sandsteineinfassungen von Tür und Fenstern aus Glasbausteinen.

Doch ganz so schlimm wie nach dem Schild zu befürchten ist, sei es nicht, sagt Stadtbürgermeister Wolfgang Port. „Der Dachstuhl und die Eindeckung sind in Ordnung. Es fällt lediglich Putz von der Decke“, sagt er.

Für 2020 steht eine umfassende Sanierung des Gebäudes auf der Agenda der Stadt. Die Mauern sollen saniert und der Putz an Wänden und Decke aufgearbeitet werden. Das Gebäude soll barrierefrei umgebaut werden und eine Behindertentoilette erhalten. Außerdem werden die sanitären Anlagen renoviert.

In dem rund zwölf mal zwölf Meter großen Raum des Erdgeschosses wird eine Küchenzeile eingebaut. Der Fußboden soll nach Möglichkeit erhalten werden. Da die Kosten für die Sanierung des Gebäudes noch nicht geklärt sind, ist für dieses Jahr eine Anschubfinanzierung in Höhe von 240 000 Euro im städtischen Haushalt zu finden. Der Stadtbürgermeister rechnet mit Gesamtkosten zwischen 400 000 und 500 000 Euro.

„Die alte Turnhalle soll zum Gemeindehaus werden“, erklärt Port. Denn im Stadtteil Bernkastel gibt es keine öffentlichen Räume in dieser Größenordnung, sagt Port. Der nach den Umbauten 80 Quadratmeter große Raum des Erdgeschosses biete zwischen 60 und 70 Sitzplätze. Die Volkshochschule könnte ihn als Kursraum nutzen, ebenso die Kueser Akademie und die Hochschule. Zudem biete sich der kleine Saal in der Nähe des Friedhofs als Ort für Trauercafés an.

Mit der Konzeption als Gemeindehaus folgt die Stadt einem Vorschlag von Schülern des Nikolaus-von-Kues-Gymnasiums, die sich vor einigen Jahren mit Nutzungsmöglichkeiten des historischen Gebäudes befasst haben und sich darin auch eine Bibliothek oder ein Moselkulturzentrum vorstellen konnten. Bei einer Einwohnerversammlung, die rund 100 Neugierige besucht hatten, hatte sich eine starke Präferenz für ein Gemeindehaus ergeben.

Und auch im Stadtrat hätten sich dafür Stimmen stark gemacht. „Wann es mit den Arbeiten losgehen kann, steht noch nicht fest“, sagt Port. Erst müsse geklärt werden, ob es Zuschüsse aus der Stadtsanierung gebe. Die Pläne sollen in der nächsten Sitzung des städtischen Bauausschusses vorgestellt werden.

Bis 2019 ist die alte Turnhalle Metern von einheimischen Vereinen als Übungsraum und Lager genutzt worden, bis aufgrund des „problematischen Zustandes“ der Decke der Zutritt zum Haus untersagt worden ist. Bis 1919 gehörte das Haus dem Gesellenverein, dem Vorläufer der Kolpingfamilie, erklärt Port. Deshalb wurde die Immobilie auch als Gesellenhaus bezeichnet.

Dann kaufte es die Stadt und nutzte es bis in die 1960er Jahre als Turnhalle, wovon die farbigen Markierungen auf dem Parkettboden noch immer zeugen.