1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Ex-Schimmelbunker wird Teil des Kreisarchivs

Ex-Schimmelbunker wird Teil des Kreisarchivs

Das ehemalige Hilfskrankenhaus im Keller der Kurfürst-Balduin-Realschule plus ist nach der Sanierung nun Teil des Kreisarchivs. Für 140 000 Euro wurden die Räume, die für den Katastrophenfall vorgehalten wurden, vom Schimmel befreit und nutzbar gemacht.

Wittlich. Teile des Kreisarchivs sind in die Räume des ehemaligen Hilfskrankenhauses im Keller der Kurfürst-Balduin-Realschule plus umgezogen. Bereits 2011, nach der Sanierung der von Schimmel befallenen Räume, konnte mit der Nutzung als Außenstelle des Kreisarchivs begonnen werden. Welche Dokumente nun in den 700 Quadratmeter großen Räumen untergebracht werden, erklärt Claudia Schmitt vom Kreisarchiv: "Derzeit befinden sich in den Kellerräumen Jahresbände von Zeitungen aus den 1960er bis 1990er Jahren, die im Kreisarchiv doppelt vorhanden waren. Auch Bücher aus dem Buchangebot der Kreisverwaltung sind dort gelagert." Zukünftig sollen laut Schmitt auch die lokalen Bände des Trierischen Volksfreunds ab 2003 und weniger benutzte Bestände des Kreisarchivs dort zur Sicherung gelagert werden. Warum die Bestände teilweise ausgelagert werden?
Schmitt: "Für fast alle Archive ist Platznot ein Hauptproblem. Doch mit der Inbetriebnahme der sanierten Räume im ehemaligen Hilfskrankenhaus ist dies für das Kreisarchiv Bernkastel-Wittlich in den nächsten Jahrzehnten kein Thema mehr." Zum Schutz des Archivmaterials sollen die Magazinräume in der Realschule nicht öffentlich zugänglich sein.
Jedoch gibt es die Möglichkeit, auf Anfrage Dokumente und Archivmaterial in beaufsichtigten Räumen vorgelegt zu bekommen. Einen solchen Leseraum gibt es auch im Haus Mehs, wo das Kreisarchiv seit 1993 untergebracht ist. Nachdem der Bund 2010 die sogenannte Zivilschutzbindung für die Räume im Keller der Realschule aufgegeben hatte, wurde der Kreis als Schulträger über Nacht alleiniger Herr über das ehemalige Hilfskrankenhaus.
"Grund für den Schimmelpilzbefall war ein Ausfall der Lüftung und eine damit verbundene hohe Luftfeuchtigkeit", sagt Manuel Follmann von der Kreisverwaltung. Vor Beginn der Sanierung entfachte ein Streit zwischen Kreis und Versicherung um die Kosten in Höhe von 90 000 Euro.
Deshalb verzögerte sich die Angelegenheit. Später wurde das Inventar entsorgt, Wände und Boden wurden gereinigt und gestrichen. "Ferner wurde eine neue Lüftungstechnik eingebaut und der Keller an die Heizung angeschlossen", sagt Follmann. Anschließend wurde mit der Montage von Regalen begonnen.
Insgesamt wurden 90 000 Euro für die Schimmelbeseitigung abgerechnet. Für den Einbau einer neuen Lüftung, Heizung, Beleuchtung sowie Regalen, wurden nochmals 50 000 Euro fällig. Übrigens: "Die Versicherung hat den Schaden nicht erstattet, weil dieser nicht auf einen Rohrbruch einer Abwasserleitung, sondern auf den Ausfall der Lüftung zurückzuführen war", teilt Follmann abschließend mit. sk
Extra

Beim Bau der Realschule im Jahr 1963 wurde ebenfalls das Hilfskrankenhaus errichtet. Es sollte im Katastrophen- oder Verteidigungsfall als Außenstelle des Wittlicher Krankenhauses dienen und die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen. In den atombombensicheren Kellerräumen waren unter anderem Operations-, Röntgen- und Gipszimmer untergebracht. Die 400 Krankenbetten wären in den Klassenräumen aufgestellt worden. Als Signal für Piloten, das Gebäude nicht zu bombardieren, sollten im Verteidigungsfall auf dem Dach des Gebäudes Planen mit roten Kreuzen ausgerollt werden. Doch dazu kam es nie. Nach Angaben der Bundesregierung gab es bundesweit insgesamt 160 dieser Einrichtungen mit rund 80 000 Betten. Seit 1990, nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, werden die Hilfskrankenhäuser nach und nach stillgelegt. sk