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Naturschauspiel
Ein Naturschauspiel dank eines Wunders

 Das Foto zeigt die Narzissenwiese mit der Stelle, an der früher das Kloster stand. Es war dort, wo jetzt das rote Haus steht.
Das Foto zeigt die Narzissenwiese mit der Stelle, an der früher das Kloster stand. Es war dort, wo jetzt das rote Haus steht. FOTO: Christina Bents
Malborn-Thiergarten. TV-Serie Landmarken: In Thiergarten gibt es im Tal der Prims im  Frühling ein Naturschauspiel: Viele Tausend Narzissen blühen dort. Und dafür gibt es auch eine schöne Erklärung. Von Christina Bents

Sie zieht die Blicke auf sich, die Wiese im Tal der Prims, wo sich in der Größe von zwei bis drei Fußballfeldern Tausende  von Narzissen tummeln und goldgelb den Frühling verkünden. Rund drei Wochen blühen die Blumen, die mit ihren rund 15 Zentimetern etwas kleiner sind als Osterglocken, aber sehr ähnlich aussehen.

Ralf Rischner, stellvertretender Ortsvorsteher, berichtet: „Mitte der 1980er Jahre haben viele die Zwiebeln ausgestochen. Anschließend ist ein Bewusstsein dafür entstanden, dass die Wiese erhalten bleiben soll.“ Seitdem lässt man in der Wiese, die inzwischen ein Naturdenkmal ist, der Natur freien Lauf. Die Narzissen breiten sich  weiter aus. In den Hecken, entlang des Bachlaufs und unter Obstbäumen sieht man, wie sie sich vermehren. Auf der Wiese, die in Privatbesitz ist, wächst ansonsten Gras, das im Sommer gemäht wird.

Wie die Narzissen überhaupt auf die Wiese kommen, ist nicht geklärt. Allerdings hat Lehrer Reinhold Bergmann 1956 in der Schulchronik etwas über die Osterblumen von Wüstenbrühl notiert, was der Heimatforscher  Reinhold Anton noch weiß: „Vor vielen hundert Jahren ließen sich Mönche nieder, wo sich die große und kleine Prims die Hand reichen. Weil dort oben aber fast das ganze Jahr hindurch ein rauer und kalter Wind weht, und deshalb kein Blümchen wagte, seinen Kopf hervorzustrecken, gaben die Mönche dem Kloster den Namen Wüstenbrühl.“ Sie bauten auch eine Kapelle, die sie dem Heiligen Nikolaus weihten.

Den Nikolaus baten sie um Fürbitte beim lieben Gott, dass er doch Blumen um ihre Klosterkapelle wachsen lassen solle. Und so geht die Geschichte weiter: „Die vielen tausend Schweißtropfen der fleißigen Mönche verwandelten sich durch die Allmacht des Herrn am 6. Dezember, dem Namenstag des Fürsprechers Nikolaus, in lauter winzige Blumenzwiebeln. Als die warme Frühlingssonne ihre ersten Strahlen auf das Kloster und seine Umgebung schickte, da begannen die kleinen Zwiebeln zu sprießen und wuchsen ungesehen zwischen den anderen Gräsern.“ Abschließend heißt es: „Wie erstaunt waren die Klosterbrüder, als sie die neuerbaute Kapelle verließen. So weit ihr Auge reichte, waren alle Wiesen übersät von wunderschönen, zarten, gelben Blütenkelchen, die vom Glanze der Auferstehung des Herrn kündete.“

Wo das Kloster der Franziskaner  – gegründet 1448 – stand, ist bis heute bekannt. Ein Neubau steht dort, womöglich ist der Keller des Klosters noch erhalten. Die 14 Mönche, die  dort lebten, waren sehr fleißig, sie bauten eine Reihe von Fischteichen und waren in der Lage, 25 Stück Rindvieh und 200 Schafe zu unterhalten.In Thiergarten werden die Narzissen weiter gepflegt. Ein Narzissenweg weist ebenfalls auf den Stellenwert der Pflanzen hin.