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"Ungerechtigkeit bringt mich an die Decke"

"Ungerechtigkeit bringt mich an die Decke"

Martin Krötz ist Moselaner aus einer Winzerfamilie. Geboren in Ediger, hat der heute 41-Jährige seine "Sandkastenliebe" Ramona geheiratet. Der Jugendsozialarbeiter geht als Direktkandidat im Wahlkreis 201 für die Linke ins Rennen.

Illerich. Sein Lieblingsbuch ist Umberto Eccos "Das Foucaultsche Pendel". Zum Lesen kommt Martin Krötz, der als Direktkandidat für die Linke antritt, nur noch im Urlaub. Der Sozialpädagoge ist in der Verbandsgemeinde Kaisersesch als ebensolcher tätig und eigentlich ein ruhiger Vertreter, laut Sternzeichen Waage ausgeglichen. "Wenn es um Politik und soziale Ungerechtigkeit geht, kann ich mich in Rage reden und an die Decke gehen", sagt er schmunzelnd.
Aufgewachsen ist er als Jüngster mit drei Schwestern in einem "typisch wertkonservativ katholischen Elternhaus", wie er selbst sagt. "Meine Eltern haben mir den sozialen Umgang mit Menschen vorgelebt, und wir haben immer offen über Politik gesprochen." Selbst heiße Themen wie das Dritte Reich wurden dort diskutiert.
Als "freiheitlich-anarchischer Punk" entwickelte er sich nach links. "1988 war ich bei den Jusos engagiert." Da diese nach Krötz\' Aussage "viel von ihren Werten verloren hatten", orientierte er sich 1991 zur linken Liste, die später an den PDS-Landesverband angeschlossen wurde. Mitglied in der Linken wurde der "Gerechtigkeitsfanatiker", wie ihn seine Frau beschreibt, 2009, ist seitdem Kreisvorsitzender für Cochem-Zell. Seit dem gleichen Jahr gehörte er dem Landesparteirat an, ist seit 2012 im Linken-Landesvorstand.
Nach Grundschule in Bremm/Ediger besuchte er die Hauptschule. Nach der zehnten Klasse in Cochem machte Krötz dort sein Abitur. "Mein freiwillig soziales Jahr verbrachte ich in Ingelheim/Mainz in einem Heim für mehrfach schwerstbehinderte Kinder."
Krötz studierte zunächst in Koblenz Politikwissenschaft/Sozialkunde mit Schwerpunkt Förderschulen auf Lehramt, wechselte nach Köln, wo er das Studium 2002 abschloss. Anschließend war er an Schulen unter anderem in Gerolstein als Förderlehrer tätig. "Ich wollte immer zurück an die Mosel", gesteht Krötz, der sich seit dem 16. Lebensjahr die Haare schwarz färbt.
Die Liebe zur Heimat und zur Familie ist ihm wichtig. Im Mehrgenerationenhaus in Kaisersesch fand er seine berufliche Berufung als Sozialpädagoge und brachte Initiativen wie Bildungsberatung für Eltern auf den Weg. "Es ist ein sehr vielseitiger Job. Ich arbeite vor allem an der Vernetzung pädagogischer Einrichtungen", sagt Krötz.
Die E-Gitarre, die er als Bandmitglied der Gothic-Rocker von House of Usher lange spielte, hat er 2009 erst mal an die Wand gehängt. "Das war eine tolle Zeit, wir haben europaweit mal vor zehn oder über 10 000 Zuschauern gespielt." Nun spielt die Politik in den kommenden Wochen den entscheidenden Ton, und an seiner Seite stärkt Ehefrau Ramona ihm den Rücken.
Extra

Einstimmig hat die Vertreterversammlung der Linken Martin Krötz zu ihrem Spitzenkandidaten gewählt. Im Februar in Kirchberg (Rhein-Hunsrück-Kreis) sprachen die Delegierten ihm das Vertrauen zum Bundestagskandidaten für den Wahlkreis 201 Mosel/Rhein-Hunsrück aus. Bei der letzten Bundestagswahl vor vier Jahren trat für die Partie Die Linke der Rhein-Hunsrücker Kreisvorsitzende Roger Mallmenn an, der 7,5 Prozent an Erststimmen erhielt. joExtra

Der Bundestagswahlkreis 201 Mosel/Rhein-Hunsrück umfasst den Landkreis Cochem-Zell, den Rhein-Hunsrück-Kreis und den Südteil des Landkreises Bernkastel-Wittlich mit der verbandsfreien Gemeinde Morbach sowie den Verbandsgemeinden Bernkastel-Kues, Thalfang am Erbeskopf und Traben-Trarbach. In den Wochen bis zur Wahl am 22. September stellen wir alle Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien vor, die im Wahlkreis 201 mit der Erststimme gewählt werden können. lars