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Obama erwägt schnelleren Rückzug aus Afghanistan

Obama erwägt schnelleren Rückzug aus Afghanistan

Der amerikanische Präsident Barack Obama plant offenbar, früher als bisher vorgesehen, Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Das könnte ihm einen Vorteil im kommenden Wahlkampf verschaffen. Auch die Republikaner sind inzwischen für einen schnellen Abzug.

Washington. Die US-Regierung erwägt derzeit, den Truppenabzug aus Afghanistan im kommenden Jahr zu beschleunigen und mindestens 20 000 der derzeit knapp 90 000 Soldaten früher als geplant abzuziehen. Wie die Zeitung New York Times gestern unter Berufung auf Vertraute im Weißen Haus berichtete, fußen diese Überlegungen auf der Erkenntnis, dass die Militärmission einen Punkt erreicht hätte, an dem mögliche Gewinne immer unwahrscheinlicher geworden seien.
US-Präsident Barack Obama hatte zwar am Montag nach dem Amoklauf eines 38 Jahre alten Sergeanten mit 16 Todesopfern in einem Interview vor einem "Rennen auf die Ausgänge" gewarnt und verkündet: Es sei wichtig, den Truppenabzug in einer "verantwortlichen Art und Weise" zu gestalten, so dass man später nicht wieder in Afghanistan aktiv werden müsste. Nach dem bisher gültigen Fahrplan sollen die internationalen Truppen Ende 2014 die Verantwortung für die Sicherheit im Land vollständig an die Armee und Polizei Afghanistans übergeben und ihre Kampfverbände abziehen. Schätzungen zufolge sollen danach bis zu 40 000 Nato-Soldaten als Ausbilder oder Berater der afghanischen Armee am Hindukusch bleiben, eine vertragliche Abmachung dazu wird derzeit verhandelt. Weitere Details des Abzugs sollen beim bevorstehenden Nato-Gipfel im Mai in Chicago festgeklopft werden.
Vorteil im Wahlkampf


Eine Beschleunigung schon im kommenden Jahr und eine entsprechende Ankündigung könnten Obama auch einen innenpolitischen Vorteil vor den Präsidentschaftswahlen im November bieten, denn Umfragen in den USA zeigen jetzt, dass eine deutliche Mehrheit der Bürger ein schnelles Ende des Einsatzes begrüßen würde. Führende Militärs hatten sich allerdings zuletzt gegen derartige Überlegungen ausgesprochen und wollen die große Mehrheit der Truppen erst zum Dezember 2014 zurückrufen. Sie argumentieren, dass eine Beschleunigung die bisher angeblich erreichten Gewinne gefährden würden. Nach der Eskalation wegen der Koranverbrennung und den darauf folgenden Demonstrationen und Gewaltexzessen in Afghanistan tendiert die öffentliche Meinung in den USA derzeit deutlich dazu, einen raschen Schlussstrich zu favorisieren. "Beendet die Mission jetzt", forderte gestern die Zeitung Washington Post in einem Meinungsbeitrag und verwies darauf, dass es schon vor dem jüngsten Massaker "überfällig" gewesen sei, die Truppen heimzubringen. "Was erreichen wir, außer dass wir die afghanischen Bürger in Wut versetzen?", fragt das Blatt.
Republikaner wie Newt Gingrich, die bisher für eine weitere Präsenz von US-Kampftruppen in Afghanistan über 2014 hinaus plädiert hatten, zeigen mittlerweile Zeichen eines Sinneswandels. Präsidentschaftskandidat Gingrich hielt sich mit seiner Kritik an Afghanistans Präsident Karsai nicht zurück: Dieser und seine Regierung wollten die USA "für dumm verkaufen". Es sei unmöglich, Afghanistan zu reparieren. Obama solle den Afghanen endlich sagen: "Ihr müsst lernen, wie ihr selbst euer miserables Leben weiterführt." die