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Sorge vor Omikron wächst: Aber verlässliche Zahlen fehlen

Corona : Sorge vor Omikron wächst: Aber verlässliche Zahlen fehlen

Wie aussagekräftig sind derzeit die Corona-Daten? Wegen der Feiertage werden nicht alle Infektionen zeitnah gemeldet. Experten warnen vor einem Blindflug.

Die Sorge vor einer Ausbreitung der Omikron-Variante bestimmte auch die Feiertage. Die als hochansteckend geltende Mutante wird immer häufiger nachgewiesen. Das Landesuntersuchungsamt (Lua) meldete am zweiten Weihnachtstag keine weiteren bestätigten Omikron-Fälle. Nur an Werktagen wird die Zahl der Infektionen durch die Virusvariante aktualisiert.  Am Tag vor Heiligabend waren es landesweit noch zehn Fälle,  in der Region gab es einen bestätigten Fall. Die Zahl der Verdachtsfälle lag am Donnerstag landesweit bei 145. Allein aus dem Kreis Trier-Saarburg wurden an Heiligabend 22 Omikron-Verdachtsfälle gemeldet, also Infektionen, die möglicherweise auf die Corona-Variante zurückgehen, aber bislang eine Bestätigung noch aussteht. In der Regel dauert es bis zu sieben Tage, bis das Ergebnis einer sogenannten Sequenzierung vorliegt.

Wegen der Feiertage kann es jedoch zu Verzögerungen kommen. Auch die täglich gemeldeten Zahlen der Neuinfektionen sind deswegen derzeit zurückhaltend zu beurteilen. Weil über Weihnachten kaum PCR-Tests durchgeführt werden, werden den Gesundheitsämtern weniger Fälle gemeldet.

Gesundheitsexperten haben diese Ungewissheit bei den Informationen über die Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland kritisiert. „Es ist mir vollkommen unverständlich, warum wir nach wie vor an jedem Wochenende eine unklare Datenlage haben, wie auch an Feiertagen», sagte der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery., Er warnte vor falschen Interpretationen der täglichen Zahlen. Das Landesuntersuchungsamt meldete am Sonntag 333 Neuinfektionen im Land, 51 Fälle wurden in der Region registriert. Die landesweite Inzidenz ist leicht gestiegen auf 145,9. In der Region sind die Werte gefallen, die niedrigste Inzidenz weist der Kreis Vulkaneifel auf mit 102,5.

Aus Sorge um Omikron haben sich Bund und Länder vergangene Woche auf schärfere Corona-Maßnahmen verständigt. Ab Dienstag gelten daher in Rheinland-Pfalz auch Kontaktbeschränkungen für Geimpfte und Genesene. In der Öffentlichkeit dürfen sich nur zehn immunisierte Personen treffen (Kinder bis 14 Jahren sind davon ausgenommen). Für Treffen im Privaten gilt lediglich ein „dringender Appell“, sich an die Regel zu halten, sagte der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) vergangene Woche. Für Ungeimpfte gelten seit Wochen Kontaktbeschränkungen, ein Haushalt mit Ungeimpften darf sich weiterhin nur mit zwei weiteren Personen treffen. Auch in Luxemburg gelten seit Samstag schärfere Corona-Regeln, unter anderem müssen Restaurants und Kneipen um 23 Uhr schließen.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) dankte in ihren Weihnachtsgrüßen per Video für den Zusammenhalt und die Solidarität der Rheinland-Pfälzer während der Pandemie. Sie sei beeindruckt, von der „unglaublichen Bereitschaft der Menschen füreinander einzustehen“.

Noch immer ist der Anteil der Ungeimpften, die wegen Covid im Krankenhaus behandelt werden, deutlich höher als der Geimpften. Laut Landesuntersuchungsamt waren von den 108 Corona-Patienten, die in den zwei Wochen vor Weihnachten in den Kliniken im Land behandelt werden mussten, 71 Prozent nicht geimpft. Am höchsten war der Anteil der Ungeimpften bei den Covid-Patienten in der Altersgruppe 30- bis 39-Jährigen. Er betrug 88 Prozent.

Noch deutlicher ist der Unterschied bei den wegen Covid behandelten Patienten auf den Intensivstationen. Dort stieg der Anteil der Ungeimpften vor Weihnachten auf 87 Prozent. Auffallend war, dass in der Altersgruppe der über 70-Jährigen in dieser Zeit 100 Prozent der insgesamt sieben Covid-Intensivpatienten ungeimpft war.

Das kann ein Indiz dafür sein, dass die Booster-Impfungen in dieser Altersgruppe wirken und vor schweren Corona-Verläufen schützen. 87 Prozent der über 60-Jährigen im Land sind vollständig geimpft. Bei den Bewohnern der Pflegeheime liegt der Anteil laut rheinland-pfälzischem Sozialministerium sogar bei 92 Prozent. Anfang Dezember waren 81 Prozent der Pflegeheim-Bewohner im Land bereits geboostert. „Unser Ziel ist es, die Quote bei den Booster-Impfungen weiter rasch zu erhöhen“, sagte Sozialminister Alexander Schweitzer unserer Redaktion.