Es muss nicht immer der Pfarrer sein - Kirche bildet Ehrenamtliche aus

Beerdigung : Es muss nicht immer der Pfarrer sein - Kirche bildet Ehrenamtliche aus

Im Bistum Trier sollen auch Ehrenamtliche Beerdigungen übernehmen. In einem Pilotprojekt werden Frauen und Männer nun ausgebildet. Grund dafür ist der Priestermangel.

(dpa) Es gibt sie in anderen katholischen Bistümern schon – im Bistum Trier aber sind sie neu: ehrenamtliche Laien, die künftig Beerdigungen übernehmen. In einem Pilotprojekt im Dekanat Neunkirchen im Saarland ist ein Team von Pfarrern, hauptamtlichen Laien und Interessierten dabei, eine passende Ausbildung zu erarbeiten. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte Priester Markus Krastl (44) in Neunkirchen-Wiebelskirchen. In einem Werkstattkurs sei Ehrenamtlichen bereits „das Handwerkszeug“ vermittelt worden. Nun folge eine Hospitation bei Pfarrern und Gemeindereferenten, wo sie praktische Erfahrungen sammeln könnten.

Voraussichtlich Anfang 2020 könnten die acht Männer und Frauen erste Beerdigungsdienste übernehmen. „Wir wünschen uns, dass es davor bei uns vor Ort eine offizielle Beauftragungsfeier mit Bischof Stephan Ackermann gibt“, sagte Krastl. Das wäre „ein deutliches Zeichen“ an die Gemeinden.

Zu den Ehrenamtlichen, die den Kurs vor rund drei Wochen abgeschlossen hätten, gehörten unter anderem eine Erzieherin, ein Postbote und mehrere Rentner – quer aus dem Saarland. „Ich kann für alle, die im Kurs waren, sagen: Wir sind uns ganz sicher, dass sie eine würdevolle Beerdigung machen können.“

Krastl ist sich bewusst, dass es auch Bedenken von Katholiken gibt, die unbedingt eine Beerdigung von einem Pfarrer wollten. „Die Toten zu begraben ist aber jedem Christen aufgetragen“, sagte er. Und Kirche seien an dieser Stelle nicht nur die Haupt-, sondern auch die Ehrenamtlichen. „Wir haben lange als versorgte Kirche gelebt, versorgt von Hauptamtlichen. Aber jetzt kommen wir an einen Punkt, wo wir unseren Glauben aktiv betreiben müssen – und eine sorgende Kirche werden müssen.“

Angesichts des Mangels an Priestern werde es künftig auch gar nicht mehr anders gehen. Die Frage sei irgendwann nicht mehr: „Kommt ein Pastor, der mich begräbt?“, sondern: „Werde ich noch christlich begraben?“ Krastl geht davon aus, dass das Neunkircher Modell von anderen Pfarreien im Bistum übernommen wird. Die Dokumentation zum Projekt werde zur Verfügung gestellt.

In etlichen Bistümern in Deutschland leiten bereits Ehrenamtliche kirchliche Beerdigungen, beispielsweise in den Bistümern Essen, Hildesheim und Würzburg sowie im Erzbistum Köln. Auch in Luxemburg gebe es jenen Beerdigungsdienst schon lange, sagte Krastl. Das Bistum Trier zählt knapp 1,4 Millionen Katholiken in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Im Bistum Mainz gibt es derzeit keine ehrenamtlichen Laien, die Beerdigungsdienste übernehmen, auch nicht im Bistum Speyer. Es sei wohl im Gespräch, aber so weit wie im Bistum Trier sei man noch nicht, sagte ein Bistumssprecher in Speyer.

Die Synode im Bistum Trier hatte im Sommer 2016 eine Öffnung von Bestattungen durch Ehrenamtliche befürwortet. Daneben kommen jedes Jahr neue hauptamtliche Laien (Nicht-Priester) – Männer und Frauen – dazu, die vom Bischof eine Erlaubnis für den Beerdigungsdienst bekommen.

Die Mitwirkung der Laien in der katholischen Kirche wird angesichts sinkender Priesterzahlen immer wichtiger. 2017 gab es bundesweit 13 560 Priester, 2010 waren es noch gut 15 100 gewesen.

Die Zahl der Pastoralreferenten dagegen verdoppelte sich laut Deutscher Bischofskonferenz seit 1990 auf gut 3200.

(dpa)
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