:Problemlösung in Sicht: Am Kaseler L 149-Nadelöhr tut sich was

Verkehr : Am Kaseler Nadelöhr tut sich was

Die Gemeinde hofft, durch einen Hauskauf die Straßen-Engstelle am Ortseingang aus Richtung Mertesdorf beseitigen zu können.  Aber da gibt es ja noch die Denkmalpflege.

Durch diese hohle Gasse muss er kommen, heißt es bei „Wilhelm Tell”. Auch im 1400-Einwohner-Ort Kasel gibt es eine Straße, die von hohen Mauern umgeben ist und einer hohlen Gasse gleicht. Sie führt nicht nach Küssnacht, wie in Friedrich Schillers Drama, sondern nach Mertesdorf und weiter nach Trier oder Kenn. Die Rede ist von der Engstelle an der L 149 am Ortseingang von Kasel (siehe Grafik unten).

Die Durchfahrt ist schmal und unübersichtlich – ein Albtraum für die Autofahrer. Wenn diese aus Richtung Mertesdorf nach Kasel wollen, müssen sie sich regelrecht in den unübersichtlichen Kurvenbereich vortasten. Die Entgegenkommenden haben Vorfahrt, werden aber erst spät wahrgenommen.

Auch diese Autofahrer müssen höllisch aufpassen – nicht nur am Engpass, auch schon vorher, wenn sie die Einmündung zur Hauptstraße passieren und gleichzeitig auf kreuzende Radfahrer und Fußgänger achten müssen, die auf dem Ruwer-Hochwald-Radweg unterwegs sind.

Mehrere tausend Kraftfahrer passieren täglich diese Engstelle. Viele Unfälle seien dort schon passiert, weiß Kasels Ortsbürgermeister Karl-Heinrich Ewald. Waren ihm und dem Gemeinderat bisher die Hände gebunden, um diesen Gefahrenpunkt zu beseitigen, so könnte sich jetzt durch eine Änderung der Besitzverhältnisse in der Bahnhofstraße 1 eine echte Chance ergeben.

Wie Ewald berichtet, ist der langjährige Bewohner des unterhalb des Engpasses befindlichen Anwesens kürzlich verstorben. Der Ortsbürgermeister hofft nun, dass die Gemeinde das zwischenzeitlich von der Sparkasse erworbene Wohngebäude mit Kelterhaus kaufen und abreißen lassen kann, um die Straße zu begradigen. Die Gemeinde hat laut Ewald ein Vorkaufsrecht.

Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) habe bereits signalisiert, dass er die Gemeinde bei der Verlegung die Straße unterstützten würde, so der Ortsbürgermeister.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Die Immobilie stammt aus dem 18. Jahrhundert und steht unter Denkmalschutz. Sie war das Hof- beziehungsweise Weingut des Trierer Benediktinerkosters St. Maria ad Martyres (siehe Info).

Die Gebäude befänden sich in einem sehr schlechten Zustand, stellt Ortschef Ewald fest. Für ihn ist es deshalb unerklärlich, dass der bauliche Zustand bei einem Ortstermin vor zwei Jahren als gut bezeichnet wurde. Damals hatten Vertreter des Kreises als untere Denkmalpflegebehörde und der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) aus Mainz das Anwesen in Augenschein genommen.

Anlässlich des Besuchs habe auch eine Überprüfung des Denkmalwertes durch die Denkmalfachbehörde stattgefunden, teilt der Kreis auf TV-Anfrage mit. Das Ergebnis: „An den substanziellen Voraussetzungen zur Einstufung als Kulturdenkmal seit der Unterschutzstellung 2003 hat sich nichts geändert. Eine Entwertung beziehungsweise Genehmigung zum Abriss des Kulturdenkmals kann daher nicht erteilt werden.”

Was allerdings auch dem Laien auffällt: Die Dächer sind marode, im Mauerwerk haben sich Risse gebildet. „Wenn ein LKW vorbeifährt, vibriert es im ganzen Haus”, sagt Alexandra Hemmer. Sie ist die Tochter des langjährigen Bewohners Josef Zimmer. Sie hat schon viele Beschimpfungen durch Autofahrer erlebt, denen es an dem Engpass nicht schnell genug ging oder die im Vorbeifahren ihr Auto geschrammt haben: „Das Wort mit A fällt hier regelmäßig”, sagt Hemmer.

Nach Auskunft der Polizeiinspektion Schweich sind an diesem Nadelöhr in den vergangenen fünf Jahren zehn Unfälle aufgenommen worden – alles Sachschäden, Personen seien nicht verletzt worden.

Die Gemeinde Kasel möchte den gefährlichen Engpass an der L149 beseitigen, dafür müsste aber das unter Denkmalschutz stehende ehemalige Hofgut des Trierer Klosters St. Maria ad Martyres weichen. Foto: Albert Follmann
Foto: TV/Schramm, Johannes

Ortsbürgermeister Karl-Heinrich Ewald geht davon aus, dass die Zahl der Unfälle deutlich höher ist. Viele Bagatellschäden würden nicht angezeigt, glaubt er. Dem Gemeinderat und der Bürgerschaft sei an einer Beseitigung dieser Gefahrenstelle gelegen.

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