Was Hänschen nicht lernt...

Trier . Totgesagte leben länger: Das trifft auf Latein ganz besonders zu. Die Sprache von Julius Cäsar, Kopernikus und Luther hält sich wacker unter den "Top drei" bei den Fremdsprachen an rheinland-pfälzischen Schulen. Wer dachte, durch die Einführung der neuen Masters- und Bachelor-Studiengänge werde das "Klassenrelikt des Bildungsbürgertums" ad acta gelegt, wird eines besseren belehrt.

"Wer in Trier lebt, muss doch Latein können!", sagt Andreas Pütz. "Hier gibt es so viel an lateinischen Texten zu lesen und zu übersetzen. Schade, wenn man sie nicht versteht!" So selbstverständlich wie Andreas Pütz und seine Mitschüler vom Hindenburg-Gymnasium Trier (HGT) gehen nicht alle mit der einstigen europäischen "Weltsprache" - Mittellatein stand zwischen 400 und 1650 für eine gesamteuropäische grenzenlose Verständigung zwischen Gelehrten - um. "Die 68er versuchten, Latein zu stigmatisieren. Es war angeblich eine Sprache, die gesellschaftliche Trennlinien festschrieb. Wie albern!", sagt Birgit Auernheimer, Lateinlehrerin am HGT. Das Latinum wird Auernheimer zufolge bis heute in allen 16 Bundesländern für eine Fülle von Hochschulabschlüssen vorausgesetzt. Daran werden neue Bachelor- und Masterabschlüsse nach europäischem Vorbild nichts ändern. Das Schul-Latein dürfte sogar eine Aufwertung erfahren: Aufgrund der Sparmaßnahmen an den Hochschulen steht zu befürchten, dass das Latinum dort in absehbarer Zeit nicht mehr kostenlos nachgeholt werden kann. Birgit Auernheimer weiß, wovon sie spricht. Sie ist nicht nur Lateinlehrerin am Trierer HGT, sondern auch Vorsitzende der fachdidaktischen Kommission für Latein im Kultusministerium in Mainz, hat einen Lehrauftrag für Mittellatein an der Universität Trier und sitzt dort neuerdings auch in der Prüfungskommission. Aktuell lernen rund 400 Studenten an der Uni Trier Latein neben ihrem Hauptstudium nach. Wer zügig und innerhalb der Regelstudienzeit studieren will, hat Vorteile, wenn er Latein schon am Gymnasium gelernt hat. Der Siebtklässler Andreas Pütz ist auf dem Stand der Zeit: Latein steht nach Englisch und Französisch beständig auf Platz drei der Fremdsprachen an deutschen Schulen. Seine Wahl hat er nicht bereut. Latein ist in den Augen der Befürworter auch heute keine Passivsprache - zum Beispiel, weil man darin Asterix oder Winnetou lesen kann oder Tagesnachrichten im Internet bei Radio Bremen. Lateinbücher können inzwischen optisch, inhaltlich und didaktisch mit denen von "lebenden Fremdsprachen" mithalten. Für die siebte Klasse von Birgit Auernheimer wird die Sprache nicht nur beim Quellenstudium im Rheinischen Landesmuseum lebendig, sondern zum Beispiel auch beim Ausflug in die Pützlöcher bei Butzweiler, einem ehemaligen römischen Kupferbergwerk. Nach den großen Ferien, am 30. September, wird es den so genannten "Trierer Samstag" geben. Dabei kooperieren im dritten Jahr Universität und Trierer Schulen und unterstreichen in vielfältigen Veranstaltungen die Bedeutung von Latein. Schüler aus Italien, Belgien, England und Holland

Fest steht auch schon jetzt, dass es im Rahmen des Konstantin-Jahres 2007 in Trier das Comeniusprojekt "Vestigia Caesaris" geben wird. Das Projekt bringt am Hindenburg-Gymnasium eine Woche lang Schüler aus dem italienischen Cessario, dem belgischen Brügge, dem englischen Cambridge, dem niederländischen Schaijndel und Trier zusammen.