Kommen und Gehen, Hauen und Stechen: Das Jahr 2012 in der Vulkaneifel

Kommen und Gehen, Hauen und Stechen: Das Jahr 2012 in der Vulkaneifel

Das Jahr 2012 wird den Menschen in der Vulkaneifel wohl noch länger ins Gedächtnis bleiben. Vieles ist geblieben, aber vieles war auch in Bewegung - vielleicht mehr Bewegung, als so manchem lieb war.

Ein dickes Paket: die Unterschriften für den Erhalt der Verbandsgemeinde Kelberg. TV-Foto: Friedemann Vetter.

Zwar ist der Kreis Vulkaneifel der kleinste in Rheinland-Pfalz und der viertkleinste in der Bundesrepublik Deutschland, aber an Medienaufmerksamkeit hat er im Jahr 2012 so manchen großen Kreis locker abgehängt.
Ein Anlass, sich zu freuen? Leider nicht! So mancher Vulkaneifeler war es schon leid, von Auswärtigen gefragt zu werden: "Was ist denn bei euch los?"
Ja, was war denn los? Auf jeden Fall eine ganze Menge. Denn was mit der Nichtverlängerung des Vertrags des Kreissparkassen-Vorstandsvorsitzenden Dieter Grau im Dezember 2011 und seiner Beurlaubung im Januar begann und mit Wahl eines neuen Landrats im Dezember endete, war wohl beispiellos in der Geschichte des seit fast 200 Jahre alten Kreises.
Denn es blieb ja nicht nur bei der Beurlaubung des Bankchefs, sondern der Streit um die Personalie ließ die Fronten so verhärten, dass sich zwischenzeitlich die politischen Lager völlig unversöhnlich gegenüberstanden. Hauen und Stechen hatten die Oberhand gewonnen. Der Höhepunkt: die Ankündigung von Landrat Heinz Onnertz im Juli, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Zum 31. März 2013 geht er, zwei Jahre vor Ablauf seiner Amtszeit. Seine Begründung unter anderem: die aus seiner Sicht praktizierte "Blockadepolitik von CDU, BUV und den Linken" im Kreistag.
Was bleibt: ein schaler Nachgeschmack.

Neue Köpfe verzweifelt gesucht, schließlich waren zwei exponierte Posten (Landrat, KSK-Chef) neu zu besetzen. Für die Bank setzte man auf Bekanntes: Dietmar Pitzen, lange Jahre Statthalter der Volksbank RheinAhrEifel in Daun, zog - gefühlte Luftlinie - 100 Meter weiter in die KSK-Cheftetage. Zunächst nur als "normales" Vorstandsmitglied, aber ab 1. Januar ist er der Vorstandsvorsitzende. Hauptaufgaben: gute Zahlen erwirtschaften mit seinen Leuten, aber vor allem endlich wieder Ruhe reinkriegen in die Bank.
Was bleibt: der Eindruck, dass die KSK (wieder mal) ein politischer Spielball war. Schade.
Wie hat ein Vulkaneifeler so schön den Ausgang der Landratswahl charakterisiert: "Wer hätte gedacht, dass mal ein Polizist kommen muss, um Ruhe reinzubringen in den Kreis." Tatsächlich ist es ein uniformierter Gesetzeshüter, der die Wahl am 2. Dezember für sich entschieden hat (und einem Richter folgt): Heinz-Peter Thiel aus Mürlenbach, 50 Jahre alt, seit 2003 Chef der Polizeiinspektion in Daun. Fast 70 Prozent der Bürger, die zur Wahl gegangen sind (leider waren es aufs Ganze gesehen enttäuschend wenig), votierten für Thiel, den SPD, FWG und Grüne unterstützt hatten.
Was die CDU ins Tal der Tränen stürzte: Wieder ist es nicht gelungen, das höchste Amt im Kreis mit einem eigenen Mann zu besetzen, den Posten, den so viele Jahrzehnte CDU-Leute innehatten. Dabei hatte die CDU ganz bewusst mit Frank Bender, dem Kreisdirektor aus Siegen, einen von außen geholt, unbelastet von den Querelen. Aber trotz des großen Aufwands an Menschen, Material, publizistischer Unterstützung und der ausgewiesenen Professionalität des Kandidaten: Es wurde wieder nichts mit der Rückeroberung des Landratspostens.
Was bleibt: die Bestätigung, dass die Bürger ihren sehr eigenen Kopf haben und genau entscheiden, wann sie wo für wen ihr Kreuzchen machen.

Der Kreis Vulkaneifel: 911 Quadratmeter, drei Städte, fünf Verbandsgemeinden. Daran wird sich vorläufig nicht sehr viel ändern, denn eine Verbandsgemeinde muss nicht fusionieren. Kelberg, eigentlich vom Land zu einem Zusammenschluss verdonnert, ist in diesem Jahr von der Schippe gesprungen.
Waren es die mehr als 7000 Unterschriften, die für die Eigenständigkeit der VG gesammelt und an Innenminister Roger Lewentz übergeben wurden? War es das von der VG in Auftrag gegebene Gutachten, das den Kelbergern Argumente für den weiteren Erhalt lieferte?
Oder war es am Ende doch maßgeblich, dass das Land seine eigene Vorgabe, dass es im ersten Schritt der Kommunalreform keine Zusammenschlüsse über Kreisgrenzen hinweg geben soll, nicht über den Haufen werfen wollte und konnte? Denn der Kaiserslauterner Professor Martin Junkernheinrich hatte in seinem Gutachten für das Innenministerium eine Fusion von Kelberg mit Ulmen (Kreis Cochem-Zell) empfohlen. Wie auch immer: Kelberg hat Zeit gewonnen, zumindest bis 2014.
Was bleibt: der bemerkenswerte Zusammenhalt in der VG Kelberg. Keine Gemeinde setzte sich ab mit Ambitionen, in eine andere VG zu wechseln.
Wie es in der VG Obere Kyll passiert ist: Dort wollen sechs Dörfer von der Oberen Kyll zurück in den gefühlt heimischen, auch finanziell deutlich besser temperierten Schoß der VG Prüm schlüpfen. Aber sie sollen nicht dürfen, sagt das Land. Stattdessen werden sie müssen, nämlich mit Hillesheim zusammengehen. Was dort aber auch niemand will, und sei es nur mit dem Blick auf die gewaltige Schuldenlast und chronisch leere Kasse der Oberen Kyll.
Was bleibt vom Jahr 2012 mit (dem politischen) Blick auf den Kreis Vulkaneifel: kein Eindruck, der es erlaubt, laut Hurra zu rufen. Es kann nur besser werden.