Die Butter ist so billig wie 1950

Die Butter ist so billig wie 1950

In den vergangenen Wochen sind die Preise für Milch, Butter und Sahne im deutschen Lebensmittelhandel deutlich gesenkt worden. Für die Verbraucher sind das im Monat ein paar Euro beim Einkauf weniger. Die Milchbauern sehen die Entwicklung aber mit großer Sorge. Für sie geht es um ihre Existenz.

Thalfang/Pronsfeld. Der Handel lockt zurzeit die Verbraucher wieder mit Schnäppchen. Vor allem Milch, Butter und Sahne gibt es bei den Discountern zu Niedrigstpreisen. 250 Gramm Butter für 0,75 Euro, zu diesem Preis konnten die Deutschen schon 1950 das Päckchen kaufen, doch der Verdienst lag deutlich unter den heutigen Einkommen. Der Liter Milch kostet gerade einmal 45 Cent (1,5 Prozent Fettgehalt) oder 51 Cent für den Liter Milch mit 3,5 Prozent.
Bei den großen Molkereien in der Region, der Hochwald Molkerei in Thalfang und der Milch-Union Hocheifel (Muh) in Pronsfeld, beobachten die Verantwortlichen die Entwicklung genau. Experten sind sich seit langem einig, die Ausschläge bei den Milchpreisen werden größer.
Zu viel Milch auf dem Markt


Die Landwirte aus der Region haben im April einen Milchauszahlungspreis von über 30 Cent pro Kilogramm Milch bekommen. Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Auszahlungspreis der deutschen Molkereien an ihre Bauern bei 33,8 Cent je Liter, wie der Milchindustrieverband (Miv) mitteilt. Das ist noch weit mehr als in der Krisenphase 2008/2009 mit 20 bis 24 Cent.
Dass die Molkereien bei der sogenannten weißen Linie, also Milch, Sahne und Butter, nun aber deutliche Preisabschläge akzeptieren mussten, trifft viele Landwirte hart, weil bei fallenden Preisen gleichzeitig die Kosten für Futter und Energie steigen. Und schon im November war Milch um zwei bis drei Cent billiger geworden.
Ein Grund für diese Entwicklung ist die große Menge an Milch, die auf dem Markt ist. Bei den steigenden Preisen haben die Landwirte mehr Milch produziert, gerade aber in Deutschland bleibt der Milchkonsum relativ konstant.
Mittelfristig lässt sich Milch vor allem auch besser in Schwellenländern absetzen. Nach einer Studie des Verpackungsherstellers Tetra Pak wird die Nachfrage in den Schwellenländern von 70 Milliarden auf 80 Milliarden Tonnen im Jahr 2014 steigen.
Export ist sehr wichtig


Auf diesen Trend setzen auch die heimischen Molkereien. "Der Export ist für uns sehr wichtig. Fast 40 Prozent unserer Produkte gehen ins Ausland", erklärt Wolfgang Rommel, Pressesprecher der Muh. In Kooperation mit der Molkerei Ammerland hat die Muh in Singapur eine Verkaufszentrale für den sogenannten Asean-Raum eröffnet. "Das ist ein Markt von 360 Millionen Menschen, die jetzt erst anfangen, Milch zu konsumieren", sagt Rommel. Die Präsenz vor Ort sei sehr wichtig und verspreche eine positive Entwicklung.
Auch bei der Hochwald Molkerei in Thalfang sieht man im Export gute Chancen. "Unser Anteil liegt bei 35 Prozent. Doch gerade die Ausfuhr in Nicht-EU-Länder steigt sprunghaft", erklärt der Chef der Hochwald Molkerei, Karl-Heinz Engel. Um etwa 17 Prozent stiegen diese Exporte auf über 150 Millionen Euro. Insgesamt erwirtschaftet Hochwald bereits 450 Millionen Euro im Ausland.