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"Symbol für die Einheit der Christen"

"Symbol für die Einheit der Christen"

Heilig ist der Heilige Rock für ihn zwar nicht. Warum Nikolaus Schneider, Vorsitzender der Evangelischen Kirche, trotzdem glaubt, dass die Wallfahrt die Christen einander näher bringt, darüber hat er mit TV-Redakteurin Christiane Wolff gesprochen.

Ist der Heilige Rock für Sie heilig?
Präses Nikolaus Schneider: (lacht) Nein, ist er nicht. Den Rock anzubeten - das geht aus evangelischer Sicht nicht. Vielmehr erinnert uns der Rock an Jesus Christus, der - und sonst niemand - zu verehren ist. Außerdem ist der ungeteilte Rock ein schönes Symbol für die durch Jesus selbst repräsentierte Einheit der Kirchen. Und ein Symbol für den Auftrag, dass wir christlichen Kirchen uns um Einheit bemühen sollen.

Unter den Protestanten gibt es trotzdem viele Kritiker, die nicht verstehen, wie die Evangelische Kirche sich an einer Reliquienwallfahrt beteiligen kann.
Schneider: Ich kann diese Kritik verstehen. Aber theologisch gibt es kein Problem. Denn das Bistum Trier spricht selbst von einer Christuswallfahrt, nicht von einer Reliquienwallfahrt. Das war für uns der Türöffner. Zudem behauptet die Bistumsleitung ja auch nicht, dass es sich um den authentischen wahren Rock handelt. Trotzdem schreiben manche dem Rock magische Kräfte zu und denken, sie täten etwas für ihr Seelenheil, wenn sie den Rock sehen oder den Schrein berühren. Das ist natürlich nicht so. Aber man muss sich ja auch nicht inhaltlich völlig einig sein, um etwas gemeinsam zu machen. Außerdem hat das Bistum uns ja als Protestanten eingeladen im Sinne einer versöhnten Verschiedenheit - und es hat nicht von uns verlangt, dass wir katholisch werden sollen.

Und was hat die Wallfahrt dann der Ökumene konkret gebracht?
Schneider: Das müssen wir erst noch sehen, sowas muss sich ja entwickeln. Ich hoffe jedenfalls, dass die Evangelische Kirche und das Bistum Trier das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 gemeinsam feiern werden.

Denken Sie denn, dass das Bistum die Einladung der Evangelischen Kirche, die Reformation zu feiern, annehmen wird?
Schneider: Ich hoffe es, ja. woc
2017 feiert die Evangelische Kirche den 500. Jahrestag von Martin Luthers Thesenanschlag. Mit der Kritik an der Römisch-Katholischen Kirche - insbesondere dem Ablass-Gedanken - löste Luther die Reformation aus.