Kultur: Karl-Marx-Tag: Prominenz, Partys und Proteste

Kultur : Karl-Marx-Tag: Prominenz, Partys und Proteste

Zum 200. Geburtstag des Philosophen reisen hochrangige Politiker, Demonstranten und jede Menge Journalisten an. Ein Großereignis naht.

Noch hat er zwar einen Sack überm Kopf. Doch die chinesische Statue von Triers größtem und umstrittenstem Sohn steht. Bald schon – am 5. Mai – wird das rote Tuch über seinem Haupt gelüftet. Und jetzt schon steht fest: Es wird ein Tag, wie Trier ihn selten erlebt. Ein historisches Ereignis, über das Medien weltweit berichten werden. Ein Ausnahmezustand.

Denn  zum 200. Geburtstag von Karl Marx eröffnen nicht nur das lang geschlossene Karl-Marx-Haus und die erste große kulturhistorische Ausstellung über diesen bedeutenden Denker im Rheinischen Landesmuseum und dem Stadtmuseum Simeonstift. Die Stadt wird zudem voller Prominenz sein. Und voller Proteste. Die Polizei Trier bereitet sich auf einen Großeinsatz vor.

Schon am Freitagabend, 4. Mai, sind mehr als 1500 Gäste in der Konstantinbasilika zur offiziellen Eröffnung der großen Karl-Marx-Ausstellung eingeladen.

Am Samstagmorgen eröffnet Ex-Ministerpräsident Kurt Beck das Karl-Marx-Museum der Friedrich-Ebert-Stiftung. Auch Günther Jauch ist vor Ort. Nicht minder hochrangige Gäste sind bei der Enthüllung der Statue am Samstagmittag dabei: Neben dem Oberbürgermeister und Ministerpräsidentin Malu Dreyer, sind auch der Botschafter der Volksrepublik China in Berlin, Shi Mingde, der Vizeminister des Informationsamtes des chinesischen Staatsrates, Guo Weimin sowie Vertreter der Bundesregierung und des Bundespräsidialamts auf der Rednerliste eingeplant.

Als wäre das noch nicht genug, hält außerdem die SPD am 5. Mai einen Bundeskongress in Trier ab, zu dem neben den regionalen SPD-Promis wie Malu Dreyer und Katarina Barley  wohl auch Andrea Nahles und Olaf Scholz anreisen.

Zudem sind – wie schon zum 150. Geburtstag des Denkers – diverse Demonstrationen geplant: Die Deutsche Kommunistische Partei und die Linke schwenken für Marx die Flaggen. Die AfD marschiert schweigend. Selbst ein Hungerstreik und der Protest einer buddhistischen Gemeinschaft sind angekündigt. Und auch Feste, Theateraufführungen und Vorträge.

Alles spricht dafür, dass der Geburtstag zu einem Großereignis wird und das Jubiläumsjahr zu einem Ereignisreigen mit üppigem Ertrag. Schon jetzt versuchen viele, Kapital aus Marx zu schlagen. Mit Marx-Brot und Marx-Schokolade, mit Wein, Tassen oder Taschen. Selbst rauschebärtige Badeenten stehen in den Regalen. Und ein neuer Null-Euro-Schein mit dem Konterfei des Denkers hat nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA oder Russland derart eingeschlagen, dass Tausende Exemplare des drei Euro teuren Andenkens innerhalb kürzester Zeit verkauft waren, sodass die Tourist-Information nachbestellen musste.

Schon an die 700 Führungen sind gebucht. „Das Interesse der Medien, aber auch das von Individual- und Gruppenreisenden ist enorm“, sagt Ann-Kathrin Reichenbach, Sprecherin der Ausstellungsgesellschaft. Fast täglich berichten nationale und internationale Journalisten dieser Tage über Marx, seine Geburtsstadt und die Ausstellung oder über die mehr als 600 Programmpunkte, die das Jubiläumsjahr der Stadt beschert.

Mehr von Volksfreund