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Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Streugewinn, viral

So, einiges los gewesen diese Woche. Aber der Reihe nach – die Coronatagebücher, fünfter Eintrag: Seltsam, diese ganz anderen Eifeler Frühlingsempfindungen ...

An manchen Tagen benebelt dich auf deinen streng reglementierten Touren ein völlig neues atmosphärisches Gemisch aus Angst, Gülle und Desinfektionsmittel. Ich hab mich schon dran gewöhnt. Nur den Güllegeruch, den werd ich mal vermissen.

Kein Problem auch, dass man niemandem mehr die Hand geben darf. Es gibt ja welche, denen man die sowieso nicht gern hinhält. Und vor allem nicht „das schöne Händchen“, buah.

Ich verbuche das unter „virenbedingter Streugewinn“. Auch die Begrüßungs-Umarmerei, für den sozial (und auch sonst) ja eher grunddistanzierten Eifeler ohnehin ein übertriebenes Gedöns, hat sich vorerst erledigt. Und dann immer Küsschen rechts, Küsschen links und ... oh, Mist, die Person kommt aus einem Kulturkreis, in dem man dann nochmal Küsschen rechts geben muss, jetzt hängt das gesamte Ritual so komisch in der Luft... gut, dann noch ein Küsschen – und die Person sagt: Nö, zweimal ist genug. Schon kommst du dir übergriffig vor.

Und jetzt? Sind das alles Fragen, die man sich nicht mehr stellen muss. Apropos Fragen: Ich erhielt Antworten. Zuhauf! Denn unsere „Wegger“-Kolumne von Samstag (wegger, für dialektgeforderte Hochdeutschleidende, heißt: „weiter“) brachte kräftigen Ertrag, den ich gerade dabei bin, in die Scheuer einzufahren. Und Fritz Irsch, seit unfassbaren 83 Jahren Mitglied im Fanfarenzug Waxweiler, rief an: Das mit der Klopapiernot in deutschen Nasszellen, sagt er, erinnere ihn an eine noch härtere Zeit, für ihn mit seinen 92 Jahren kein Problem: Da habe sich, erzählt er, ein russischer Besatzungssoldat mal entleerungsbedingt in ein germanisches Gebüsch verdrückt und zwecks Reinigung anschließend hinter sich ins Grüne gegriffen. Da waren aber nur Brennesseln. Reaktion des hinten unten eher robusten Russen: „Armes Deutschland, was hast du warmes Gras!“ Da entfährt mir glatt ein kräftiger Fanfarenstoß, Herr Irsch!

So, der üppige Leserreaktionsrest kommt als Nächstes! Bis dahin: bleibt heil und tapfer.

Et jit net jerannt.