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Erziehung: Dicke Ordner voller Beschwerden

Erziehung : Dicke Ordner voller Beschwerden

Zum Seite-eins-Anriss „Sammelt Beschwerden über das neue Kita-Gesetz: Ministerin Hubig“ und zum Artikel „Dicke Ordner voller Beschwerden“ (TV vom 17. Januar) schreibt Erni Schaaf-Peitz:

Mit Erstaunen las ich im TV, dass Ministerin Stefanie Hubig Beschwerden über das neue Kita-Gesetz sammelt. Hatte sie doch wenige Stunden vor der geplanten Übergabe der Unterschriften in Trier kurzfristig aufgrund eines wichtigen, wichtigeren Termins als die Übergabe von mehr als 30 000 Stimmen aus der Kita-Praxis zum Entwurf des Kita-Zukunftsgesetzes  abgesagt! Sie ließ sich durch Staatssekretär Hans Beckmann vertreten, der dies durchaus meisterte, trotz der über diese Absage hörbar enttäuschten Erzieherinnen und Erzieher.

Gerne hätte ich als Leiterin einer Kita die Ministerin Hubig gefragt, wie sie den Besuch in dieser Kita im Juni 2018 im Rahmen der Entwicklung des Entwurfs zum Kita-Zukunftsgesetz wahrgenommen und ausgewertet hat. Waren dort etwa die pädagogischen Fachkräfte unbeschäftigt, gar zu viel? Wie hat sie die Umsetzung des gesetzlichen Auftrags der Kita hinsichtlich Bildung,  Erziehung und Betreuung  gesehen? Wurde die Aussage des Rechnungshofes vom August 2017 bestätigt, dass zu viele Erzieher im Land seien und diese zu wenig zu tun hätten? Hat sie dies so erlebt in dieser im Rahmen des alten Kita-Gesetzes von 1991 personell ausgestatteten Ganztags-Kita mit mehr als 100 Kindern im Alter von eins  bis sechs? Warum soll nun diese Kita laut Bemessung nach dem neuen Gesetz zukünftig Personal  einsparen müssen ?

Wie kann ein Kita-Gesetz im jetzigen Entwurf vorliegen, wenn politische Entscheidungsträger sich auf Praxis vor Ort einlassen, sie diese aber letztendlich doch außen vorlassen? Wie ernsthaft werden die Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis gewertet und weiterführend genutzt?

Die Kitas können mittlerweile ohne eine angemessene Fachkraft-Kind-Relation keine Gewähr für die Zukunft geben! Dies war das eindeutige Fazit der lebhaften Diskussion in Trier und wurde durch die Übergabe der dicken Ordner voller Beschwerden aus der Kita-Praxis schriftlich festgehalten!

Erni Schaaf-Peitz, Erzieherin und Leiterin einer Kita, Wittlich