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Gesellschaft: Unverzeihlich

Gesellschaft : Unverzeihlich

Zum Forum „Wir sind Trier – das macht Mut!“ (TV vom 5./6. Dezember) schreibt Walter Conzem:

Der stellvertretende Chefredakteur des TV behandelt in seinem Kommentar bezüglich der Amokfahrt in Trier die Frage des „Warum“. In diesem Fall ist sie sicherlich nicht einfach zu beantworten. Diese Frage sollten die Medien, auch der TV, auch bei anderen Ereignissen stellen, anstatt den Mainstream zu bedienen. Zum Beispiel, warum rechtslastige Parteien so stark geworden sind, warum viele Polizisten und Soldaten ins rechte Lager abdriften? Ich habe vor einigen Tagen in der Stuttgarter Zeitung ein interessantes Interview mit dem bekannten Schauspieler Jürgen Prochnow gelesen, der gefragt wurde, was ihm an Deutschland am meisten aufgefallen sei, als er nach langjährigem Aufenthalt in den USA zurückkehrte. Die Antwort war, dass es hier in fast allen Großstädten Parallel-Gesellschaften gebe, in denen kein deutsches Recht mehr gelte, das habe es bei seiner Abreise vor Jahren noch nicht gegeben, es sei unverzeihlich, dass die Politik das zugelassen habe.

Das wäre doch auch eine Antwort auf die Frage „warum“, bezogen auf rechte Auswüchse bei Polizei und Bundeswehr. Vor allem unsere Polizei muss sich mit diesen Zuständen auseinandersetzen, die nicht sie, sondern unsere Politiker zu verantworten haben. Leider wird dieses Problem nicht in den Medien thematisiert. Es passt halt nicht in unsere Multi-Kulti-Mainstream-Philosophie. Wenn man die Frage nach dem „Warum“ auch bei anderen politischen Themen stellen würde, etwa bezogen auf die Präsidenten anderer Länder wie Putin, käme man womöglich auf Antworten, die nicht in die offizielle politische Landschaft passen, und deshalb ungelegen sind.

Walter Conzem, Wellen