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Interview mit Singer-Songwriter Hannes Wittmer, der am Dienstag in Trier spielt.

Konzert in Trier : „Meine persönliche Konsumkritik“ - Songwriter Hannes Wittmer im TV-Interview

Der Singer-Songwriter Hannes Wittmer spielt am Dienstag in Trier. Dem TV erzählt er vorab, warum jeder selbst den Eintrittspreis bestimmen darf.

Mit seinem neuen Album „Das große Spektakel“ schlägt Hannes Wittmer neue Wege ein. Der Singer-Songwriter aus Würzburg hat an seinem Musikstil wenig geändert, und seine Texte bieten feine, kluge Alltagsbeobachtungen. Dafür bietet er seine Musik jetzt kostenlos an. Wie das funktioniert, warum er das tut und weshalb er nicht mehr als Spaceman Spiff auftritt, verriet er TV-Redaktionsmitglied Julia Nemesheimer, mit der er sich im Interview lieber duzen als siezen wollte.

Ihr seid ja gerade auf Tour, wie läuft es denn bisher?

HANNES WITTMER Super! Die bisherigen Konzerte waren wirklich gut – es waren Leute da, die haben in die Hände geklatscht, während wir gespielt haben und es war genau so, wie man es sich wünscht (lacht).

Dabei schlägst du eine etwas andere Richtung ein und hast keinen festen Eintrittspreis. Jeder darf so viel zahlen, wie er möchte. Ähnlich verhält es sich mit deinem aktuellen Album „Das große Spektakel“, das als kostenloser Download nur auf deiner Webseite verfügbar ist. Funktioniert das Konzept?

WITTMER Das mag man unterschiedlich auffassen. Aber ich möchte mich von der Marktlogik lösen und schauen, ob das nicht auch ohne die ganze normale Maschinerie funktioniert. Das ist meine persönliche Konsumkritik; und wer mag, darf mich dabei begleiten. Ich merke schon, dass die Leute sich viel mehr darauf einlassen. Ich führe darüber wahnsinnig viele Gespräche nach den Konzerten und bekomme auch viele E-Mails zu dem Thema. Wenn einem die Musik gefällt, kann man direkt per PayPal oder auf mein Konto das überweisen, was es einem wert ist. Gleiches gilt bei den Konzerten. Daher hab ich das Gefühl, dass es weniger um Geld und feste Beträge geht, sondern dass die Verbindung zwischen mir, der Musik und dem Publikum viel tiefer geworden ist. Handel und Marktregeln können da einen großen Graben entstehen lassen.

Bekommst du denn mit, wie die Leute sich entscheiden? Für welche Beträge, ob es da Diskussionen untereinander gibt oder viele dabei sein, die gar nichts zahlen?

WITTMER Direkt an der Kasse bekomme ich das natürlich nicht mit, aber was ich erfahre; ist, dass es den Leuten weniger um den tatsächlichen Wert geht. Ich selbst halte die Kosten transparent. Ich hab Erklärvideos gemacht, in denen ich genau darlege, wie viel Geld ich wofür brauche, damit es meine Kosten deckt. Manche Menschen verdienen mehr oder weniger Geld; und damit gibt es diejenigen, die über dem Durchschnitt zahlen können, und solche, die eher darunter liegen. Aber genau für die soll es eben auch offen sein, vorbeizukommen und etwa für fünf Euro das Konzert zu erleben. Ich möchte keine Leute ausschließen, nur weil sie kein Geld haben. Das kenne ich von meiner eigenen Studentenzeit, dass man sich bei 20 Euro Eintritt schon ein paar Mal überlegt, ob man sich das jetzt leisten kann oder nicht. Das möchte ich damit vermeiden. Bisher scheint das auch ganz gut zu funktionieren.

Ohne Label muss viel auf Mund-zu-Mund-Propaganda gesetzt werden. Glaubst du, deine bisherige Laufbahn und Bekanntheit als Spaceman Spiff und auch das aktuelle Konzept tragen dazu bei, dass du mehr Menschen erreichst?

WITTMER Mit Sicherheit. Das, was an Promo wegfällt, wird durch die „Pay What You Want“-Idee, die ich ja auch nicht erfunden habe, mit aufgefangen. In meinem Fall ist es eher ungewöhnlich, weil ich mich dem „musikalischen Mittelstand“ zuordnen würde, also auch ein bisschen von meiner Musik leben kann (lacht). Dabei ist mir auch aufgefallen, dass der Musikjournalismus weniger Interesse gezeigt hat, dafür aber die Feuilletons häufiger für Interviews anfragen.

Jetzt erscheint das Album beim mairisch Verlag als Vinyl-Platte. Wie kam es dazu?

WITTMER Ich wollte das Album nirgends als Produkt anbieten, aber ich höre selbst total gerne Musik über den Plattenspieler. Da hat man noch was Richtiges in den Händen – eine CD zum Beipiel kannst du ja einfach so zu Hause brennen. Mit dem mairisch Verlag habe ich mich entschieden, eine Vinyl-LP in limitierter Auflage zu produzieren. Da haben wir entsprechend auch Kosten. Aber falls bei dem Verkauf der LP Gewinn rausspringen sollte, spenden wir das an „Ärzte ohne Grenzen“.

Zehn Jahre lang warst du als Spaceman Spiff unterwegs. Warum hast du dich dafür entschieden, unter deinem bürgerlichen Namen Hannes Wittmer weiterzumachen?

WITTMER Das hat mehrere Gründe. Einer war, dass ich schon so lange unter dem Pseudonym gespielt habe. Damals war ich 20 Jahre alt und habe mir nicht so viele Gedanken darum gemacht, als ich mich nach einer Comicfigur aus „Calvin and Hobbes“ benannt habe. Entsprechend verändert man sich mit der Zeit und ich bin mir nicht sicher, ob ich in weiteren zehn Jahren noch unter diesem Namen auftreten möchte. Ein anderer war, dass ich, als ich das dritte Album „Endlich Nichts“ veröffentlicht habe, alle meine Sachen noch einmal angehört habe. Da habe ich dann gemerkt, dass es doch eigentlich einen ganz runden Abschluss bildet. Das war mein Leben in meinen 20ern, das war Spaceman Spiff. Mit der neuen Platte „Das große Spektakel“ ist der Zeitpunkt gekommen, ab dem ich als Hannes Wittmer auftreten kann.

Nächste Woche spielst du in Trier im Rahmen der Release-Tour, die dich an 23 Tagen in 18 Städte führt. Was erwartet deine Gäste?

WITTMER (lacht) Das ist immer schwierig zu beantworten. Es erwarten die Menschen laute und leise Lieder. Texte zum Zuhören und vielleicht Drin-Wiederfinden, in die man Dinge reininterpretieren kann und ganz fantastische Musiker. Leider müssen wir durch die Verlegung in Lucky’s Luke in Trier die Besetzung reduzieren, wir spielen nur als Duo. Aber wir freuen uns sehr darauf und sind froh, dass wir eine Alternative gefunden haben für den Balkensaal im Exhaus.

Am Dienstag, 19. Februar, 20 Uhr, spielt Hannes Wittmer in Lucky’s Luke. Seine Musik kann man unter www.hanneswittmer.de kostenlos anhören.