TV-Kolumnistin Kathrin Hofmeister zu Unkraut

Kolumne Mein schöner Garten : Unkraut beizeiten beseitigen

Mit weißer Farbe können Hobbygärtner ihre jungen Bäume vor den Folgen von Temperaturunterschieden im Winter bewahren.

Du musst das positiv sehen, meint die Bekannte. Sie ist auf dem „alles wird gut“-Trip. Aber wie bitte soll man dieses unsägliche Unkraut in Form unzähliger Springkrautrosetten positiv sehen?! „Du darfst nicht denken, das ist wild wucherndes Unkraut. Du musst dich freuen, was für eine erstaunliche Konstitution die Pflanze hat.“ Ich kann nur denken: Wenn man diesen Muskelprotz von Grünzeug nicht zur rechten Zeit wegmacht, samt es aus und vermehrt sich explosionsartig. Sagen höre ich mich: „Das Zeug muss raus. Es ist voll übel.“ Die Bekannte versucht’s jetzt mit der Weisheit des Brahmanen: „Wenn es dir übel geht, nimm es für gut nur immer; wenn du es übel nimmst, so geht es dir noch schlimmer.“ Ich erinnere sie daran, wie übel sie selber es nimmt, dass von den im Herbst gesetzten Schneeglöckchenzwiebeln keine einzige kommt. Die Zwiebeln waren wohl schon vertrocknet. Das passiert schnell, wenn sie zu lange liegen. Die Bekannte beschwichtigt, daraus habe sie gelernt, dass man Schneeglöckchen besser in grünem Zustand erwirbt und verpflanzt. Den neu erworbenen Exemplaren wolle sie jetzt einen positiven Start in einer besonders guten Erde geben. Aber Vorsicht: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht! Schneeglöckchen stehen am liebsten im „unbehandelten“ Gartenboden. Anders als bei Tulpen tut man ihnen nichts Gutes, wenn man gekaufte Blumenerde ins Pflanzloch gibt. Besser setzt man sie einfach in den möglichst humosen Boden ein. Am liebsten stehen sie in reifen Gärten, wo es bereits einen Gehölzrand gibt oder Rasenränder zum Verwildern. An ungestörten Plätzen vermehren sie sich durch Samen und Brutzwiebeln. Warum das so lange dauert, bis sie große Bestände bilden? Positiv formuliert würde man sagen: „Gut Ding will Weile haben.“

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