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In der Pflege mangelt es an Fachpersonal

Mainz. In Rheinland-Pfalz droht nach einhelliger Auffassung des Landtags ein zunehmender Nachwuchsmangel im Pflegebereich. Rot-Grün verweist aber auf große Anstrengungen und sieht die Lage nicht so dramatisch wie die CDU. Frank Giarra

Mainz. Im Landtag fliegen oft genug verbal die Fetzen. Ein konfliktträchtiges Thema wie die Energiewende führt etwa meist zu lautstarken Auseinandersetzungen. Ganz anders ist das am Donnerstag, als es um das Personal in Gesundheits- und Pflegeberufen geht. Peters Enders wählt für die oppositionelle CDU mahnende, aber sehr sachliche Worte, und wird dafür gleich zweimal von Rot-Grün gelobt.
Was Enders zu sagen hat, klingt bedrohlich: Aufgrund der älter werdenden Bevölkerung ergebe sich eine große Nachfrage an Fachpersonal im Pflegebereich. Bis 2020 würden 212 000 und bis 2030 etwa 328 000 Vollzeitkräfte fehlen, zitiert Enders aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft PWC. "Die Lage in Rheinland-Pfalz wird katastrophal sein, weil die demografische Entwicklung hier viel stärker durchschlägt."
"Wir wissen, dass wir Nachwuchsprobleme haben", bestätigt der Grüne Fred Konrad. Die Zielgruppe derer, die ausgebildet werden könnten, werde kleiner. Konrad bewertet die Lage aber anders als Enders. "Die Zahl der Auszubildenden nimmt seit Jahren deutlich zu. Unsere Politik kann also nicht so falsch sein."
Gesundheitsministerin Malu Dreyer bekräftigt, die Landesregierung habe sich das Thema "seit 2002 auf die Fahne geschrieben". In Rheinland-Pfalz werde ein viel stärkerer Fokus darauf gelegt als in anderen Bundesländern. Dreyer verweist auf gezielte Monitorings und daraus abgeleitete Maßnahmen. Die Ministerin zeigt auf, man müsse stärker auf die Umschulung schauen. "Da haben wir leider noch keine Lösung." Auch an den Arbeitsbedingungen müsse intensiv gearbeitet werden. Derzeit laufe ein Führungsseminar.
Kathrin Anklam-Trapp (SPD) betont, die Anstrengungen in Rheinland-Pfalz seien "seit mehr als zehn Jahren beispielgebend". Die Schülerzahlen in Gesundheit, Pflege und insbesondere Altenpflege seien stark gestiegen.
Aufgrund der geografischen Nähe zu Luxemburg, wo höhere Löhne gezahlt werden und wohin Fachkräfte abwandern, ist die Lage im ehemaligen Regierungsbezirk Trier schlechter als im übrigen Land. Es gibt allerdings ein Bündel an Maßnahmen, an denen auch die Arbeitsagentur, die Stadt Trier und die Universität Trier beteiligt sind. So soll unter anderem ein Forum Gesundheitswirtschaft mit Schwerpunkt auf Aus- und Weiterbildung gegründet werden.