Das richtige Urteil?

Die unter Aufsicht Saddam Husseins im Irak begangenen Verbrechen verdienen eine harte Strafe. Doch ist die Todesstrafe das richtige Urteil? Wer sonst - wie beispielsweise die EU-Staaten - gegen diese finale Sanktionsform zu Felde zieht, muss in der logischen Konsequenz jetzt sagen: Eine lebenslange Haftstrafe hätte dem westlichen Rechtsempfinden nicht nur Genüge getan, sondern wäre auch ein Ausdruck moderner Justiz.

Doch in und um Bagdad herrschen andere Gesetze - und unter den Angehörigen der Opfer Saddams dominiert der verständliche Wunsch, einen Schlussstrich zu ziehen und den Verurteilten vom Galgen baumeln zu sehen. Die Debatte, ob sich im Falle einer Exekution die bürgerkriegsähnlichen Unruhen noch verstärken werden, erscheint dabei müßig: Schon heute scheint der Hass zwischen Sunniten und Schiiten kaum noch steigerbar zu sein. Eine Hinrichtung ihres einstigen Idols wird die sunnitische Minderheit in jedem Fall als Provokation ansehen, eine Verschonung wird den schiitischen Radikalen, die gestern Freudenfeiern abhielten, nicht gefallen. Deshalb wird das Urteil auch auf lange Zeit umstritten bleiben und nicht zur Befriedung des Landes beitragen können. nachrichten.red@volksfreund.de