Nur beim ersten Blick mehr Geld

Nur beim ersten Blick mehr Geld

Obwohl Krankenkassen mehr Geld für Ärztehonorare zahlen, verdienen einige niedergelassene Mediziner im Land weniger als vor der Honorarreform. Um bis zu 20 Prozent ist der Umsatz bei einigen Ärzten zurückgegangen.

Trier. Es waren zähe Verhandlungen im Sommer 2008. Am Ende waren die Krankenkassen bereit, 2,5 Milliarden Euro und damit zehn Prozent mehr für die Honorare der niedergelassenen Ärzte zur Verfügung zu stellen. Der höchste deutsche Ärztevertreter, Andreas Köhler, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), feierte die Honorarreform im August 2008 als die "höchste Steigerung der Gesamtvergütung seit Bestehen der ärztlichen Selbstverwaltung".

Region liegt knapp über dem Landesschnitt



Um fast neun Prozent sollten die Einnahmen der niedergelassenen Mediziner in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr steigen. Das jedenfalls schätzte die KBV. Schon nach dem ersten Quartal klagten vor allem Hautärzte, aber auch Allgemeinmediziner, dass sie weniger oder aber nur gering mehr umsetzen würden. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz begründete das damit, dass die Zahl der gesetzlich Versicherten im Land deutlich zurückgegangen sei und dadurch weniger Geld von den Kassen in den Honorartopf fließe.

Nun legte die KV die tatsächlichen Zahlen für 2009 vor. Niedergelassene Ärzte haben für die Behandlung von Kassenpatienten gerade mal 2,5 Prozent mehr erhalten. In der Region Trier sieht es nach Auskunft von Pascal Schnitzius von der Honorarabteilung der KV etwas besser aus.

Die Gesamthonorare der Ärzte in der Region liegen laut Schnitzius etwas über dem Landesschnitt. Grund: Hier würden viele Grenzgänger behandelt, die nicht dem Budget der gesetzlichen Krankenkassen unterliegen "und dem Arzt somit immer voll vergütet werden".

Als Grund für den landesweit geringeren Honoraranstieg etwa bei den Hausärzten nennt die Ärztevereinigung dieses Mal unter anderem eine Zunahme der Behandlungen wegen einer starken Erkältungs- und Grippewelle im vergangenen Jahr. Zwar hätten die Hausärzte ihre Umsätze von 2008 halten können, allerdings hätten sie dafür rund vier Prozent mehr Patienten behandeln müssen, die Kinderärzte sogar acht Prozent mehr. Mehr Patienten bedeutet nach der komplexen Vergütungsverordnung aber nicht automatisch mehr Honorar. Die Behandlungen vor allem durch Allgemeinärzte werden nach einem festgelegten sogenannten Regelleistungsvolumen bezahlt. Dieses Budget ist ein Jahr im Voraus nach bundesweit einheitlichen Berechnungsvorgaben festgelegt. Das Regelleistungsvolumen richtet sich nach der Zahl der im Jahr behandelten Patienten in der Praxis. Behandelt ein Arzt etwa wegen einer Grippewelle mehr Patienten, erhält er nicht mehr Geld. Die verschiedenen Behandlungen werden mit sogenannten Punktwerten vergütet, pro Punkt gibt es 3,5 Cent.

Hausärzte zählen zu den Gewinnern



Allerdings musste die KV im vergangenen Jahr diesen Punktwert auf 2,1 Cent nach unten korrigieren, weil sie im Sommer feststellte, dass sie im ersten Quartal den Ärzten im Verhältnis zu dem zur Verfügung stehenden Budget zu hohe Honorare überwiesen hatte. Dies, so sagt nun KV-Chef Günter Gerhardt, habe zu erheblichen Honorarverlusten geführt. Laut KV machten Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Hautärzte, Radiologen, Urologen, Chirurgen und Orthopäden 2009 zwischen zehn und 20 Prozent weniger Umsatz als im Jahr zuvor. 2008 betrug nach Angaben der Vereinigung der Umsatz eines Radiologen 428 919 Euro, vergangenes Jahr ging der Umsatz demnach auf 399 047 Euro zurück - ein Minus von sieben Prozent. Verdiente ein Gynäkologe 2008 noch 172 714 Euro brutto, waren es im vergangenen Jahr 3,5 Prozent weniger, HNO-Ärzte machten 6,1 Prozent weniger Umsatz.

Zu den Gewinnern zählen unter anderem Hausärzte mit einem Honorarplus von 4,6 Prozent, Augenärzte mit einem Plus von 8,7 Prozent, psychologische Psychotherapeuten (plus 16,3 Prozent, Umsatz von 75 323 Euro).

Damit liege die Steigerung aber weit hinter den Erwartungen der 2008 beschlossenen Honorarreform zurück, sagt KV-Chef Gerhardt. Da es auch in anderen Bundesländern ähnlich aussieht, ist für 9. Mai eine Krisensitzung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung geplant. Für dieses Jahr werden die Honorare aber wohl nicht mehr steigen. Sollten Lösungen bei dem Treffen gefunden werden, würden diese erst ab 2011 gelten, sagt Gerhardt. Extra Das verdient ein Arzt in Rheinland-Pfalz: Im Schnitt lag der Umsatz einer Arztpraxis im vergangenen Jahr bei 186 041 Euro, pro Patient wurden 56,28 Euro umgesetzt, ein Arzt behandelt nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz 3306 Fälle pro Jahr. Hausarzt: 3386 Fälle, Umsatz pro Fall 54,72 Euro, Gesamtumsatz 185 318 Euro; Kinderarzt: 3651 Fälle, 51,10 Euro, 186 592 Euro; Augenarzt: 5749 Fälle, 40,49 Euro, 232 766 Euro; Chirurg: 2589 Fälle, 63,73 Euro, 164 990 Euro; Gynäkologen: 3693 Fälle, 45,12 Euro, 166 619 Euro; HNO-Arzt: 4558 Fälle, 33,76 Euro, 153 851 Euro; Internist/Lungenarzt: 2716 Fälle, 137,90 Euro, 374 593 Euro. (wie)

Mehr von Volksfreund