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Studierte Pfleger für die Patienten der Zukunft

Studierte Pfleger für die Patienten der Zukunft

Gute Perspektiven für die Universität und die Region: Das erhoffen sich viele von einem Pflege-Studiengang. Die Erwartungen sind hoch: Die neue akademische Ausbildung soll Pflegenotstand vor Ort verhindern helfen, Anknüpfungspunkte für die Gesundheitswirtschaft bieten und der Uni ein weiteres Standbein liefern.

Trier. Die Richtung, in die es geht, ist angesichts der demografischen und gesellschaftlichen Entwicklung klar: Der Pflege-sektor wird in den nächsten Jahrzehnten massiv an Bedeutung gewinnen, und er wird sich strukturell verändern. "Gestiegene Qualitätsanforderungen führen dazu, dass sich Pflege und Therapie zunehmend auch zu Tätigkeitsfeldern von Akademikern entwickeln", analysiert Susanne Kriegbaum von der Bundesagentur für Arbeit.
Entsprechend herrscht an den Hochschulen Aufbruchstimmung in Richtung von Pflege-Studiengängen. In Trier gab es schon vor vier Jahren konkrete Anstöße aus der Stadt - im Rahmen eines Workshops zur Gesundheitswirtschaft. Damals dachte man zunächst in Richtung eines Studiengangs für Gesundheits- und Pflege-Management.
Doch es waren die von Anfang an in die Überlegungen eingebundenen Trierer Krankenhäuser, die darauf hinwiesen, dass der Bedarf nicht unbedingt bei Gesundheitsmanagern liege, sondern bei - auch für Führungsaufgaben - optimal qualifizierten Pflegekräften. Auch die Landesregierung steuerte 2011 in diese Richtung, und so verfestigte sich die Idee eines dualen Studiengangs. Praktische Ausbildung im Brüderkrankenhaus, Mutterhaus oder im ökumenischen Verbundkrankenhaus, verbunden mit einem Studium an der Uni.
Acht Semester bis zum Bachelor, den es nicht, wie bisher üblich, für einen spezialisierten Bereich geben soll, sondern für Pflegewissenschaft allgemein, inklusive Kinder-, Kranken- und Altenpflege, was Uni-Präsident Michael Jäckel gerne einen "generalisierten Ansatz" nennt und als Novität preist. Mit 20 bis 30 Studenten pro Jahrgang wird kalkuliert, macht zunächst 100 im Normalbetrieb. Aber Jäckel hat auch Pläne für höhere Studentenzahlen in der Schublade, falls der erhoffte Run einsetzt. Und er will bei den Krankenhauspartnern den Kreis Richtung Region erweitern. Im Uni-Umfeld ist der Jubel so groß wie die Hoffnungen. Der Hochschulrat hat sich einstimmig für die Einführung ausgesprochen, die regionale Wirtschaft lobt die Initiative, Oberbürgermeister Klaus Jensen lässt ausrichten, in Trier werde mit dem neuen Studiengang "ein weiterer Baustein für ein attraktives, differenziertes und zukunftsweisendes Bildungsangebot im Bereich Gesundheits- und Pflegewirtschaft bereitstehen, das den Entwicklungen auf europäischer und Bundesebene sowie der Qualifizierungsoffensive des Landes Rheinland Pfalz folgt."
Auch seine Ehefrau, Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), hatte kürzlich beim Redaktionsgespräch mit dem Trierischen Volksfreund große Sympathie für das Vorhaben erkennen lassen.
In seiner Hochschule selbst musste Präsident Jäckel allerdings einigen Gegenwind aushalten. Das hatte weniger mit dem Studiengang als solchem zu tun als mit der generellen Debatte um die Sparmaßnahmen der Uni. Etwas Neues aufzulegen in Zeiten, da die Existenz manch exotischen Fachs infrage gestellt wird: Damit taten sich einige Vertreter der akademischen Gruppen schwer. Doch Jäckel brachte sein Konzept im Senat mit zwölf Ja- bei fünf Gegenstimmen und vier Enthaltungen durch, und auch im zuständigen Fachbereichsrat gab es ein klares Plazet.
Klage mit geringen Aussichten


Zur Senatsentscheidung droht nun ein juristisches Nachspiel: Die vier studentischen Vertreter verklagen Jäckel, weil er ihr "Gruppenveto", das zu einer neuen Abstimmung im Senat geführt hätte, als unzulässig und unbegründet zurückwies. Zentrales Argument der Studis: Dem Senat habe eine zentrale Information gefehlt, nämlich die Gründung einer Akademie für Pflegewissenschaften in Bernkastel-Kues. Dadurch sei ein wichtiges Argument der Befürworter - die regionale Alleinstellung - entfallen.
Das sieht Jäckel ganz anders: Der hohe regionale und überregionale Bedarf sei mit der kleinen Privat-Akademie an der Mosel nicht zu decken. Aber selbst wenn die Studentenvertreter recht bekämen und die Abstimmung wiederholt werden müsste: Jäckel sieht keine Gefahr, dass sich die Mehrheitsverhältnisse dadurch ändern würden.Extra

Der deutsche Wissenschaftsrat fordert, zehn bis 20 Prozent jedes Ausbildungsjahrgangs in Pflege- und Therapieberufen sollten eine akademische Ausbildung haben. Viele Experten halten diesen Anteil sogar für eher knapp kalkuliert. Pflegestudiengänge gibt es schon länger, aber sie sind eine Domäne der Fachhochschulen. Professorin Renate Stemmer von der Katholischen Hochschule Mainz geht laut Frankfurter Allgemeine Zeitung davon aus, dass zur Erfüllung der Wissenschaftsratsforderung schrittweise 5000 zusätzliche Studienplätze in Deutschland geschaffen werden müssen. DiL