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"Terrorgefahr auch in Deutschland"

"Terrorgefahr auch in Deutschland"

DAUN. Es bestehe die Gefahr, dass Deutschland Ziel terroristischer Angriffe wird – dies sagte der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, im TV-Interview. Der Jurist besuchte das Krimifestival "Tatort-Eifel" in Daun als Experte für Terrorismus.

Sie haben sie gesagt, die Zuwanderungspraxis sei lange Zeit zu liberal gewesen. Was meinen sie damit genau?Hanning: Muslimische Zuwanderer in westeuropäischen Ländern, die sich nicht integrieren, können ein Risikopotenzial bilden. Gerade in Spanien und Frankreich mit großen zugewanderten nordafrikanischen Bevölkerungsgruppen, kann man dies beobachten. In Deutschland konnte man häufiger feststellen, dass aus diesen Kreisen heraus logistische Unterstützung für fundamentalistische oder sogar terroristische Strukturen organisiert wird. Neue Gesetze und die bessere personelle Ausstattung der Sicherheitsbehörden nach dem Attentat vom 11. September 2001 machen jetzt eine bessere Überwachung möglich. In welchem Gefährdungsgrad befindet sich Deutschland im weltweiten Vergleich?Hanning: Erstens: Deutschland ist ebenso gefährdet, Ziel terroristischer Angriffe zu werden, wie jedes andere EU-Land auch. Dabei wirkt sich aus, dass es in der EU eine starke Vernetzung terroristischer Zellen gibt. Zweitens: Die Aufklärung kleiner terroristischer Gruppen, die sich streng abgeschottet in einem unübersichtlichen muslimischen Umfeld entwickeln, ist extrem schwierig. Und auch wenn die Sicherheitsbehörden viele dieser Gruppen erkennen, besteht noch immer die Gefahr, dass andere unerkannt bleiben, wie dies in Leeds bei jener Gruppe der Fall war, die die Londoner Anschläge durchgeführt hat. Haben Attentäter Rheinland-Pfalz als angrenzendes Bundesland zu einigen EU-Staaten besonders im Visier?Hanning: Bei einem Europa mit offenen Grenzen hängt unsere Sicherheit auch von der Sicherheit der Nachbarländer ab. Wir wissen von islamischen Zellen rund um Rheinland-Pfalz. Die Kollegen der Landesämter und des Bundesamtes für Verfassungsschutz, mit denen wir eng zusammenarbeiten, beobachten diese Szene sehr genau. Stimmt die Aussage, dass je globaler die Welt wird, desto wichtiger der BND für die Bevölkerung wird?Hanning: Ja. Deutschland ist als Industrieland über den Export weltweit vernetzt. Krisensituationen wie in Palästina, im Irak, in Afghanistan und Zentralasien oder auf dem Kaukasus bringen eine Fülle von Problemen, mit denen sich die deutsche Politik auseinander setzen muss. Da liefern wir unseren Part über die Aufklärung. Also sitzt der BND quasi mit am Tisch, wenn ein großes deutsches Unternehmen den Bau eines Werkes beispielsweise in China plant?Hanning: Es kommt vor, dass Konzerne in Bezug auf die jeweilige Sicherheitslage anfragen. Der BND hat einen guten Überblick in vielen Ländern. Ein besonderes Augenmerk richten wir auf die Exportwege von Massenvernichtungswaffen oder entsprechend verwendbaren Bauteilen. Die Fußball WM 2006 steht vor der Tür. Welchen Part hat da der BND als Auslandsexperte der ausrichtenden Nation?Hanning: Wir sind mit unserer Expertise Teil der Sicherheitsarchitektur der WM 2006. Insbesondere geben wir alle hier relevanten uns vorliegenden Informationen und die unserer ausländischen Partnerdienste ans Bundesinnenministerium weiter. Gemeinsam arbeiten wir daran, dass die WM so sicher wie möglich sein wird. Sie haben dem Schriftsteller Jacques Berndorf alias Michael Preute für die Recherche zu seinem neuen Thriller einen Ex-Agenten an die Seite gestellt. Erstmals in der fast 50-jährigen BND-Geschichte. Ist das ein weiterer Schritt im Wandel des BND vom strikten Geheimdienst zum "Dienstleister unter besonderen Umständen"?Hanning: Das Buch ist keine Image-Kampagne, aber wir sind sehr an realitätsnaher Berichterstattung interessiert und wollen der Öffentlichkeit unser Metier korrekt näher bringen. Herr Preute ist der erste Autor, der sich sehr intensiv mit unseren praktischen Problemen befasst hat. Die Fragen stellte unsere Mitarbeiterin Gabi Vogelsberg. S Speisen, Spannung und Spione - Unter diesem Motto hat der BND das Kochbuch "Top(f) Secret" herausgegeben. Darin werden nicht nur geheime Süppchen gekocht, sondern interessante BND-Geschichten aus allen möglichen Ländern erzählt (Details sind natürlich geheim!). Passend zu jeder Geschichte gibt es ein landestypisches Rezept. Der TV und der BND verlosen fünf vom BND-Präsidenten handsignierte Kochbücher. Schicken Sie bis Montag eine E-Mail mit vollständigem Namen und Adresse mit dem Betreff "BND" an bnd@volksfreund.de. Die Bücher werden unter allen Einsendern verlost.