Die Gruppe „Vintage Women“ zeigt auf Schloss Hamm beim Sommerheckmeck Jonglage und Artistik

Sommerheckmeck auf Schloss Hamm : Starke Frauen in der Manege

Die Gruppe „Vintage Women“ zeigt beim „Sommerheckmeck“ auf Schloss Hamm Jonglage und Artistik. Zugleich war der Auftritt der Berliner eine Hommage an die großen Frauen des Zirkus der 30er Jahre.

Schloss Hamm als Kulisse –   besser geht’s nicht. Teneka Beckers, Geschäftsführerin der Tuchfabrik Trier und Mitorganisatorin des Kulturfestivals Sommerheckmeck,   hat ein gutes Händchen für Spielstätten bewiesen. Die Gruppe „Vintage Women“ hatte mit dem Innenhof der alten Mauern von Schloss Hamm eine großartige Kulisse für ihre artistischen Darbietungen. Zwar gab es keinen Vorhang und keine echten Theatergong, doch dafür einen improvisierten: Die Darstellerinnen aus Berlin zeigten den Besuchern in zwei Vorstellungen ihr Improvisationstalent, indem sie einfach die Augen zugemacht haben und der Klang des Gongs gesprochen wurde.

Mit einem Blick aus einem Fenster, dass in etwa fünf Metern Höhe hing, ging es los.

Die drei Künstlerinnen versetzten die Besucher in das Jahr 1939 und stellten die damaligen Zirkusgrößen Paula Busch, Zirkusdirektorin, die Löwendompteurin Tilly Bébé, die Kraftfrau Sandwina, die Artistin Lillian Leitzel und die Jongleurin Lotti Brunn dar. Zunächst schwelgten sie in Erinnerungen an ihre ehemalige Wirkungsstätte, die gerade den Bauarbeitern zum Opfer fiel. Doch dann stiegen sie in ihre Manege, zeigten ihr Können und erinnerten damit an die berühmten Frauen. Sandwina konnte beispielsweise 220 Pfund am ausgestreckten Arm halten und mehrere Männer stemmen.

Auf der Bühne in Schloss Hamm zeigte sie aber ihre Schmerzunempfindlichkeit, indem sie mit nackten Füßen und einer ihrer Kolleginnen auf den Schultern über Glasscherben ging. Neben dem artistischen Können stimmten auch Mimik und Posen, beispielsweise das Muskelspiel. Auch die Zuschauer wurden mit einbezogen, so wurde Egon aus Körperich von Sandwina liegend auf ihren Oberschenkeln gestemmt. Mit Keulen, Bällen und Ringen jonglierte Silke Schirack, die damit die Kunst von Lotti Brunn zeigte. Auch die Kostüme, im Stil der 30er Jahre, trugen zur besonderen Atmosphäre  bei.

Mit klassischer Zirkusmusik, Opernstücken und Trommelwirbeln, wurde die Spannung erhöht. Sehr viel Artistisches zeigte Jana Korb als Lillian Leitzel, als sie in etwa fünf Metern Höhe elegante Kunststücke an einer Schaukel turnte. Als sie wieder unten war und eine Ohnmacht spielte, meinte Anja Gessenhardt als Paula Busch nur: „Ohne Ohnmacht, wäre es auch nicht Lillian Leitzel.“

Neben der Zirkus-Kunst der damaligen Zeit, nahm sich Anja Gessenhardt immer wieder Zeit, auf die Lebensgeschichten der Zirkusfrauen einzugehen. Lillian Leitzels Mutter war beispielsweise schon mit 13 Jahren Mutter geworden und Paula Busch bekam mit vier Jahren, als sie heimlich in der Manege war, als erstes eine Tracht Prügel von ihrem Vater, der nicht wollte, dass sie in den Zirkus geht.

Doch die Liebe zum Zirkus war stark und Homer und andere Gestalten aus der griechischen Geschichte interessierten sie nicht. So kam sie doch in die Manege. Den Schluss machte Tilly Bébé, die jeden Tag zu ihren Auftritten gegangen ist, ohne zu wissen, ob sie wieder lebend herauskommt, denn sie hat mit Löwen gearbeitet.

Ihr Lieblingslöwe „Cäsar“ hat ihr einmal fast den Kopf abgebissen, aber sie ist wieder mit ihm und den anderen aufgetreten. Viel Ruhm, eigenes Geld und Unabhängigkeit hat ihnen das eingebracht. „Keine Angst haben, ist unser Beruf“, sagte eine der Zirkusdamen damals.

Jana Korb turnt nahe der Zinnen – als Artistin Lillian Leitzel – am Trapez. Foto: Christina Bents
Silke Schirack beeindruckt als Jongleuse Lotti Brunn. Foto: Christina Bents

Interessierte konnten sich nach der Vorstellung eine Ausstellung zu den Zirkusfrauen ansehen und die „Vintage Women“ standen für Frauen und Gespräche zur Verfügung.