Grundschulen in Bitburg sind zu klein: Unterricht in Containern

Stadtentwicklung : Bitburg diskutiert über Standorte für Grundschulen

In der Grundschule Süd gibt es schon seit langem zu wenig Platz. Nun müssen Container aufgestellt werden, damit die Kinder überhaupt noch richtig unterrichtet werden können. Auf der anderen Seite stehen in der Housing ehemalige Schulgebäude der Amerikaner leer.

Die Mensa ist im Keller. Gegessen wird in der Grundschule Süd im Vier-Schicht-Betrieb. Es gibt nur 50 Plätze für mehr als 200 Ganztagsschüler. Doch nicht nur beim Essen ist es eng. Die Südschule platzt aus allen Nähten.

Deshalb hat der Stadtrat vor einem Jahr eine mehr als zwei Millionen Euro teure Erweiterung beschlossen (der TV berichtete). Doch nun ist der Raumbedarf an der Schule akut so gestiegen, dass dringend eine Notlösung her muss, noch bevor die Bauarbeiten überhaupt begonnen haben. Die Schule soll mit Containern erweitert werden. 

Knapp 6000 Euro pro Monat würde die Miete vier mobiler Container nach Auskunft der Stadt kosten. Nicht gerade wenig, gerechnet auf zweieinhalb Jahre, bis die eigentlich geplante Erweiterung abgeschlossen wäre. Deshalb fordert der Rat, die Verwaltung möge prüfen, ob der Kauf solcher Container nicht günstiger käme. Zumal diese dann auch bei der früher oder später anstehenden Sanierung der Kita Liebfrauen eingesetzt oder bei Bedarf an andere Kommunen vermietet werden könnten. Entschieden ist noch nichts.

Die Stadt stehe wegen der hohen Kosten zunächst mal in Gesprächen mit der Kommunalaufsicht, erklärt Stadtpressesprecher Werner Krämer. Und eben wegen der hohen Kosten sei auch eine freihändige Vergabe des Auftrags nicht möglich. Zudem gäbe es Abstimmungsbedarf wegen baulicher Vorschriften. „Nachdem wir das alles geklärt haben, soll umgehend ein Leistungsverzeichnis für eine Ausschreibung vorbereitet werden“, sagt Krämer. Es wird eins der ersten Themen sein, mit denen sich der Rat nach der Sommerpause befassen wird. Ziel ist es, dass die Container nach den Herbstferien stehen.

Der Stadtrat hätte sich gewünscht, früher von der Raumnot an der Schule erfahren zu haben. Mit so einem Thema könne man nicht so kurzfristig aufschlagen, kritisieren die Räte fraktionsübergreifend. Offenbar war auch für die Verwaltung nicht abzusehen, dass ein Engpass droht. „Erst wenige Wochen vor den Ferien hat sich die tatsächliche Schülerzahl gefestigt, einschließlich der Zahl der Wiederholer, Zuzüge aus anderen Orten und zusätzlichen Schwerpunktschülern, die kurzfristig zugewiesen wurden“, sagt Krämer.

Eine andere Lösung als die Erweiterung mit Containern sieht die Stadt nicht. In der näheren Umgebung der Schule fand die Stadt keinen Raum, den sie kurzfristig hätte anmieten können. Die Klassenverbände einfach größer zu machen, geht ebenfalls nicht. Da die Schule von vielen Förderkindern besucht wird und zudem auch Inklusionsschule ist, seien kleine Klassenverbände von maximal 24 Kinder „unerlässlich“, argumentiert die Verwaltung.

Bleiben also die Container. Und die Frage: Ob es wirklich nötig ist, eine Schule auf diese Weise funktionsfähig zu erhalten, während in der Housing Schulen ungenutzt rumstehen. Diese Frage jedenfalls hat Petra Streit (Liste Streit) in der jüngsten Ratssitzung aufgeworfen. Ebenso wie Jürgen Weiler (CDU).

Inzwischen wird in fast allen Fraktionen über eine mögliche Verlagerung von einem der beiden Grundschulstandorte – neben der Süd- gibt es noch die Nordschule – nachgedacht oder überlegt, ob Bitburg vielleicht eine dritte Grundschule braucht. Die beiden alten Schulgebäude gelten als sanierungsbedürftig. Wie hoch der Sanierungsaufwand tatsächlich ist, soll nun geprüft werden.

Bürgermeister Joachim Kandels sagt auf TV-Anfrage: „Bitburg wird weiter wachsen. Schon heute leben viele Familien in den Neubaugebieten Monental und Schleifmühle sowie in den Stadtteilen Mötsch und Masholder. Weitere werden hinzu kommen, wenn wir die Housing entwickeln. Damit müssen wir uns über einen dritten Grundschulstandort Gedanken machen. Hierfür würde sich sicherlich von der Lage her auch das Areal der Housing anbieten. Deshalb müssen auch die Gebäude dort untersucht werden.“

Doch für die akute Situation in der Südschule hilft die Aussicht darauf, dass es in der Housing Platz satt gibt, wenig. Denn bevor die Stadt Gebäude auf diesem Areal nutzen kann, muss noch viel geklärt werden. Noch ist offen, wer bei der Umnutzung des Geländes, das die Amerikaner Ende 2017 zurück an die Bundesrepublik gegeben haben, den Hut auf haben soll. Die Stadt selbst? Der Bund? Ein privater Investor? Der Zweckverband Flugplatz oder eine noch zu gründende Entwicklungsgesellschaft? Hierauf endlich eine Antwort zu finden, nachdem der Beschluss Ende März vertagt wurde (der TV berichtete), steht bei den Fraktionen des Stadtrats ganz oben auf der Agenda. Ähnlich wie ein Schulkonzept, bei dem auch die derzeitigen Schulstandorte geprüft werden.

Agenda des Stadtrats: Was die sechs Fraktionen nach der Sommerpause unbedingt angehen wollen, lesen Sie heute auf Seite 10.

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