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Uni Trier startet das digitale Semester

Hochschulen : Digitales Abenteuer - Das Semester startet – und keiner geht hin

Keine Lehrveranstaltungen auf dem Campus. Was die Hochschule Trier bereits seit einigen Wochen erprobt, gilt ab heute mit dem Start des Sommersemesters auch für die Universität.

Manchmal beschleunigen sich Entwicklungen rasant. Wer einen Beleg dafür sucht, kann auf die Hochschulen blicken. Auch in Trier ist die digitale Lehre infolge der Corona-Beschränkungen in nahezu allen Fächern zum Standard geworden. „Wir bieten ab heute 90 Prozent unserer Angebote in digitaler Form an“, wird Unipräsident Michael Jäckel zum Beginn des Sommersemesters am Montag den Studienanfängern mitteilen. Nicht im Audimax, wie sonst üblich. Seine Begrüßungsrede – Beginn 10 Uhr – wird ebenso online zu verfolgen sein wie die anstehenden Vorlesungen und Seminare.

In einem Kraftakt sei die Infrastruktur für die fast komplette Digitalisierung der Lehre erweitert worden. „Ich erlebe eine Aufbruchstimmung, die ich so in den mühsamen Fortschrittsjahren der Digitalisierung noch nicht erfahren habe“, freut sich Jäckel trotz der schwierigen Situation. Studierende können trotz des Kontaktverbots wegen der Corona-Pandemie mit dem Studium beginnen oder ihr Studium fortführen und auch in diesem Semester Leistungspunkte erwerben. Alle Prüfungen bis zum 20. April waren wegen Covid-19 abgesagt worden. Die Fristen von Haus- und Abschlussarbeiten wurden pauschal um zwei Monate verlängert.

„Präsenzveranstaltungen wird es vorerst nicht geben“, betont Jäckel. „Auch die Mensen bleiben geschlossen. Wir bitten alle Studierende, dem Campus fernzubleiben.“ Eine Ausnahme werde ab dem 27. April allerdings realisiert. „Da starten wir den Versuch, die Universitätsbibliothek für die analoge Ausleihe zu öffnen.“ Unter strenger Beachtung aller Hygienerichtlinien sollen zwischen 10 und 15 Uhr demnach nur jene Studierenden Zutritt erhalten, die dringend Literatur für Prüfungen benötigen. Soweit möglich, stelle die Bibliothek Literatur und Medien online zur Verfügung. Die Organisation der Lehrveranstaltungen erfolgt nach Angaben der Universität ähnlich wie im Präsenzbetrieb. 1500 der ursprünglich geplanten 1655 Veranstaltungen des Studien- und Lehrangebots im Sommersemester 2020 werden in digitaler Form angeboten. Die Studierenden müssen sich auch dafür regulär anmelden.

Wie es mit den Veranstaltungen zum 50. Geburtsjahr der Uni weitergeht, ist derweil noch offen. „Wir haben alle Veranstaltungen abgesagt, die bis zum 3. Mai stattfinden sollten“, bedauert Jäckel. Eine Entscheidung über das Sommer- und Kulturfest (18. Juni), das Alumni-Fest (26. Juni) und das Rennen der Universitäts-Achter auf der Mosel (11. Juli) ist offiziell noch nicht gefallen.

Hochschule „Dieses Semester ist ein besonderes Semester“, das sagt auch Dorit Schumann, Präsidentin der Hochschule Trier. Dort hat das Semester traditionell einige Wochen vor dem der Universität begonnen. Erste Erfahrungen mit einer rein digitalen Lehre gibt es also bereits. „Es stellt uns alle vor große Herausforderungen – von Studierenden, über Lehrende bis hin zu den Mitarbeitenden“, berichtet Schumann. „In dieser besonderen Zeit zeigt sich umso mehr, dass alle Hochschulangehörigen mit viel Engagement daran arbeiten, den Hochschulbetrieb bestmöglich zu gestalten und zugleich dem Schutz der Gesundheit eine besondere Bedeutung zukommen zu lassen.“

Als einer der ersten Hochschulen in Rheinland-Pfalz habe die Hochschule Trier in kürzester Zeit erfolgreich E-Learning-Konzepte für ihre Studierenden entwickelt und etabliert. „Je nach Fachbereich und Studiengang, bieten wir zwischen 75 und 100 Prozent digitale Lehre an.“ Wie an der Universität werden auch an der Hochschule für die praxisorientierten Werkstattkurse und Laborübungen derzeit Lösungen gesucht. Klar ist: Möglich sind diese nur, wenn besondere Hygiene- und Schutzmaßnahmen erarbeitet worden sind.

Homeoffice ist auch für Studierende der Hochschule Trier angesagt. Foto: Hochschule Trier

Auch auf dem Campus Schneidershof, dem Umweltcampus Birkenfeld und in den Gebäuden für Gestaltung und Modedesign am Irminenfreihof und Paulusplatz in Trier sind derzeit keine Studierenden zu sehen. Die Fachbereiche, so meldet die Hochschulverwaltung, baue die „Distance-Learning-Formate“ stetig aus. Innerhalb von einem Monat sei die Anzahl der produzierten Videos von 380 auf 1606 gestiegen. Homeoffice für Studierende und Lehrende. Die nutzen das neue digitale Zeitalter auch in Form eines wöchentlichen „eStammtischs“ – wie es heißt, zu Impulsvorträgen mit Diskussionsrunden.