Durchwühlt und nicht weggeräumt: Landbesitzer wütend auf Golfpark-Investor

Durchwühlt und nicht weggeräumt: Landbesitzer wütend auf Golfpark-Investor

Das Golfpark-Großprojekt zwischen Temmels und Tawern ist niemals umgesetzt worden. Trotzdem hinterlässt es Spuren, über die sich die betroffenen Grundstückseigentümer ärgern. Sie werfen dem luxemburgischen Investor jetzt vor, seine Versprechungen nicht einzuhalten. Der Beschuldigte schweigt.

Tawern. Jorg Biewers kämpft um sein Recht. Sein Recht darauf, dass das Land seiner Eltern wieder so hergerichtet wird, wie es vorher war - bevor eine Investorengesellschaft auf dem Fellericher Plateau einen Golfpark bauen wollte. Biewers Familie hatte sich vor neun Jahren - zusammen mit etwa 130 anderen Grundstückseigentümern - bereiterklärt, ihren Grund und Boden an die Investorengesellschaft um den Luxemburger Antoine Feidt zu verkaufen. Die Investoren wollten nach eigenen Angaben 180 Millionen Euro ausgeben, um auf dem Areal zwischen Fellerich und Temmels mehr als 200 Baugrundstücke zu erschließen und ein Vier-Sterne-Hotel samt Golfplatz zu bauen. Die Pläne sind 2012 nach zwölf Jahren gescheitert (der TV berichtete). Trotzdem hinterlässt das Golfpark-Projekt seine Spuren.

Sachverhalt: Neben den juristischen Kämpfen, die derzeit ausgefochten werden (siehe Extra), gibt es eben Probleme mit den Grundstücken. So zerteilt zum Beispiel ein 500 Meter langer Weg einen Acker, den der Eigentümer nicht mehr ohne Unterbrechung bestellen kann. Außerdem hat das Rheinische Landesmuseum Trier schon 2007 das potenzielle Golfpark-Gelände durchwühlt und nicht wieder planiert. Während die Archäologen auf dem Feld eines Nachbarn sogar die Grundmauern eines römischen Gutshofs ausgegraben haben, gab es auf Biewers Grundstück keine größeren Funde. Die Erdaufschüttungen verhindern aber noch heute, dass Biewers Bäume anpflanzen kann, wie er es nach dem Scheitern des Projekts geplant hatte. Trotz anderweitiger Versprechungen hat der Investor bisher nichts unternommen, um die Schäden an den Grundstücken zu beseitigen.
Hintergrund: Das Museum trage dafür keine Verantwortung, sagt Chef-Archäologe Hans Nortmann. "Wir haben den Investor gefragt, wie wir die Grundstücke hinterlassen sollen." Feidt habe darum gebeten, nichts zu planieren, weil das Gelände ohnehin für den Bau des Golfplatzes noch einmal umgestaltet werden müsse. Das Museum habe seinen Vertrag mit dem Investor erfüllt und kein Interesse mehr an dem Gelände.
Im Volksfreund hatte Feidt im Oktober 2007 zudem angekündigt, dass er die Grundmauern des römischen Gutshauses in sein Clubhaus integrieren wolle.
Nun gibt es kein Clubhaus und keinen Golfplatz, aber freigelegte Ruinen, Erdaufschüttungen und andere Überreste. Biewers versucht seit mehreren Monaten, den Investor dazu zu bringen, sein Grundstück zu planieren.
Ihm gehe es um das Verursacherprinzip, sagt er. Wer etwas kaputt mache, müsse es auch ersetzen. Weder Feidt noch Investorenanwalt Curt Jeromin antworteten auf Biewers Briefe. Auch eine Anfrage des Volksfreunds zu dem Sachverhalt lässt Jeromin unbeantwortet.

Kampf um Gehör: Biewers hatte wegen der Probleme Kontakt mit der Ortsgemeinde, der Verbandsgemeinde, der Kreisverwaltung und dem Bürgerbeauftragen des Landes Rheinland-Pfalz. Sogar der Anwalt der Ortsgemeinde Tawern, Klaus Laubenstein, hat sich am 1. Februar eingeschaltet und den Investorenanwalt an ein Versprechen erinnert, das Feidt in einem Schreiben an die Grundstückseigentümer gemacht hatte: "Wir weisen darauf hin, dass selbstverständlich die Grundstücksverhältnisse wieder in den ursprünglichen Zustand gebracht werden, soweit diese durch das geplante Projekt bereits Veränderungen erfahren haben", hieß es im August 2012 in einem Brief an die Grundstückseigentümer. "Wir bitten sie nunmehr im Namen der Ortsgemeinde Tawern um die Veranlassung der erforderlichen Maßnahmen", fordert Laubenstein am 1. Februar - ein halbes Jahr nach dem Versprechen.

Hoffnung verloren: Biewers ist enttäuscht, dass bislang immer noch nichts geschehen ist. "Ich fühle mich im Stich gelassen", sagt er. Er ärgere sich darüber, dass eine Zusage nicht eingehalten werde. Obwohl der Grundstücksvertrag besagt, dass dem Verkäufer durch bauvorbereitende Maßnahmen keine Kosten entstehen dürfen, befürchtet Biewers, dass er für die Wiederherstellung seines Grundstücks selbst bezahlen muss. Er habe keinerlei Hoffnung mehr, Hilfe in der Angelegenheit zu erhalten, schreibt der Fellericher an den TV.Extra

Eigentlich sollte sich am Mittwoch das Trierer Verwaltungsgericht (VG) in öffentlicher Verhandlung mit dem Golfpark-Fall beschäftigen. Daraus wurde nichts. Der Fall wurde im schriftlichen Verfahren verhandelt. Das Urteil werde voraussichtlich Ende der Woche veröffentlicht, sagt Heidi Heinen, Mediendezernentin am VG. Es geht darin um Folgendes: Die Golf Developement Tawern-Fellerich GmbH um Investor Antoine Feidt will Schadenersatzansprüche gegenüber der Gemeinde Tawern gültig machen. Mit der ersten Klage will der Investor die Herausgabe einer Urkunde erzwingen, in der die Investorengesellschaft auf Schadenersatzansprüche verzichtet. Erst wenn die Gemeinde nicht mehr im Besitz der Urkunde ist, kann der Investor durch eine weitere Klage Geld von der Gemeinde erstreiten. Neben diesem Verfahren läuft auch eine Klage gegen die Ortsgemeinde Temmels. Auch von Temmels wollen die Investoren Geld - eine Entschädigung für die Planungsausgaben, die sie auf acht Millionen Euro beziffern. Laut TV-Informationen geht es in der Klage gegen Temmels um 500 000 Euro. Ein Termin für dieses Verfahren steht nicht fest. Gründe für das Scheitern: Die Gemeinde Tawern hatte das Verfahren nach zwölf Jahren aufgegeben. Als Gründe führte sie "erhebliche Mängel" in der Planung der Investoren auf. Die Bedingungen der Gemeinde seien nicht berücksichtigt worden, Schadenersatzforderungen hätten immer mitgeklungen. Der Investor hatte zuvor in einer Pressemitteilung erklärt, dass er das Projekt beenden wolle. Der Grund: Die Gemeinde Tawern habe Gespräche abgelehnt und so eine Realisierung des Projekts verhindert, hieß es damals von Investorenseite. Die Gemeinde Temmels hatte schon 2009 die Reißleine gezogen. Sie befürchtete unter anderem, dass das Projekt mehr Verkehr und mehr Lärm nach Temmels bringt. Außerdem kritisierte die Gemeinde das aus ihrer Sicht widerrechtliche Bebauungsplanverfahren. cmk

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