Europäische Kunstakademie in Trier zeigt Werke von Wolfgang Rüppel

Bildende Kunst : „Der Himmel ist blau, der Tag ist schön und zwei mal zwei ist vier“

Die Europäische Kunstakademie in Trier widmet ihrem langjährigen Dozenten Wolfgang Rüppel eine Einzelausstellung.

Er ist einer der Stilleren, aber einer, der gleichermaßen Haltung wie Nachhaltigkeit verkörpert. Seit 1995 unterrichtet Wolfgang Rüppel an der Europäischen Kunstakademie (EKA) Trier Siebdruck und Malerei. Jetzt widmet das Haus seinem langjährigen Dozenten neuerlich eine Einzelausstellung.

Aufhebens von sich zu machen  war nie die Sache des 1942 in Berlin geborenen Künstlers, der ein Atelier in der Hauptstadt und in Köln unterhält. Dabei hat er durchaus Prominentes und Einmaliges vorzuweisen, wie das Denkmal zum 17. Juni 1953 an der Leipziger Straße in Berlin,  eine von zahlreichen anderen Arbeiten für den öffentlichen Raum. Dazu kommt eine lange Ausstellungsliste. Bedachtsamkeit wie Zurückhaltung muss auch aushalten können, wer sich mit Wolfgang Rüppel unterhält. Nicht nur, dass er etwas Abwartendes, Forschendes im Blick hat. Auch seine Antworten kommen langsam, wohlbedacht, mit der kritischen Distanz des aufgeklärten Geistes zu sich selbst. „Ich denke doch“ oder „nach meiner Meinung“, verweist er immer wieder im Gespräch auf die Subjektivität aller Wahrnehmung.

So wie bei seinem Berliner Denkmal zum 17. Juni, von dem in der Ausstellung ein Modell zu sehen ist und bei dem sich Geschichte und Erinnerung jeder Eindeutigkeit entziehen.Dass alle Wirklichkeit subjektive Erscheinung ist, wie es der Biologe Jakob Johann von Uexküll formulierte, beschäftigt wohl auch Rüppel seit langem, wie seine feinen frühen Gouachen auf Papier belegen, in denen er sich mit der Erscheinung von Farbe höchst subtil auseinandersetzt.

Wer so die Dinge hinterfragt, mag dann schon mal Sehnsucht nach Affirmation sprich Eindeutigem haben. Was Wunder, dass sich der Künstler das Wort des Philosophen Ludwig Wittgenstein „Der Himmel ist blau, der Tag ist schön und zwei mal zwei ist vier“ zum Titel seiner Ausstellung gewählt hat. „Mir gefällt die Leichtigkeit der Aussage“, bestätigt Rüppel. Mit Sicherheit ist es auch die Klarheit, die den studierten Architekten, der als Stadtplaner arbeitete, bevor er sich in einem radikalen Neuanfang der Kunst zuwandte, mit dem Wiener Logiker verbindet. Wer durch die interessante,  sehr schön gehängte Schau geht, erkennt sogleich, dass sich  in Rüppels Werk die unermüdliche Suche nach Klarheit und spontane künstlerische Intuition zum ganz eigenen neuen Bild verdichten.

Um Selbstverortung und Selbstvergewisserung  geht es in der vielteiligen  Werkgruppe „Malversuche“, Gemälde im Mini-Format, die so etwas sind wie  ein gemalter Reader gesammelter Gedanken, zu allerhand Eindrücken und künstlerischen Einflüssen. Die Klarheit des Ausstellungstitels entspricht  dem der wichtigsten Werkgruppe der Schau, womöglich ist es auch die, in der man dem Maler am nächsten kommt. Rüppels „Rührstücke“ sind großformatige Gemälde von unmittelbarer Kraft, in denen der Maler mit geradezu barocker Lust und zupackender Geste die Farbe aufrührt und aufwühlt, ihre Tiefen auslotet,  Eruptionen  darin auslöst und Konvulsionen erzeugt.

Was sich so unverstellt im Originalgemälde über das Suchen und Ringen des Künstlers mitteilt, wird nebenan als Diasec (Druck auf Acryl) schon wieder zum „Rührstück“, das auf Distanz geht zum eigenen Malprozess wie zum Betrachter. Interessant sind zudem Rüppels Blumenbilder, die an Warhol erinnern, sich aber malerisch vom Zwang des Rasters und Seriellen emanzipiert haben. Eine eindrückliche Schau, in der Inhalt und Form bestens zusammengehen.

Die Ausstellung läuft bis zum 23. Juni, geöffnet dienstags bis sonntags 11 bis 17 Uhr. Weitere Infos unter www.eka-trier.de

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