Musik ohne Toupet

Helmut Lotti ist zurück: Bei seiner Comeback-Tournee präsentiert sich der belgische Sänger gereift - nicht nur wegen des fehlenden Haarteils.

Trier "Wodka!", sagt Helmut Lotti, als er sein Wasserglas erhebt. Als Sänger im Stil der amerikanischen Crooner müsste er ja eigentlich Whisky trinken - "aber weil ich ja jetzt aussehe wie Wladimir Putin ..."
Sein Haar, das ohnehin nur ein Toupet war, hat der Belgier zwar verloren, behalten hat er aber seinen Humor, seine strahlenden Augen, sein schelmisches Lächeln - und wiedergefunden hat er seine Stimme.
Die hatte ihn vor drei Wochen kurzzeitig verlassen, weshalb das Konzert in Trier nun am Pfingstmontag nachgeholt wurde. Die Stimme sei jetzt wieder okay, nur manchmal sei im Hals noch etwas im Weg, entschuldigt sich Lotti vorab. "Es ist ein bisschen, wie mit dem Auto auf Glatteis zu fahren", erklärt er.
Schon nach den ersten Takten von "You'll never walk alone" ist aber klar: Weder lässt Lotti es besonders vorsichtig angehen, noch wird das Konzert zur musikalischen Schlitterpartie. Er schont seine Stimme wahrlich nicht. Nicht beim russischen "Otschi tschornyje", nicht beim afrikanischen "Pata pata", nicht beim hebräischen "Hava nagila".
Das alles sind Titel, die er schon sang, bevor er sich 2011 entschloss, eine kreative Pause einzulegen. Auf seinem "Comeback Album" konzentriert er sich dagegen ganz auf englischsprachige Pop-Songs wie "Hallelujah" von Leonard Cohen oder "My Boy" von seinem großen Idol Elvis Presley. Auch selbst geschriebene Titel sind dabei. Doch ganz gleich, ob Klassik, Folklore oder Swing - alles ist verpackt in den typischen Lotti-Sound, arrangiert von Wim Bohets und dargeboten vom Golden Symphonic Orchestra. Schöne Melodien, gefällig präsentiert - vielen Kritikern war das nicht anspruchsvoll genug, beim Publikum umso beliebter. 900 Besucher in der Trierer Europahalle, das sind deutlich weniger als früher in der Arena.
Die aber haben genauso ihren Spaß wie Helmut Lotti selbst, der sich - so berichtet er - schon nach einer Viertelstunde seines ersten Konzerts der Tournee wieder auf der Bühne zu Hause gefühlt habe.
Der kleinere Rahmen tut der Atmosphäre dabei durchaus gut. Lotti, früher als Startenor vermarktet, obwohl er das nie war, wirkt gereifter, wie einer, der einfach Freude daran hat, seine Musik mit dem Publilkum zu teilen - ohne sich oder anderen etwas beweisen zu müssen. All das macht ihn authentischer. Was er jetzt präsentiert, das ist - sinnbildlich ausgedrückt: Musik ohne Toupet.