Wie hörgeschädigte Kinder ein Musical in Trier aufführen.

TV-Serie Singen! : Rhythmus an und Augen auf

Hörgeschädigte Kinder erleben Gesang mit Schülern der Tarforster Grundschule. In einem Musical kommunizieren sie die Songs per Gebärdensprache.

Es gibt nicht viele Orte, die einem das Gefühl geben, bedingungslos so angenommen zu werden, wie man ist. Die Wilhelm-Hubert-Cüppers-Schule ist so ein Ort. Und ganz besonders deutlich wird das, wenn die Schüler dort ihr Musical „Felicitas Kunterbunt“ aufführen. Auf der Cüppers-Schule, die bis zum Erweiterten Realschulabschluss ausbildet, haben alle 120 Kinder der ersten bis zehnten Klasse eine Form der Hörschädigung. Wenige sind taub. Manche haben auch eine Wahrnehmungsstörung oder eine geistige Beeinträchtigung. Gemeinsam mit 20 Schülern der angrenzenden Grundschule Tarforst haben nun 35 zumeist Unterstufenklassenschüler der Cüppers-Schule das Musical eingeübt.

Kommende Woche wird es aufgeführt. Die Besonderheit dabei ist, dass die Kinder nicht nur singen, sondern auch gebärden, also die Texte mit Handgesten ausdrücken. Nicht nur, damit beispielsweise mache gehörlose Eltern das Stück mitverfolgen können.

„Durch den Rhythmus und das Visuelle ist die Musik erlebbarer“, sagt Barbara Kreutz, Förderschullehrerin für Hören und Kommunikation. Das Sehen sei der Sinn, der das Hören ausgleiche. Gemeinsam mit der Lehrerin für Musik und Theater, Larissa Metzdorf, betreut sie das Projekt. Sie machen einiges in der Art, etwa Karnevalsfeiern oder eine Theater- und Zirkus-AG. „Durch die Gebärden bekommen die Schüler eine bessere Bühnenpräsenz“, sagt Metzdorf. Sie werden selbstbewusster und können sich problemlos konzentrieren. Immerhin dauert das Stück eine Stunde. Ein paar Zehntklässler unterstützen die Kleinen und wirken in Einzelrollen auf der Bühne und in der begleitenden Band mit – etwa mit Trommeln und Xylofonen. Das Miteinander ist familiär. Metzdorf spielt Keyboard und Kreutz agiert mit Gebärden und Mimik als Dirigentin.

Im zweiten Jahr gibt es nun die Kooperation mit der Grundschule Tarforst. Lehrerin Nancy Carter ist überzeugt davon. Anfangs würden sich manche Grundschüler vielleicht über Hörgeräte der Cüppers-Schüler wundern, sagt Carter, aber „die Kinder verlieren schnell die Berührungsängste“. Barbara Kreutz freut sich, „wie schnell die Grundschüler in unsere Art aufzuführen hinein finden. Man weiß gar nicht, wer von welcher Schule kommt“.

Schülerin Ella-Zoé freut sich, „dass wir mit Kindern, die nicht so gut hören können, Gebärden lernen“. „Auch für die Eltern, die nicht so gut hören“, sagt Janosch. „Schön, dass wir das so gut  hinkriegen“, findet Emil.

Bei der Probe am Dienstag kommen fünf Kinder in einem Drachenkostüm auf die Bühne und nähern sich der Figur Felicitas, die fragt: „Du kennst mich? Du weißt, wer ich bin, und woher ich komme?“ Drache: „Ein Drache weiß viel. Du suchst Antworten?“ Felicitas nickt. Drache: „Sei einfach du selbst und geh auf alle zu, die dir begegnen. Ein offenes Herz ist stärker als jede verschlossene Tür.“

Kurz darauf beginnt die Band zu spielen. Alle 35 Schüler kommen auf die Bühne und singen: „Woher du kommst, wohin du gehst, wo du geboren bist und lebst, wie lang du bleiben darfst auf dieser Welt, welche Sprache dir vertraut, und auch die Farbe deiner Haut, ist kein Verdienst, liegt nicht in uns’rer Hand. Wer auch je den Himmel hält, es gibt eines nur, das zählt: Wir sind alle Kinder dieser Welt.“

Die Kinder der Grundschule Tarforst und der Cüppers-Schule wollen mit dem Musical auch ein Zeichen gegen Ausgrenzung setzen. Und sie machen das mit viel Hingabe, mit starken Botschaften und eingängigen Refrains – viel mehr als man vielleicht von einer Schulaufführung erwartet. Als Zuschauer wird man davon mitgenommen. Und es wirkt lange nach.

35 Kinder der Cüppersschule und der Grundschule Tarforst führen das Stück "Felicitas Kunterbunt" auf. Lehrerin Barbara Kreutz dirigiert. Foto: Jan Söfjer

Die Aufführungen sind in der Aula der Cüppers-Schule, Am Trimmelter Hof 201, Dienstag 28. Mai, 10 Uhr und Mittwoch, 29. Mai, 10.50 Uhr.

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