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Der Tag, als Luxemburg von der Landkarte verschwand ...

Der Tag, als Luxemburg von der Landkarte verschwand ...

Das ruft in Luxemburg teils bissige Reaktionen hervor: François Fillon, der Favorit im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Konservativen, hat in seinem Wahlprogramm das Großherzogtum gewissermaßen auf der Weltkarte ausradiert. Im Internet hagelt es Zorn und Spott.

Luxemburg/Paris. Der - falls er die Stichwahl am Sonntag gewinnt - konservative französische Präsidentschaftskandidat François Fillon überrascht in seinem Wahlprogramm mit einer Europa-Karte, auf der die DDR noch existiert und Luxemburg verschwunden ist beziehungsweise sich an der falschen Stelle befindet. Und das, wie das Luxemburger Tageblatt berichtet, in einem Kapitel, das "Frontières" (Grenzen) heißt und im alphabetisch angeordneten Programm gleich hinter "France" (Frankreich) folgt.
Spöttische Kommentare


Die Reaktionen aus dem Großherzogtum lassen nicht lange auf sich warten. So schreibt das Tageblatt, das in seinem Online-Auftritt ausführlich über die Peinlichkeit berichtet: "Am Rande bemerkt: Dies ist wohl bezeichnend für die aktuelle politische Landschaft in Frankreich, wenn ein Präsidentschaftskandidat ein solchermaßen benanntes Kapitel in seinem Wahlprogramm führen muss."
Der Überblick am Ende der Doppelseite lässt laut Tageblatt denn auch nicht an Deutlichkeit zu wünschen übrig: "Mein Ziel" sei es, so der konservative Präsidentschaftsanwärter, "eine effiziente Kontrolle der europäischen Grenzen und der illegalen Einwanderung zu gewährleisten". Wie er das erreichen will, formuliert Fillon wie folgt: "Schengen-Vertrag neu verhandeln, Frontex-Mittel verstärken, ein europäisches Grenzschutz-Korps ins Leben rufen." Und, was die Türkei angeht: "Der Türkei ganz klar sagen, dass sie nicht Mitglied der EU werden kann."
Und so schreibt das Tageblatt über die peinliche Stelle im Wahlprogramm selbst: "Klammer zu und zurück zum Lapsus. Was auf der Karte regelrecht ins Auge springt, ist die Linie in der Mitte, die Deutschland nach wie vor in zwei Teile teilt. Was auf Twitter bereits heftig kommentiert wurde."
Etwas weniger augenscheinlich: Luxemburg ist falsch verortet, der "kleine Fleck" liegt auf der Karte zu hoch - das Großherzogtum würde an Belgien, die Niederlande und Deutschland grenzen anstatt an Frankreich, Belgien und Deutschland. Möglicherweise ist Luxemburg aber auch überhaupt nicht auf der Karte, denn die geringe Größe und Auflösung der Karte könnte sogar vermuten lassen, dass dieser "Fleck" der Zipfel der Niederlande ist, der in Belgien "hineinragt" und das Dreiländereck rund um Maastricht bildet. tageblatt.lu dazu wörtlich: "Ohne verallgemeinern zu wollen, ärgert es einen als Luxemburger doch, dass unsere französischen Nachbarn manchmal Probleme mit Geografie und Karten haben."
In diesem Zusammenhang erinnert das Blatt an eine France-2-Sendung, die Ende September nicht nur Luxemburg, sondern auch Belgien "auslöschte". Da staunten die Fernsehzuschauer nicht schlecht, als sie sich die Sendung "Tout le monde joue avec la France" auf France 2 anschauten. Bei der Sendung wird das Wissen von Persönlichkeiten und Publikum getestet. Nun benötigen die Macher der Sendung aber anscheinend selbst Nachhilfekurse in Geografie. Denn auf einer Europa-Karte haben sie ganz einfach die beiden nördlichen Nachbarländer Frankreichs, Belgien und Luxemburg, vergessen. tageblatt.lu: "Das gibt ein schlechtes Bild ab in einer Wissenssendung."
Vermeidbarer Fehler

 Da können die großen Nachbarn machen, was sie wollen: Der Roude Léiw (roter Löwe) hält Luxemburgs Farben hoch. TV-Foto: Friedemann Vetter
Da können die großen Nachbarn machen, was sie wollen: Der Roude Léiw (roter Löwe) hält Luxemburgs Farben hoch. TV-Foto: Friedemann Vetter Foto: Friedemann Vetter


Dabei hätte laut belgischen Medien der Fehler vermieden werden können, denn einer der Verantwortlichen der Quiz-Sendung ist Stéphane Bern, der es liebt, immer wieder auf seine Luxemburger Wurzeln zu verweisen und das Land eigentlich kennen müsste." Zu seiner Verteidigung: Bern war dann aber auch der Erste, der das Missgeschick zugab und sich bei beiden vergessenen Ländern entschuldigte.
Der Patzer sorge indes aber für viele Lacher in den sozialen Netzwerken. Die Internet-User sparten nicht mit Spott. So bedankten einige sich "für die Annektierung beider Länder durch Deutschland". Ein anderer Nutzer kommentierte das Ganze mit dem Eintrag: "... huelt et dach mat Humor. :)) Di Saach mat Deitschland ass dach schon's baal 80 Joer eriwwer och wann do e Franzous daat nach nët wees. :)".
Zu Deutsch: "Nehmt es doch mit Humor! Die Sache mit Deutschland ist doch schon seit bald 80 Jahren vorbei, auch wenn es da einen Franzosen gibt, der es noch nicht weiß." tgbl