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Bürgermeisterwahl in der VGThalfang: Kandidat Hermann-Josef Franzen

Bürgermeisterwahl in der VG Thalfang : Hermann-Josef Franzen: Doppelter Seiteneinsteiger will etwas bewegen

Der Trierische Volksfreund stellt in einer Reihe „Auf ein Getränk mit...“ die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in der Verbandsgemeinde Thalfang vor. Mit dem parteilosen Hermann-Josef Franzen aus Waldrach waren wir im Biergarten des Landgasthofs Rauland.

Zum Treffen mit dem Trierischen Volksfreund kommt Hermann-Josef Franzen überpünktlich, hat vor dem Treffen im Landgasthof Rauland noch eine schnelle Runde in der Ortsmitte gedreht. Natürlich kennt er den Mittelpunktort der Verbandsgemeinde, und doch er nutzt jede Gelegenheit, sich vor Ort umzuschauen und zusätzliche Informationen zu gewinnen. Dabei helfen ihm viele Gespräche an den Haustüren in der Mark Thalfang und darüber hinaus.

Franzen, der bei der Wahl für das Bürgermeisteramt in der VG Thalfang als parteiloser Kandidat ins Rennen geht, war nach eigener Aussage mehrere Tage in Malborn und Thiergarten unterwegs und sei mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen. Welches Dorf er anschließend besucht, weiß er noch nicht, vielleicht Horath, überlegt er, während er bei sommerlichen Temperaturen im Biergarten von Raulands ein Bitter Lemon bestellt. „Ich trinke keinen Alkohol, wenn ich noch fahren muss“, erklärt er. Die Bitterstoffe im Kaltgetränk seien bei den heißen Temperaturen genau richtig. Zuhause dürfe es dann auch schon mal ein Pernod sein. Der Beruf prägt sein Leben. „Ich bin jeden Morgen aufs Neue arbeitslos“, sagt Hermann-Josef Franzen, der sich als „Macher“ bezeichnet, über sich selbst auf die Frage, was ihn antreibt. „Und bis zum Abend bin ich erfüllt mit Arbeit“, sagt der 62-jährige Waldracher. Er wisse ja nicht im Voraus, „welche Fernseher heute kaputtgehen“, sagt er symbolisch mit Blick auf seinen Beruf als Radio- und Fernsehtechnikermeister. Den übt der Ehemann, Vater und Großvater noch immer aus, betreibt aber zudem in Waldrach, wo er seit 40 Jahren lebt, ein Einzelhandelsgeschäft mit Papeterie und Postfiliale. Er komme viel mit Menschen zusammen. Das Geschäft mit drei Angestellten besuchen nach seinen Angaben täglich bis zu 250 Menschen. Seine Kundschaft stamme unter anderem aus den Dörfern der Verbandsgemeinde Thalfang.

Bis heute versuche der „ehemalige Hauptschüler aus dem kleinen Dorf“, sich weiterzubilden, beruflich wie persönlich. Zunächst seien es höhere Mathematik und technisches Englisch gewesen, später Verkaufsrhetorik oder Menschenführung. Eine Leseratte im eigentlichen Sinne sei er nicht. Krimis werde man bei ihm am Nachttisch eher nicht finden.

Zum Erholen fahren er und seine Frau Ingrid regelmäßig nach Mallorca. Das hat einen praktischen und einen emotionalen Grund: Seine Frau fliege nicht länger als eineinhalb Stunden, so dass viele Reiseziele wegfallen. Und dem Paar liegt die mallorquinische Mentalität. Nur selten seien sie am „Ballermann“, er liebe die Begegnung mit Einheimischen. Coronabedingt fällt der Urlaub in diesem Jahr allerdings aus.

In der Freizeit schwingt der gebürtige Trierer sich auf sein Trekking-Rad, fährt „40 Kilometer Teerstrecke und dann die nächsten 40 Kilometer“ in den Wald. Unterwegs sammle er neue Ideen. Er liebt die Natur, weiß genau, wo in der Nähe Rehe oder Hirsche stehen. „Ich bin ein Jäger, aber nur visuell“, sagt er über sich. Ein Hobby, das er gemeinsam mit seiner Frau ausübt, ist das Angeln. Und manchmal habe Ehefrau Ingrid mehr Anglerglück als er. Kann er damit umgehen? Eigentlich schon, schließlich angle man nicht um die Wette, sondern um die Fische zu verzehren. Lange Zeit sei er Vorsitzender des Angelsportvereins in Waldrach gewesen. Bis heute sei er Vorsitzender des Waldracher Werberinges Ruwertal, dessen Aktivitäten allerdings momentan ruhten.

Was seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt angeht, ist er in doppeltem Sinne ein Seiteneinsteiger: Zum einen lebt er im Nachbarkreis, zum anderen hat er nach eigener Aussage noch nie ein kommunalpolitisches Amt bekleidet. Auch in politischen Parteien habe er sich nie engagiert. Kommunalpolitik müsse sich am Bürger orientieren. Alle acht bis zehn Jahre wolle er etwas Neues machen und habe vor drei Jahren für das Bürgermeisteramt in der Verbandsgemeinde Ruwer kandidiert. Damals holte er 10,8 Prozent der Stimmen, bei insgesamt fünf Kandidaten hält er das für einen „Achtungserfolg“.

Warum er kandidiert? „Ich muss was tun, wo ich was bewegen kann.“ Doch es sei auch wichtig, Sachen zu Ende zu bringen. Zum Beispiel die Verwaltungs- und Gebietsreform. Da gehe es schon länger nicht mehr voran. „Wenn ich sehe, dass die kommunale Gebietsreform über Jahre von den verantwortlichen Personen und Parteien nicht zu einem Abschluss gebracht und immer wieder von sich hergeschoben wird, stößt das bei mir auf totales Unverständnis.“ Und: „Die Verbandsgemeinde Thalfang braucht einen Wechsel von Perspektive und Mentalität.“ Zudem will er sich als Bürgermeister für eine kommunale Finanzreform, für die Digitalisierung der Ortsgemeinden, Grundschule und weiterführenden Schulen einsetzen. Und noch etwas: Wenn er zum Rathaus-Chef in Thalfang gewählt werde, werde er sein Unternehmen in andere Hände geben, um sich voll und ganz den Aufgaben eines Bürgermeisters widmen zu können.