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Corona behindert Arbeit der Morbacher Mali-Hilfe

Hilfsorganisation : Hunsrücker Hilfe für Mali geht trotz Corona weiter

Erstmals seit mehr als 25 Jahren fällt die jährliche Reise von Vorstandsmitgliedern der Mali-Hilfe aus. Mitarbeiter vor Ort sorgen dafür, dass die Projekte weiterlaufen.

Für Peter Brucker und seine Ehefrau Inge ist es eine ungewöhnliche Zeit. Üblicherweise sind die beiden und weitere Mitglieder der Morbacher Mali-Hilfe im Februar beziehungsweise März in dem westafrikanischen Land unterwegs. Sie weihen Kindergärten, Schulen und Brunnen ein, bereiten weitere Projekte vor und dokumentieren die Ergebnisse ihrer Arbeit. Wegen Corona ist dies in diesem Jahr nicht möglich. Seit der offiziellen Gründung der Mali-Hilfe im Jahr 1993 sei diese jährliche Fahrt – manchmal ging es auch zweimal pro Jahr nach Mali – zum allerersten Mal ausgefallen.

Den 73-jährigen Brucker, den ersten Vorsitzenden der Mali-Hilfe belastet es nach eigener Aussage, diesmal zu Haus bleiben zu müssen, auch wenn die Reise jedes Mal eine Strapaze ist. Schließlich sei Mali ja die zweite Heimat des Ehepaares geworden. Stillsitzen ist die Sache des pensionierten Schulleiters auch nicht: „Ich möchte dort anpacken.“

Dass die Hunsrücker Hilfe in Mali ins Stocken gerät, diese Sorge haben die Bruckers nicht. Denn es gebe Helfer vor Ort, die sich um die Projekte kümmern. Die Arbeit der Organisation sei ein „bisschen komplizierter geworden“. Aber: Dank guter Mitarbeiter in Mali konnte doch vieles „im Home-Office geplant werden.“ Die Mali-Hilfe baut in Afrika Kindergärten, Schulen, Brunnen, Kranken- und Geburtsstationen sowie Getreidebanken.

Die Pandemie macht auch vor Mali nicht halt. Dort gibt es 8349 Infizierte bei 19,6 Millionen Einwohnern, 281 Tote und 6352 Genesene (Stand 25. Februar). Auch in Mali habe es einen Lockdown gegeben. Erst seit Mitte Februar seien Einrichtungen wie Schulen wieder geöffnet. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen organisiert laut Mali-Hilfe Initiativen zur Sensibilisierung und Information der Menschen, wie sie sich vor dem Virus schützen und seine Ausbreitung verhindern können.

Die Organisation hilft auch bei der Herstellung und Verteilung von lokal produzierten Gesichtsmasken, verteilt Seife und richtet Handwaschstationen an öffentlichen Plätzen in Bamako ein. Sie unterstützt laut Brucker zudem das dortige Gesundheitsministerium bei der Nachverfolgung von Kontakten, bei der häuslichen Pflege von Covid-Patienten und bei der Identifizierung von Menschen, die stationär behandelt werden müssen. Andere Hilfsorganisationen wie auch die Mali-Hilfe unterstützen bei Informationsaktionen über das Virus. Mit Impfkampagnen und Epidemien hätten Mediziner in Afrika durchaus Erfahrung, etwa bei Ebola, „wo es in Mali kaum Probleme gab“, so Brucker weiter.

Derzeit organisiere das malische Gesundheitsministerium mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine landesweite Impfkampagne gegen Polio. Dazu fahren mobile Impfteams bis ins kleinste Dorf.

„Manche sind zu Fuß unterwegs, andere nutzen den Esel oder Motorräder.“ Vor dem Corona-Virus selbst habe die Bevölkerung weniger Angst, als mit den wirtschaftlichen Folgen: „Das Hungerproblem ist vorrangig.“

„Die Menschen in Mali hoffen und beten, dass die Weltgemeinschaft wegen Corona Impfstoff zur Verfügung stellt“, schildert der Vereinsvorsitzende aus Longkamp weiter. Es sei auch eine eingerichtete Kühlkette in den westafrikanischen Ländern wichtig. Dafür müssten neben der WHO und der EU auch vom malischen Staat Mittel zur Verfügung gestellt werden.