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Große Martinszüge mit Laternenläufen fallen dieses Jahr Corona zum Opfer

Tradition : Damit St. Martin nicht ganz ausfällt: Stockpferd, Lichter und jede Menge Brezeln

Große Martinszüge mit Laternenläufen fallen dieses Jahr Corona zum Opfer. Aber Ortsgemeinden und Kindergärten in der Region haben kreative Ideen entwickelt, um den Martinstag doch noch zu feiern.

Kein Martinszug und kein Laternenumzug mit Feuer? „Ganz doof finde ich das“, sagt Luca von der Integrativen Kindertagesstätte St. Markus in Wittlich. Der Martinstag war für die Kinder in der Region immer etwas Besonderes. „Aber dieses Jahr ist alles anders“, sagt Christine Daufenbach. Die Erzieherin der Integrativen Kindertagesstätte erzählt, wie sie den Kindern dennoch die Geschichte des St. Martin näher bringen.

Statt Laternen haben die Kleinen in den vergangenen Tage viele bunte Tischlampen gebastelt. Mit ihnen sollen die Fenster der Kita erleuchtet werden. In ihren Gruppen können die Kinder mit Stockpferd und Mantel die Martinsgeschichte nachspielen, sagt Christine Daufenbach. Aber alles müsse isoliert in den einzelnen Gruppen ablaufen. Begleitende Instrumente sollen das Zerteilen des Mantels imitieren. Und auch die Martinsbrezel darf nicht fehlen: Die Köchin wird für die einzelnen Gruppen jeweils eine große Martinsbrezel backen.

Auch Privatleute haben kreative Ideen, wie man den Martinstag alternativ feiern kann. So schreibt beispielsweise Rosi Nieder auf der Facebook-Seite des TV: „Es wäre möglich, dass die Kinder vor ihren Häusern mit Fackeln stehen und St. Martin reitet vorbei und Helfer verteilen Brezel.“

Ganz ähnlich will die Ortsgemeinde Berglicht nun ihren Martinstag feiern. Ortsbürgermeister Martin Reusch erzählt am Telefon, wie wichtig der Tag für die Menschen ist: „Es hat immer einen ganz langen Umzug durch die Straßen gegeben, am Ende brannte ein Martinsfeuer.“ Danach habe man Würstchen gegessen und Glühwein getrunken. Alle Eltern seien dabei gewesen. Und im Kindergarten haben die Kinder Laternen gebastelt.

„Wir haben uns vor mehreren Wochen schon gedacht: ,Das können wir nicht ausfallen lassen’“, sagt Reusch. Deshalb wird in Berglicht ein als St. Martin Verkleideter auf einem Pferd durch das Dorf traben. Dabei soll der Musikverein an verschiedenen Stellen des Ortes musizieren, sodass die Kinder von ihrer Haustür aus mitsingen könnten. In einem älteren Fahrzeug, das derzeit als Kümmerer-Auto eingesetzt wird, wollen Helfer kleine Martinsbrezeln von Tür zu Tür an die Kinder verteilen. „Die Martinsbrezel sind von uns einzeln verpackt“, sagt Michael Reusch, „damit auch alles hygienisch korrekt ist.“

Dass es am Martinstag keine Laternenläufe geben wird, damit wollte sich auch Ilona Lauxen, Ortsbürgermeistern von Hontheim, nicht zufrieden geben: „Wir möchten diesen Tag zu etwas ganz Besonderem machen.“ In Hontheim werde man deshalb an dem Tag, an dem der Umzug stattgefunden hätte, Martinsbrezeln verteilen. Und zwar an alle Bürger, die unter 17 und über 70 Jahre alt sind. Daneben sollen Kerzen das Dorf zum Leuchten bringen.

Die Stadt Wittlich hat zu einer Bastelaktion aufgerufen, damit die Kinder trotz der Corona-Maßnahmen Freude am Martinstag haben. Alle Kinder können bis spätestens 5. November selbst gebastelte Laternen im Rathaus abgeben. Dafür erhalten sie einen Gutschein für eine Martinsbrezel, der bei einer Bäckerei eingelöst werden kann. Die Laternen sollen in den Geschäften und Häusern der Innenstadt leuchten.

Auch in der Katholischen Kindertagesstätte St. Hubertus in Hetzerath wird fleißig gebastelt. Bei den Kindern sei es zwar noch gar kein großes Thema, dass der Martinstag dieses Jahr anders gefeiert wird, sagt Leiterin Ulrike Ehlen am Telefon. „Aber wenn der Tag gekommen ist, werden die Kinder schon große Augen machen.“ In Hetzerath könnten die Kinder aber innerhalb ihrer Gruppen einen kleinen Laternenlauf veranstalten und sogar ein kleines Martinsfeuer genießen.

Und so haben die Kinder dieses Jahr doch einen Grund, sich auf den Martinstag zu freuen.