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Kirchstraße Wittlich: Stillstand beim Megabauprojekt

Wittlich : Ruinenfeld statt Baustelle – Stillstand in der Kirchstraße

Seit zwei Jahren geht es in der Kirchstraße nicht voran: Das größte Wittlicher Wohnbauprojekt der jüngeren Zeit lässt auf sich warten. Wann nimmt die schmuddelige Hinterhofatmosphäre nahe der Kirche St. Markus ein Ende?

Bereits seit mehr als drei Jahren plant ein niederländischer Investor in der Wittlicher Kirchstraße ein gigantisches Wohnbauprojekt. Auf dem ehemaligen Freckmann-Areal sollen auf vier Geschossen 30 neue Wohnungen (zu Beginn der Planung waren es 47 Wohneinheiten) mit einer Gesamtwohnfläche von knapp 2500 Quadratmetern entstehen.

Als der Investor 2017 die Bauvoranfrage stellte, begrüßte der Wittlicher Bauausschuss das Projekt „als deutliche Aufwertung der bisherigen Situation“. Doch seitdem, inzwischen schreiben wir das Jahr 2020, kann von einer Aufwertung der Kirchstraße keine Rede sein. Ganz im Gegenteil: Seit den Abrissarbeiten im Jahr 2018 sieht es dort mitten im Wittlicher Stadtzentrum nahe der Kirche St. Markus aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.

Nach Abschluss der Abrissarbeiten gehörte das Areal im Frühjahr 2019 für kurze Zeit den Archäologen des Landesmuseums, die dort einige römische Scherben entdeckten. Doch seitdem ist dort nichts mehr passiert. Man blickt auf durch Abrissarbeiten freigelegtes Mauerwerk. Das Areal gleicht mehr oder weniger einer Ruinenlandschaft, dekoriert mit Containern, Dixi-Klo und hier und da auch etwas Müll. Damit bietet die Kirchstraße nunmehr schon seit Jahren keinen schönen Anblick mehr.

Der TV hakt nach und fragt die Architekten des Megabauprojekts: Wann geht es denn nun weiter? Wann beginnen die Bauarbeiten und hat die schmuddelige Hinterhofatmosphäre im Stadtzentrum endlich ein Ende?

„Die Baugenehmigung liegt schon länger vor, jedoch möchte der Investor zunächst den ersten Bauabschnitt und damit die Sanierung der Häuser Trierer Straße 1, Marktplatz 1 bis 2 und Burgstraße 2 bis 6 abschließen, bevor mit der neuen Maßnahme begonnen wird“, erklärt Architekt Jan Berdi.

Doch trotz Baugenehmigung gibt noch zwei Punkte, die zu klären sind: Zum einen ist da die Fassadengestaltung. Schon auf Sitzungen in den Jahren 2017 und 2018 gerieten sich Mitglieder des Bauausschusses deswegen in die Haare (unsere Zeitung berichtete). Mehrere Mitglieder kritisierten die „Massivität“ des geplanten Neubaus in diesem denkmalpflegerisch „sensiblen Umfeld“. Der Ausschuss forderte Nachbesserungen: Im Rahmen der weiteren konkretisierenden Planung wurde den Architekten aufgegeben, eine kleingliedrigere und verspieltere Fassadengestaltung zu erarbeiten. Durch die Verwendung „unterschiedlicher Materialien, Farben oder Vor- und Rücksprünge sollte eine deutlich vertikale Gliederung“ ausgearbeitet werden, „um die optische Erscheinung eines massiven Wohnblocks abzuschwächen“.

Wie sieht es nun Ende 2020 aus? Steht die finale Planung zur Fassadengestaltung? „Wir haben diese noch nicht final fertigstellen können, da Corona-bedingt noch keine finale Abstimmung mit dem Bauherrn stattfinden konnte“, erklärt Berdi. Der Termin mit dem niederländischen Investor wäre für November anberaumt gewesen, sei aber aufgrund der Pandemie abgesagt worden.

Zum anderen sei auch noch die Finanzierung des Projekts zu klären: „Die Projektfinanzierung steht kurz vor dem Abschluss, auch hier konnte der finale Termin wegen der Pandemie noch nicht stattfinden. Dies muss jetzt auf dem Postweg abgewickelt werden“, sagt Berdi. Ansonsten laufe die Planung an dem Projekt weiter. Die Stadtverwaltung wollte sich auf TV Anfrage nicht zum Anblick, den die Kirchstraße seit geraumer Zeit bietet, äußern, erklärt aber, das Vorhaben laufe nach Plan.

Und dieser Plan sieht vor, dass es noch etwas dauern wird, bis die Arbeiten für den Neubau starten: „Die Bauarbeiten werden im Frühjahr, spätestens im Sommer 2021 beginnen“, sagt der Architekt.

Nach dem Abriss saniert der Investor erst seine Häuser in der Trierer Straße, bevor es in der Kirchstraße losgehen soll. Foto: TV/Christian Moeris
Kirchstraße Wittlich Baustelle cmo Foto: TV/Christian Moeris
Diese Fassadengestaltung kritisierte der Bauausschuss einst und forderte Nachbesserung. Eine verbesserte Version liegt noch nicht vor. Foto: Berdi Architekten/Christian Moeris

Damit wird sich die gesamte Kirchstraße in nächster Zeit in eine Großbaustelle verwandeln, denn der Stadtrat hat auch die Neugestaltung des Kirchenvorplatzes „St. Markus Kirche“ beschlossen (unsere Zeitung berichtete). Der Kirchenvorplatz, der Karr- und Kirchstraße trennt, soll barrierefrei ausgebaut und aufgehübscht werden.