Tallinger fordern Transparenz bei Windkraft

Tallinger fordern Transparenz bei Windkraft

Die Bürgerinitiative Windkraft mit Weitblick wirft den Räten vor, über den geplanten Bau von Windkraftanlagen fast ausschließlich in nichtöffentlichen Sitzungen zu entscheiden. Der Tallinger Bürgermeister Erich Thösen und VG- Bürgermeister Marc Hüllenkremer weisen die Vorwürfe zurück.

Talling. Der Streit über die geplanten Windkraftanlagen in der VG Thalfang geht weiter. Die Bürgerinitiative Windkraft mit Weitblick beklagt in einem öffentlichen Brief an die Mitglieder des Tallinger Gemeinderats, dass die Bürger nur unzureichend über die Planungen zu Windkraftanlagen informiert würden. Diese fänden fast ausschließlich in nichtöffentlichen Sitzungen statt, schreiben die Vertreter der Bürgerinitiative mit Wolfgang Marx an der Spitze. "Wie viele Anlagen könnten im Umfeld unserer Gemeinde entstehen?", heißt es in dem Brief.
Zudem beklagt die BI, dass nicht bekannt sei, wie hoch die geplanten Windräder werden sollen. Die Sprecher der BI weisen den Vorwurf der Panikmache durch überzogene Fotoanimationen zurück. "Wir wollen uns nur nicht weiter beruhigen lassen", schreiben sie. Sie fragen die Mitglieder des Gemeinderats, ob sich diese für eine sozial- und umweltverträgliche Lösung einsetzen und so Landschaft und Heimat bewahren.
Ortsbürgermeister Erich Thösen hat zusammen mit vier Gemeinderatsmitgliedern ebenfalls in einem offenen Brief, der an die Tallinger Haushalte verteilt worden ist, die Fragen der BI beantwortet. Die Ratsmitglieder Rudi Marx und Rudolf Manz haben den Brief nicht unterschrieben.
Thösen verweist auf insgesamt 14 Einwohnerversammlungen und Gemeinderatssitzungen, in denen zum Thema Windkraft öffentlich beraten und beschlossen wurde. Allerdings würden Entscheidungen zur Windkraft zuletzt nicht mehr einstimmig beschlossen. Nur vertragliche Dinge seien im nichtöffentlichen Teil erfolgt, schreibt Thösen. "Dass in einer Einwohnerversammlung bewusst unzureichend informiert wurde, entbehrt jeder Grundlage", schreibt er. Grundsätzlich finden die Bauleit- und Flächennutzungsplanungen öffentlich statt, damit in der Abwägung öffentliche und private Belange berücksichtigt werden.
Talling hat sich für sechs Anlagen im gemeinsamen Windpark mit Lückenburg und Neunkirchen gebunden. Deren Anzahl habe sich wegen des Horstes eines Rotmilans auf zwei reduziert. Die Nabenhöhe der Windräder beträgt 140 Meter und die Rotorblattlänge 58,5 Meter, so dass die Gesamthöhe der geplanten Anlagen bei 199 Meter liegt. Die Abstände zur Ortslage betragen voraussichtlich 945 und 968 Meter. Im Haardtwald sind nach heutiger Einschätzung nicht mehr als acht Anlagen realisierbar, so Thösen. Ob die Südseite Tallings frei von Windrädern bleibt, hängt davon ab, wie der Flächennutzungsplan fortgeschrieben wird und wie beständig der Horst des Rotmilans bleibt.
Auch Marc Hüllenkremer, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thalfang, weist Vorwürfe zurück, "dass Entscheidungen unter der Decke getroffen werden." Ausschusssitzungen seien in der Regel nichtöffentlich. Allerdings findet noch vor den Kommunalwahlen eine Sitzung des Verbandsgemeinderates statt, in der über den Flächennutzungsplan beraten werde. Hüllenkremer: "Letztendlich wird alles öffentlich entschieden."Extra

Derzeit liegen bei der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich Bauanträge für insgesamt 23 Windkraftanlagen in der Verbandsgemeinde Thalfang vor: Berglicht: drei Anlagen; Horath: neun Anlagen; Talling: zwei Anlagen; Breit: acht Anlagen; Thalfang: eine Anlage. Derzeit erzeugen in der VG Thalfang in Büdlich, Breit, Heidenburg und Talling 16 Windräder Strom. cst

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