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Weingroßhändler Charles George Heye aus Bremen war auch an der Mosel tätig

Geschichte : Ein repräsentatives Weinexporthaus

Vor rund 100 Jahren ist der renommierte Weingroßhändler Charles George Heye gestorben. Der Spross einer Bremer Kaufmannsfamilie betrieb eine bedeutende Weinkellerei an der Mosel.

Im frühen 20. Jahrhundert existierten in der Stadt Bernkastel-Kues mehrere Kellereibetriebe mit engen Beziehungen zum Weinhandel in den Hansestädten Hamburg und Bremen.

Zu diesen gehörten einst die mit der Hamburger Weingroßhandlung C.C.F. Fischer verbundenen Weinhäuser Jos. Philipps-Kochan und Gebrüder Leutzgen am Bernkasteler Gestade. Die traditionsreichen Weinbau- und Handelsbetriebe belieferten unter anderem bekannte Restaurants wie den „Ratsweinkeller zu Hamburg“ oder das historische Weinlokal St. Petrus in der Bremer Böttcherstraße. Daneben diente das im Stadtteil Kues beheimatete Weinhaus Josef Wehr als langjähriger Hauslieferant der Bremer Reederei Norddeutscher Lloyd (NDL).

Am früheren „Portenpfad“ in Kues wurde überdies ein weiterer Kellereibetrieb mit einer besonders engen Verbindung zur Weserstadt Bremen betrieben. Bei diesem handelte es sich um das 1898 gegründete Unternehmen „C. G. Heye & Co.“. Das namhafte Exportweinhaus wurde mehr als ein Jahrzehnt lang vom hanseatischen Weingroßhändler Charles George Heye betrieben.

Der einstige Firmengründer kam am 7. Mai 1868 als Sohn der Bremer Kaufmannsfamilie Carl Johann Ernst (1833-1915) und Gertrud Emilie Heye, geborene Schünemann in der Metropole New York zur Welt. Ab 1895 arbeitete der gebürtige US-Amerikaner als Prokurist der alteingesessenen Bremer Weinhandlung „J. Buxtorf, Wichelhausen & Co.“. Sein Vater gehörte seinerzeit als langjähriger Teilhaber der 1704 gegründeten Exporthandelsfirma an.

Da sich das international tätige Unternehmen insbesondere auf Handel mit Weinen aus der Rhein- und Moselregion spezialisierte, richtete es dort eigene Kellereien ein.

Im Januar 1898 zog Charles Heye in die damalige Ortsgemeinde Kues, um dort die Leitung seines neugegründeten Betriebes zu übernehmen. Die in der heutigen Jugendheimstraße befindliche Weingroßkellerei wurde einst in stilvoller Architektur mit Schieferbruchsteinen erbaut. Das imposant wirkende Gebäude verfügte über weitläufige Flaschen- und Fassweinkeller, eine geräumige Versandhalle und großzügig bemessene Geschäfts- und Wohnräume.

Ausschlaggebend für die Ansiedlung des repräsentativen Weinhauses am sogenannten „Portenpfad“ war die verkehrsgünstige Lage nahe des 1883 eröffneten Bahnhofs der Preußischen Staatsbahnlinie Wengerohr-Kues. Zeitweise gehörte der Betrieb neben den ebenfalls in Bahnhofsnähe errichteten Kellereien Deinhard & Co. sowie Jos. Hauth jr. zu den bedeutendsten Weinfirmen der Moselstadt.

Das Unternehmen C. G. Heye & Co. pflegte eine mehrjährige Zusammenarbeit mit eigenen Vertretungen in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Zu den wichtigen internationalen Handelspartnern gehörte das britische Weinhaus John Allnutt & Co. am Standort 50 Mark Lane in London.

Die im US-amerikanischen Markt tätige Agentur „Du Vivier & Co.“ wurde um 1855 in der Großmetropole New York City gegründet. Der ab 1865 in der Warren Street No. 22 angesiedelte Betrieb belieferte unter anderem renommierte Luxushotels und Restaurants wie das New Yorker „Cosmopoliton Hotel“. Laut Angaben einer Weinkarte von 1913 führte der noble Hotelbetrieb beispielsweise Rieslinge der Weinlage Josephshöfer und Lieserer aus dem Hause Heye.

Im September 1913 wurde die Firma C. G. Heye & Co. vom 37-jährigen Weinhändler Nicolaus Mertes aus Bernkastel-Kues übernommen. Später arbeitete Heye als Teilhaber seines Betriebes und als Prokurist des Bremer Weinhauses „Anton Walte Sohn & Co.“. Um 1920 wurde die Weinkellerei in Kues von der ortsansässigen Firma J. A. Dick übernommen.

 Die frühere Weinkellerei C. G. Heye & Co. wurde einst in der heutigen Jugendheimstraße in Bernkastel-Kues erbaut.
Die frühere Weinkellerei C. G. Heye & Co. wurde einst in der heutigen Jugendheimstraße in Bernkastel-Kues erbaut. Foto: TV/Markus Philipps

Im Alter von nur 54 Jahren starb der Bremer Weinhändler am 13. Oktober 1922 in einem Berliner Krankenhaus. Er war seit Mai 1896 mit  Marie Constanze Heye, geborene Plate (1874-1967) verheiratet.