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8500 Fans erleben Guildo Horns Weihnachtssingen im Livestream

Konzert : Schweißfrei, kontaktlos, aber voller Emotionen - 8500 Fans erleben Guildos Weihnachtssingen im Livestream

8500 Fans im Livestream sind hin und weg: So lief das Weihnachtssingen von Guildo Horn und seinen orthopädischen Strümpfen in Corona-Zeiten.

Trier  Ein Sänger in unendlich vielen mehr oder weniger weihnachtlichen Gewändern, fünf Musiker, eine Bühnenhilfe mit Maske - und eine ansonsten leere Europahalle. Kann da zuhause vor dem Rechner, internetfähigen Fernseher, Tablet oder Smartphone Stimmung aufkommen? In Corona-Zeiten ist alles anders, auch das traditionellen Weihnachtssingen von Guildo Horn und den orthopädischen Strümpfen. Aber was der Meister auf die Platte brachte, war sensationell - die phasenweise über 8000 Fans am Livestream huldigten den Meister, der immer wieder betonte: „Seid laut, ihr habt den Abend verdient!“

Bereits drei Minuten nach dem Start wäre die gute alte Europahalle in Trier (vor der aktuell gültigen Brandschutzverordnung) ausverkauft gewesen. 2300 Besucher hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon im Livestream eingewählt, und es folgten noch tausende mehr, nachdem es anfangs auf der Seite von Guildo Horn noch technische Probleme gegeben hatte. Um 20.30 Uhr war die Marke von 7500 Fans überschritten, als der Meister seinen Abschlussklassiker „Weihnachten bin ich zuhaus‘“ als letzte Zugabe zum Besten gab, waren über 8500 Zuschauer in Festtagsstimmung.

 Mit Nussecken und Livestream am heimischen Rechner: So genossen viele Fans das Weihnachtssingen von Guildo Horn und den Orthopädischen Strümpfen aus der leeren Europahalle. 
Mit Nussecken und Livestream am heimischen Rechner: So genossen viele Fans das Weihnachtssingen von Guildo Horn und den Orthopädischen Strümpfen aus der leeren Europahalle.  Foto: TV/Björn Pazen

„Weihnachten ohne Guildo ist kein Weihnachten“ hatte mehrere Fans vorher gepostet. Gleich zu Beginn des von zahlreichen Trierer Firmen unterstützten Livestreams aus der Europahalle hatte sich der Meister aus der Künstlergarderobe gemeldet, ganz in Zivil: „Wir haben uns nach der Amokfahrt vom 1. Dezember lange überlegt, ob wir so auftreten sollten. Aber wir sind uns sicher, dass wir das sogar machen müssen, um dem Jahr nicht die schlechten Gefühle zu überlassen“, warb Horn gleichzeitig für Spenden für die Angehörigen der Opfer - während des (kostenlos verfügbaren) Konzerts wurde das städtische Spendenkonto mehrfach eingeblendet.

Der Opener „Träume zu zweit im Advent“ und der in Pergamentpapier eingewickelte einsame und seiner Freiheit beraubte Esel („In der Krippe“/In the ghetto) standen sinnbildlich für das Corona-Jahr, seine Abstandregeln und fehlende Kontaktmöglichkeiten - und als Horn am Ende bekannte: „Das war definitiv das beste Konzert des Jahres“, war das sicherlich nicht gelogen.

Die Band - in diesem Jahr ohne zusätzliche Bläserunterstützung aus Dessau - gab alles, nach 36 Minuten stand Guildo erstmals oberkörperfrei und verschwitzt auf der Bühne, auf der natürlich auch alle Abstandsregeln eingehalten wurden und wo sogar ein Spender mit Handdesinfektionsmittel zum Einsatz kam. Die Fans verfolgten das Konzert schweißfrei, kontaktlos, aber mit genau so vielen Emotionen wie bei den vorherigen über 25 Weihnachtssingen in der Europahalle. „Ihr dürft ruhig zuhause applaudieren, wir spüren das“, gab Horn seinen Fans via Livestream mit.

Alle Weihnachtssongs der vergangenen Jahre standen auf dem Programm - es fehlten „eben nur“ die Fans in der ansonsten immer ausverkauften Europahalle. „Hier steht ihr sonst, hier tobt sonst der Mob“ begannen Horn und seine Strümpfe den zweiten Teil des Konzerts im sonst brechend vollen Zuschauerbereich mit der Huldigung vom „dicken Dieter“, dem Maronenverkäufer und seiner ebenso dicken Rita. Ein akustischer und auch optischer Höhepunkt war der „Feine Christbaum“ (The Final countdown), wo ansonsten die Halle kocht. Dieses Jahr wurde der lebende Baum (das abgefahrenste Baum-Kostüm aller Zeiten) mit zehn Schlägen auf der Bühne gefällt - natürlich inklusive der klassischen gymnastischen Übungen.

Und Guildo versetzte sich auch in das Zuhause seiner Fans hinein: „Heute könnt ihr trinken, was ihr wollt, und müsst auch nicht vor dem Klo anstehen“ - gab aber auch wichtige Tipps: „Beim Tanzen nicht gegen den Weihnachtsbaum rennen“ oder „Vorsicht mit den Feuerzeugen unter Rauchmelder“.

Neu im Repertoire war das umweltkritische „Weihnachten grün“ (Cordula Grün), das sich dem Klimawandel widmete, neu auch das finale Kostüm des Meisters, ein sehr körperbetonter, silberner Stern. Das einzige nicht-weihnachtliche Lied im Programm war definitiv der Mutmacher überhaupt: „Immer wieder geht die Sonne auf“ — auf das sich 2021 alle wieder in der ausverkauften Europahalle zum Doppelpack am 22. und 23. Dezember treffen mögen, getreu den weisen Worten des Meisters: „Ich könnte schon wieder auf Normalbetrieb umstellen!“