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Glaube im Alltag: Trotz allem

Glaube im Alltag : Trotz allem

Auf meine Frage, wie man unternehmerisch unterwegs sein kann, angesichts der oft schwierigen politischen Verhältnisse in Italien, antwortete mir vor Jahren ein italienischer Unternehmer, dass man lernen müsse, trotz der Politik in Rom seine Arbeit zu tun.

Da klingt sehr viel Frust, Ärger und Distanzierung gegenüber Staat und Politik mit. Auf den zweiten Blick aber auch die Erkenntnis und die damit verbundene Hoffnung, dass es immer wieder Menschen gibt, die trotz allem dabei bleiben, ihr Unternehmen weiterführen und so Staat und Gesellschaft aufrechterhalten. Mit Blick auf die Situation unserer Kirche musste ich in diesen Tagen immer wieder an die Aussage des Unternehmers denken - auch hier mit Hoffnung und mit Sorge. Mit Hoffnung, weil es immer noch Männer und Frauen gibt, die als gläubiges Volk Gottes trotz allem, was derzeit Glauben und Leben in der Katholischen Kirche schwer macht, dabei bleiben, am Glauben festhalten und die Kirche heute, wie so oft in ihrer Geschichte, tragen und aufrechterhalten. Besorgnis deshalb, weil auch diese Gruppe immer kleiner wird, sich zunehmend Menschen von Kirche distanzieren, frustriert und müde sind, weil das „trotz allem Dabeibleiben“ immer anstrengender wird, immer mehr an Kraft verlangt und die wenigen auch noch Gefahr laufen, sich aufzureiben. Da tut es gut, sich von den Worten Jesu ansprechen zu lassen, die er im heutigen Sonntagsevangelium an seine Jünger auf stürmischer See richtet: „Habt Vertrauen, … fürchtet euch nicht!“ – trotz allem.

Markus Leineweber, Hausoberer und Mitglied des Direktoriums im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier