Marc Borkam, Ortsvorsteher von Trier-West, im Gespräch

Kommunalpolitik : „Alle Trier-Wester sollen eine Perspektive dort haben“

Triers neue Ortsvorsteher im Interview: Marc Borkam (SPD) möchte bei den Großprojekten in Trier-West/Pallien die Menschen vor Ort einbinden – und macht sich keine Illusionen darüber, dass das in seinem Stadtteil besonders schwierig ist.

Hauptberuflich leitet Marc Borkam zusammen mit seiner Lebensgefährtin eine Sprachschule in Trier. Auch im Stadtteil West/Pallien, dessen Ortsvorsteher der Sozialdemokrat in der Nachfolge von Horst Erasmy (CDU) ist, stellt er das Thema Kommunikation in den Mittelpunkt seiner Arbeit.

In seiner Freizeit wandert der Liebhaber antiker Möbel, Bücher und Kunst gern, werkelt im Garten und liest viel.

Was wollen Sie in den nächsten fünf Jahren im Stadtteil West/Pallien erreichen?

Marc Borkam: Die Wahlbeteiligung lag mit 38 Prozent zwar um acht Prozentpunkte höher als beim letzten Mal, aber sie ist immer noch sehr niedrig. Wir erreichen viele Bürger nur indirekt. Wir müssen bei den großen Projekten, die anstehen, die Leute mitnehmen – aufpassen, dass nicht nachher viele sagen: Wir haben von nichts gewusst.

Gerade in Trier-West gibt es doch aber Projekte zur Bürgerbeteiligung?

Borkam: In Trier-West ist das Risiko, dass Menschen enttäuscht werden, besonders groß. Zu oft hat es früh Bürgerbeteiligung gegeben, und dann ist sehr lange Zeit nichts passiert. Hinzu kommt: Wenn der Ortsvorsteher Menschen anspricht, artikulieren sie eine Menge, aber sie gehen nicht zu Veranstaltungen.

Ich werde mich darum bemühen, auch auf der Straße präsent zu sein, nicht formalisierte Gesprächsgelegenheiten zu schaffen. Wir müssen auch überlegen, wie wir beispielsweise Studierende erreichen. Mir schweben Modelle wie eine Online-Beteiligung vor. Ich wünsche mir eine lebhafte Debattenkultur.

Wo werden Sie über die großen, stadtweit bekannten Projekte wie Jägerkaserne, Gneisenaubering, Römerbrückenkopf und Himmelsleiter hinaus inhaltliche Schwerpunkte setzen?

Borkam: Ich möchte näher an den Punkt herangekommen, dass es ein neues Bewusstsein für die Landschaftsarchitektur unseres Stadtteils gibt: für seine Lage im Grünen, für die Möglichkeit, dort zu wandern. Das gilt für die Trier-Wester, für die übrigen Trierer und für den Tourismus. Ich denke beispielsweise an einen Waldlehrpfad am Markusberg und kann mir vorstellen, mit der Hochschule eine Art App zu entwickeln, die über die Landschaftsformation informiert.

Was steht außerdem auf Ihrer Agenda?

Borkam: Mein zweites Lieblingsprojekt sind Stadtteilpartnerschaften. Wir haben den europäischen Gedanken zu wenig im Blick. Ich denke an ähnlich große Stadtteile in Luxemburg, Lothringen oder der Wallonie. Außerdem kann ich mir vorstellen, das Gelände der Jägerkaserne stärker für Existenzgründer zu nutzen. Und ich wünsche mir ein Kultur- und Familienzentrum im Türmchenshaus der Jägerkaserne, das auch Ortsbeirat und Ortsvorsteher nutzen könnten. Eine Diversität wie in unserem Stadtteil lässt sich nur auffangen, wenn man eine sichtbare Präsenz schafft. Mein Ziel ist, die Mischung in Trier-West zu erhalten: Alle Menschen, die da leben, sollen dort eine Perspektive haben.

Wird es auch Kontinuitäten geben?

Borkam: Kontinuität ist mir sehr wichtig bei der parteiübergreifenden Zusammenarbeit im Ortsbeirat. Ich setze darauf, dass es auch in Zukunft dort ein Trier-West-Pallien-Gefühl gibt – bei der ersten Sitzung hatte ich den Eindruck, dass das auch bei den vielen neuen Ratsmitgliedern der Fall ist. Aber auch im Gremium gibt es Kontinuität. Und mein Vorgänger Horst Erasmy gestaltet auf ganz tolle Art und Weise den Übergang mit und bringt sich auch weiterhin für den Stadtteil ein.

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