| 17:32 Uhr

Handel
Geplanter Lebensmittelmarkt in Trier: Globus-Gegner formieren sich (Video)

Im September 2014 eröffnete Globus das Warenhaus in Koblenz, nach dessen Vorbild auch das Haus in Trier gebaut werden soll. Foto: Globus SB-Warenhaus
Im September 2014 eröffnete Globus das Warenhaus in Koblenz, nach dessen Vorbild auch das Haus in Trier gebaut werden soll. Foto: Globus SB-Warenhaus FOTO: h_st <h_st@volksfreund.de>
Trier. Während die Gutachter noch prüfen, ob ein neuer großer Lebensmittelmarkt zu Trier passt, lehnt der Vorstand der City-Initiative das 40-Millionen-Projekt ab. Globus hält dagegen. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Passt ein neuer Globus-Markt zur Stadt Trier? Zwei  Gutachterbüros werden noch Wochen forschen und analysieren, um diese Frage zu beantworten. Der Vorstand der City-Initiative hat sich aber jetzt schon entschieden, das bestätigt ihr Vorsitzender Benno Skubsch auf Anfrage des TV. „Nach eingehender Diskussion hat sich der Vorstand der City-Initiative mehrheitlich gegen die geplante Ansiedlung am avisierten Standort in der vorgebrachten Dimensionierung ausgesprochen“, teilt Skubsch mit, der im Hauptberuf die Trier-Galerie leitet.

Globus will dennoch bauen, das steht fest. Der Konzern hat die dazu nötige Grundfläche in der Niederkircher Straße in Trier-Euren (siehe Grafik) schon gekauft und kündigt einen modernen Markt an, dessen Schwerpunkt auf Lebensmitteln liegen soll, viele davon aus eigener Produktion. Die Eckdaten: 10 000 Quadratmeter Verkaufsfläche und eine Investition in Höhe von 40 Millionen Euro (der TV berichtete).

Der Konzern hat die Cima Beratung und Management GmbH  aus Köln mit einer Analyse der Lage beauftragt. Dabei spielt wohl auch die Idee eine Rolle, notfalls ein Gegenpapier zur Hand zu haben, falls das von der Stadt Trier bei der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) bestellte Gutachten aus Sicht von Globus negativ ausfallen sollte.

Beide Gutachterbüros werden ihre jeweiligen Ergebnisse erst im dritten Quartal präsentieren. Darauf will aber offenbar niemand warten. Schon 2017 hat die Globus-Gruppe das Marktforschungsinstitut T.I.P. Biehl & Partner aus Trier beauftragt, mehr als 1000 Haushalte in und um Trier sowie 200 Haushalte in Luxemburg  zu befragen. Die Ergebnisse fallen je nach Art der Fragestellung sehr unterschiedlich aus (siehe Extra „So lief die Haushaltsbefragung“).

Auch die City-Initiative hat eine Befragung  gestartet. „Wir sind der Interessenvertreter zahlreicher innerstädtischer Akteure“, sagt Benno Skubsch. „Daher beziehen wir immer auch die Meinung unserer Mitgliedsbetriebe mit ein.“ Das Ergebnis liege im Juli vor.

Warum hat die City-Initiative die Ergebnisse der Gutachten nicht abgewartet? „Für uns als Verein ist es unerlässlich, auch das Meinungsbild unserer Mitgliedsbetriebe  in unsere zukünftigen Gespräche mitzunehmen“, sagt Skubsch.

Das findet Globus offensichtlich nicht gut. Auch der Konzern hat ein Schreiben an viele Trierer Händler abgeschickt. Das Thema ist die Umfrage der City-Initiative. Dieses Schreiben liegt dem TV vor.

„Wir haben die Information erhalten, dass die City-Initiative Trier aktuell eine Umfrage zur geplanten Globus-Ansiedlung unter ihren Mitgliedsbetrieben in der Innenstadt durchführt“, steht in diesem Brief, der von Stefan Ewerling, dem Leiter Integration und Expansion bei der Globus-Gruppe, und auch von Andreas Bohlen, dem Regionalleiter Expansion und Standortplanung, unterzeichnet ist. „In diesem Zusammenhang wurde auch ein Schreiben an Ihr Unternehmen verschickt, in welchem erläutert wird, dass sich der Vorstand der City-Initiative gegen die geplante Ansiedlung ausspricht.“

Der Ton des Briefs wird kritisch. „Der Vorstand hat diese Entscheidung augenscheinlich vor dem Vorliegen der Befragungsergebnisse seiner Mitglieder getroffen und auch gänzlich ohne Vorliegen der Ergebnisse der beauftragten Einzelhandelsgutachten. Beide sind aus unserer Sicht höchst relevante Fakten für eine Entscheidung über unsere Ansiedlung.“

Globus versucht, die  Betriebe zu überzeugen. „Wir wissen natürlich um die Ängste und Sorgen, die mit unserer Ansiedlung gerade bei Vertretern des örtlichen Einzelhandels einhergehen. Wir sind auch so ehrlich, dass wir Ihnen nicht versprechen, alle Bedenken vollständig auszuräumen.“ Das zentrale Argument: Die Beratungskompetenz örtlicher Fachhändler wolle Globus auch in den Teilen des Sortiments, die nichts mit Lebensmitteln zu tun haben, nicht ersetzen und mit diesen Händlern „in der Praxis auch nicht im Wettbewerb stehen“.

Das Schreiben endet mit einem Appell: „Lassen Sie uns die Ergebnisse der Gutachten abwarten und im Anschluss bewerten.“ Das von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten wird die Diskussions- und Entscheidungsgrundlage des Stadtrats sein, der voraussichtlich im Herbst für oder gegen einen neuen Globus-Markt stimmen wird.