"Sag nein!"

DAUN. Exakt 61 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz haben rund 100 Dauner Hauptschüler sowie einige Lehrer und solidarische Bürger bei Eiseskälte mit einem Schweigemarsch durch die Innenstadt und einer Kundgebung vor dem Forum an die Gräueltaten der Nazis erinnert.

Das Motto, das sich die Schüler und Lehrer für den Gedenktag ausgesucht haben, beinhaltete beides: einerseits die Erinnerung an das Unfassbare, das die nationalsozialistischen Mörder Millionen Menschen, ja der Menschlichkeit, angetan haben, andererseits den in die Zukunft gerichteten Appell, so etwas nie wieder zuzulassen. Das Motto lautete schlicht: "Sag nein!" Dieser Slogan stand sowohl auf einigen der selbtsbemalten Transparente, die die Schüler präsentierten. Er wurde aber auch per Lautsprecher verkündet - durch einen gleichnamigen Song des Münchner Liedermachers Konstantin Wecker. Der prangert den nach wie vor latenten Rassismus und Faschismus im Gedankengut des deutschen Bürgertums an. Und dagegen gelte es nach wie vor zu kämpfen. So appelliert er in dem Lied "Tobe zürnend, bring dich ein, sage nein" oder "habe keine Angst zu schreien, sage nein". Vor allem diese auf den Punkt gebrachten Botschaften sind es, die die jungen Leute verinnerlichen. So sagte Alexander Steiz (16) auf die Frage, weshalb er an der Veranstaltung teilnehme: "Ich bin gegen jegliche Art des Neo-Nazitums, eben all das, was von diesem Gedankengut aktuell vorhanden ist. Das ist meine innerste Überzeugung." Beklemmende Gefühle, fast Angst

Lilia Neumann (15) wiederum hält es für "wichtig, weiterhin an all diese Schrecken, die damals passiert sind, zu erinnern". Sie selbst habe bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Holocaust im Unterricht "beklemmende Gefühle, ja fast Angst gehabt, dass Menschen zu so etwas überhaupt fähig sind". Geschichtslehrer Peter Fricke nannte Auschwitz das in einem Wort zusammen gefasste Synonym für "millionenfachen Mord, Tod, Folter und Ausgrenzung". Er rief dazu auf, "jeder Gefahr der Wiederholung entgegenzutreten". Das sei aber mittlerweile gar nicht so einfach, da sich Neonazis heutzutage "subtiler, versteckter und organisierter" verhielten. Bei weitem nicht jeder Neonazi sei noch durch Glatzkopf, Bomberjacke und Springerstiefel zu erkennen. Diese Auffassung vertrat auch Schülersprecherin Kerstin Leif, die es betroffen macht, dass es immer noch Gleichaltrige gebe, die Rassismus propagierten. Denen gelte es, die Stirn zu bieten anstatt wegzusehen. Sie bekannte: "Wir haben zwar keine Schuld an den Ereignissen der Vergangenheit, aber sind mitverantwortlich für die Zukunft."