Nur noch wenige im Ring-Rennen

Nur noch wenige im Ring-Rennen

Der Verkaufsprozess am Nürburgring geht trotz massiven Widerstands weiter. Bis zum 15. Februar sollen die finalen Angebote der verbliebenen Bieter vorliegen. Ende Februar könnte ein Kaufvertrag unterschriftsreif sein.

Nürburgring. Nach Informationen der Rhein-Zeitung sind noch das Düsseldorfer Unternehmen Capricorn, die Investmentgesellschaft H.I.G. Capital und ein, zwei unbekannte Bieter in der engeren Wahl. Ein überraschendes Angebot von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone wird in der Motorsportbranche eher als taktisches Manöver gewertet. Ganz sicher sein kann man sich bei dem Milliardär natürlich nie.
Dafür wird klarer, wer bei Capricorn mit im Boot ist. Die Gesellschafterstruktur bei einem möglichen Kauf des Rings hat zwar noch letzte Unwägbarkeiten, aber Hauptgesellschafter wird der Capricorn-Chef Robertino Wild. Eine Minderheitsbeteiligung fällt Axel Heinemann zu, der das Unternehmen GetSpeed am Ring gegründet hat. Heinemann und Wild kennen sich seit vielen Jahren. GetSpeed, im Gewerbegebiet in der Nähe der Rennstrecken nicht weit von den Capricorn-Hallen gelegen, bietet Rennfahrern und Motorsportfans eine Art Rund-um-sorglos-Paket an. Rennwagen werden untergebracht, gepflegt, gewartet und eingestellt. Fahrer werden beraten, trainiert und bei Bedarf bis zur Rennlizenz betreut. Axel Heinemann war lange Jahre bei der Unternehmensberatung The Boston Consulting Group (BCG) tätig. Robertino Wild dementierte Gerüchte, dass Capricorn Probleme habe, den Kauf des Nürburgrings zu finanzieren. "Das ist nicht richtig", meinte er. Seinen Angaben nach soll der geplante Erwerb zu einem "großen Teil" über Eigenkapital "im zweistelligen Millionenbereich" laufen. Aufgrund der komplexen Verflechtung zwischen Insolvenz- und EU-Recht wird wohl noch an einer Finanzierungsstruktur gearbeitet. "Da gibt es aber keine unüberwindbaren Hürden", zeigte sich Wild optimistisch. Der Capricorn-Chef scheint nach wie vor hoch motiviert, dem Ring eine neue Zukunft zu geben.
Sollte es zu einem Kaufvertrag kommen, wird er zunächst unter Vorbehalt unterschrieben. In einem zeitnahen Zwischenschritt, so schildern es die Insolvenzverwalter, muss die EU bestätigen, dass der neue Eigentümer nicht mehr mit millionenschweren Beihilfeforderungen rechnen muss. Voraussetzung: Das Brüsseler Beihilfeverfahren, in dem Subventionen in der Höhe von knapp einer halben Milliarde Euro unter dem Verdacht der Unrechtmäßigkeit stehen, wird gleichzeitig abgeschlossen. Der Kaufvertrag kann also offenbar erst in Kraft treten, wenn Einvernehmen mit der EU hergestellt ist. Dazu gehört, dass über die Einwände, die der Verein "Ja zum Nürburgring" und der ADAC bei der EU-Kommission vorgebracht haben, befunden wurde.
Angeblich soll das Private-Equity-Haus H.I.G. keinerlei Finanzierungsprobleme haben. Gerüchteweise legte es ein unverbindliches Angebot um die 90 Millionen Euro vor. Capricorn soll im ersten Aufschlag deutlich weniger geboten haben. H.I.G. hat den sehr solventen früheren Rennfahrer Meyrick Cox mit an Bord.Extra

Die Gegner des Verkaufs der Rennstrecken machen weiter mobil. Die regionale Initiative "Wir sind Nürburgring" will Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Sonntag mit "Deutschlands größtem Autokorso" empfangen. Die sozialdemokratische Regierungschefin nimmt um 11 Uhr in Neuwied-Feldkirchen (Aula der Landesblindenschule) an einem Empfang der SPD-Stadtratsfraktion und des SPD Stadtverbandes Neuwied teil. Nachmittags wird sie um 16.30 Uhr in der Laacher See-Halle in Mendig beim Neujahrsempfang der dortigen SPD erwartet. Die Gegner des Verkaufsprozesses wollen ihr einen lautstarken Empfang bereiten. "Wir schätzen, dass wir 500 Autos zusammenbekommen", meinte Mitinitiatorin Sabine Schmitz. "Wir wollen, dass sich die Ministerpräsidentin unseren Argumenten stellt." Und der zweite Mitinitiator der Bürgerinitiative Christian Menzel bilanziert: "Uns schließen sich täglich mehr Menschen aus der Region, aber auch von außerhalb an - Menschen die ihr Herz am richtigen Fleck haben." Er appelliert an alle Motorsportfans und Ringfreunde: "Gebt Gas Leute, wir müssen größer werden!" Seit geraumer Zeit macht "Wir sind Nürburgring" mit Protestaktionen auf sich aufmerksam. Am 31. Januar will Ministerpräsidentin Malu Dreyer die Initiative in Mainz zu einem Gespräch empfangen. db