Viel Bewegung bei der Muh

Viel Bewegung bei der Muh

Milchbranche und Landwirte diskutieren derzeit viel über die Pläne der Milch-Union Hocheifel in Pronsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm). In der Muh-Chefetage sieht man dies gelassen. Derzeit würden verschiedene Optionen geprüft, um die Stellung als selbstständige Molkerei auszubauen.

"Die Muh baut für viele Millionen einen Sprühturm, um Trockenmilch herzustellen, und deshalb haben schon hundert Landwirte ihre Verträge gekündigt"; solche Gerüchte treiben derzeit Milchbauern in Eifel, Hunsrück und Saargau an ihren Stammtischen um. "Bis zu 250 Millionen Kilogramm an jährlicher Milchmenge würde die Molkerei ab 2012 verlieren", heißt es sogar in den unterschiedlichen Internetforen.

Die Verantwortlichen in Pronsfeld sehen die Debatten gelassen. Man mache sich zwar einen eigenen Reim auf die Diskussionen, auch deshalb, weil sie oft nicht von ihren eigenen Milchlieferanten geführt werden. "Unsere Strategie ist es, auch weiterhin selbstständig zu bleiben", sagt der Geschäftsführende Vorstand der Muh, Rainer Sievers, dem TV. Dazu gehöre, dass das Unternehmen auch Sortimentserweiterungen prüfe.

"Wir wollen uns mit modernen und neuen Verpackungen und innovativen Produkten breiter aufstellen", sagt Sievers. In der Vergangenheit hat sich die Muh etwa mit der Einführung lactosefreier Produkte in Deutschland in diesem Bereich auf Platz zwei vorgearbeitet.

Die Unternehmensstrategie würde von der Mehrzahl der rund 2600 Milchlieferanten befürwortet. Im Rhein-Sieg-Kreis und im Bergischen Land seien allerdings eine Reihe von Milchbauern nicht mit der Muh-Strategie einverstanden. Rund 100 Landwirte mit rund 43 Millionen Kilogramm Milch pro Jahr hätten zum 31. Dezember gekündigt. Somit wird der Austritt der Bauern aus der genossenschaftlichen Molkerei Silvester 2012 wirksam. "Zudem verlieren wir durch Austritte aus dem gesamten Einzugsgebiet noch rund zehn Millionen Kilogramm Milch", heißt es aus Pronsfeld.

Muh hat 2010 mehr Milch verarbeitet



Gleichzeitig sind aber auch 2010 rund 100 Landwirte mit einer Milchmenge von 63 Millionen Kilogramm zur Muh hinzugestoßen, zum größten Teil vom Niederrhein und aus Belgien. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen 1,23 Milliarden Kilogramm verarbeitet. 2009 waren es 1,148 Milliarden. "Das sind 3,4 Millionen Kilogramm Milch am Tag", sagt Muh-Pressesprecher Wolfgang Rommel.

Das Thema "Sprühturm" werde derzeit - "neben anderen Optionen" - in den Gremien diskutiert. In Insiderkreisen wird dieser Weg als realistisch angesehen, der Einstieg bei Butter oder in die Käseproduktion und -vermarktung erscheint Branchenkennern wegen der sehr hohen Kosten eher unrealistisch.

"Wir verzeichnen auch ohne neue Landwirte ein jährliches Wachstum von sechs bis sieben Prozent. Da ist es wichtig, sich über die Verwertung der Milch Gedanken zu machen", sagt Sievers. Doch: "Entschieden ist hier noch gar nichts. Wir prüfen verschiedene Optionen und werden diese mit unseren Vertretern besprechen", sagt das Unternehmen. Der Standort Pronsfeld wird auf jeden Fall weiter ausgebaut. Für 2011 sind Investitionen von knapp 25 Millionen Euro eingeplant. So sind unter anderem eine neue Produktionshalle, der Bau einer Klärgasanlage mit gleichzeitiger Energiegewinnung sowie die Fertigstellung der Erweiterungsflächen auf sieben Hektar beschlossen.

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