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Longkamp: Hunsrücker Sturmtalent will in die Bundesliga

Fußball : Hunsrücker Sturmtalent will in die Bundesliga

Bis vor einem Jahr schoss Tim Sausen noch seine Tore für den JFV Hunsrückhöhe in der A-Jugend-Rheinlandliga. Beim hessischen Traditionsclub Kickers Offenbach wurden sie dann auf sein fußballerisches Können aufmerksam. Trotz monatelanger Pausen im Corona-Jahr hat er ordentlich Selbstvertrauen getankt, und will nun voll durchstarten.

Nur auf zwei Handvoll Punktspieleinsätze bringt es Tim Sausen im ablaufenden Jahr – und dennoch  hat der Angreifer 2020 einen großen Schritt gemacht, um seinen Traum wahr werden zu lassen: Der 18-jährige Fußballer aus Longkamp (Kreis Bernkastel-Wittlich) bekennt im Gespräch mit dem TV: „Ich will in die Bundesliga.“

Viel investiert hat er dafür in den ersten Wochen des Jahres bis zur Corona-Pause ab März und dann in  der neuen Saison bis zur nächsten Unterbrechung Ende Oktober. Fast täglich ging es da im Auto von Tim Schwartz ins rund 160 Kilometer entfernte  Offenbach, wo er  für die U19 von Kickers Offenbach in der A-Junioren Bundesliga Süd/Südwest spielt.  Der frühere Koordinator des Jugendfördervereins (JFV) Hunsrückhöhe Morbach (Mitte 2018 bis Ende 2019) hatte Sausen bereits in der Rheinlandliga-A-Jugend des JFV gecoacht, lobt den 1,93 Meter großen Stürmer als „schnell, torgefährlich, sehr fleißig und bodenständig“.

Dass er Morbach im vergangenen Winter ein halbes Jahr früher als eigentlich angekündigt verließ, begründet Schwartz auch mit der Möglichkeit, seinen Schützling weiter fördern zu können: Bei den Kickers ist der 33-jährige, einst bei Energie Cottbus und Werder Bremen ausgebildete, später in der Regionalliga unter anderem in Homburg und Elversberg aktive Schwartz Co-Trainer der A-Junioren. Im Nachwuchsleistungszentrum des Regionalligisten fungiert er zudem als Videoanalyst der Trainingseinheiten und Partien.

In einem Testspiel des JFV Hunsrückhöhe vor ziemlich genau einem Jahr, am 15. Dezember 2019, gegen die U19 des Traditionsclubs vom Main machte Sausen erneut Eindruck auf Alfred Kaminski, den Leiter des Offenbacher NLZ: Gleich in der ersten Minute traf der Schlaks zum 1:0 und steuerte später noch ein weiteres Tor zum achtbaren 3:5 der Morbacher gegen die Hessen bei. Zuvor war Rheinlandauswahlspieler Sausen dem Offenbacher Talentförderer bereits in Duisburg beim Länderturnier aufgefallen. Andere Vereine erkannten sein Talent vor rund einem Jahr offenbar (noch) nicht. Jedenfalls sagt der aus dem SV Longkamp hervorgegangene Sausen: „Es gab sonst keine Anfragen.“

Nach einem Probetraining Anfang Januar waren sich Sausen, seine Eltern und der OFC einig. Der Sprung um gleich zwei Klassen gelang dem jungen Hunsrücker überraschend schnell. Auf Anhieb eroberte er einen Platz in der Stammelf von Trainer Robin Trabert und war zudem Mitte Februar mit einem Tor am 3:2-Erfolg der Offenbacher gegen den Karlsruher SC beteiligt. „Das Tempo ist in der A-Jugend-Bundesliga natürlich höher als in der Rheinlandliga. Doch daran habe ich mich relativ schnell gewöhnt.“

Mit der Vorbereitung auf die neue Spielzeit im Rücken startete der Longkamper am Main durch. In den bisherigen vier Saisonspielen erzielte er gleich fünf Treffer. Drei davon und noch dazu eine Vorlage steuerte Sausen zum 5:2 im vorerst letzten Match Ende Oktober beim 5:2 über den Bundesliganachwuchs des FC Augsburg bei.

Corona hat auch Sausen ausgebremst. „Mehr als individuelles Training zu Hause können auch wir momentan nicht machen.“ Immerhin kann er sich so aktuell noch etwas mehr auf die anstehenden Abiturprüfungen am Nikolaus-von-Kues-Gymnasium in Bernkastel-Kues konzentrieren Seine Leistungsfächer: Deutsch, Biologie und Sozialkunde („Sport wurde von der Schule nicht angeboten. Dafür gab es zu wenig Interessenten.“). Doch der Stress, fast täglich über mehr als 300 Kilometer von Longkamp nach Offenbach hin- und zurückzufahren, hielt sich in Grenzen: „Mit Tim Schwartz konnte ich mich ja immer unterhalten oder während der Reise auch was für die Schule machen.“ Die schulischen Leistungen hätten angesichts der Doppelbelastung nicht gelitten, betont  Sausen: „Man muss sich halt gut organisieren.“

Kickers-Nachwuchschef Kaminski traut Sausen einiges zu, wie er im Gespräch mit der Offenbach Post durchblicken lässt: „Tim setzt sich mit Kritik auseinander und zeigt dann auch eine Reaktion. Das bringt ihn weiter. Er ist flexibel einsetzbar, kann neben dem Sturmzentrum auch auf Außen oder im Mittelfeld spielen.“  Dass sich bislang nie ein Leistungszentrum um ihn bemüht hat, ist für den früheren Trainer des 1. FC Saarbrücken und des FC Homburg „verwunderlich“. Doch inzwischen haben einige Clubs ein Auge auf den Hunsrücker geworfen, der als Spätstarter gilt  – auch in Offenbach sind viele seiner Teamkollegen schon seit Jahren Mitglied des NLZ. Aktuell geht Sausen davon aus, den Verein Mitte des Jahres zu verlassen. Im Sommer ist er dem Jugendbereich entwachsen. Der Wechsel zu einer Zweitvertretung eines Erst- oder Zweitligisten könnte der nächste Schritt in Richtung seines Ziels Bundesliga sein. Wer schon alles angeklopft hat, will Sausen, der von einer im Saarland ansässigen Managementagentur beraten wird, nicht verraten.

Auch sein  Förderer Schwartz („Von meinem Vorgänger Uwe Hartenberger habe ich beim JFV Hunsrückhöhe ein schweres Erbe übernommen. Er hat super Arbeit geleistet. Zumindest konnte ich den Level halten.“) strebt eine Veränderung an, zieht es ihn doch wieder zurück  etwa nach Rheinland-Pfalz oder das Saarland. Der Fahraufwand von seinem Wohnort Hettenrodt im Kreis Birkenfeld aus nach Offenbach sei auf die Dauer „mit Tausenden von Kilometern im Monat einfach zu hoch“. Auch aufgrund des familiären Zuwachses – seine Frau erwartet um die Jahreswende das dritte Kind – ist er nun auf der Suche nach einem schneller erreichbaren Verein, der „ein ambitioniertes Umfeld bietet“.

 TIm Sausen
TIm Sausen Foto: OFC

Doch sofern Corona es zulässt, haben beide in der ersten Jahreshälfte mit der U19 der Kickers Offenbach noch einiges vor. Schließlich sollen sich die weiten Touren vom Hunsrück nach Hessen weiter lohnen.