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Frauen-Handball
Weil Badenstedt verzichtet, sind die Miezen gerettet

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Trier/Hannover. Seit Montag steht fest, dass die Trierer Miezen (wenn sie ihre Lizenz erhalten) den Klassenerhalt in der 2. Frauen-Handball-Bundesliga geschafft haben. Denn am Vorabend hatte die HSG Hannover-Badenstedt bekannt gegeben, dass sie sich freiwillig in die 3. Liga zurückzieht. Von Björn Pazen

Sportlich gesehen ist Jürgen Brech „ein Stein vom Herzen gefallen“, insgesamt aber ist es für den Miezen-Vorstand eine „bedenkliche und traurige Entwicklung“: Seit gestern steht fest, dass die Trierer Miezen (wenn sie ihre Lizenz erhalten) den Klassenerhalt in der 2. Frauen-Handball-Bundesliga geschafft haben. Denn am Vorabend hatte die HSG Hannover-Badenstedt bekannt gegeben, dass sie sich freiwillig in die 3. Liga zurückzieht. Badenstedt war der Trierer Hauptkonkurrent um den Klassenerhalt, liegt auf dem ersten Abstiegsplatz zwei Punkte hinter der MJC.

Kommentar von Björn Pazen: Ein echter Teufelskreis

Grund für den Rückzug sind finanzielle Gründe: „Der hohe Mittelbedarf für eine Mannschaft in der zweiten Handball-Bundesliga ist für einen Verein wie den TV Badenstedt ohnehin eine dauerhaft große Belastung. Wenn es dann auch noch zu unvorhergesehenen großen Zusatzbelastungen kommt, können wir das Wohl des wirtschaftlich und sportlich gesunden Stammvereins nicht außer Acht lassen“, heißt es aus Niedersachsen. Auch die TG Nürtingen überlegt, sich aus den gleichen Gründen aus der 2. Liga zurück zu ziehen, dort fehlt eine fünfstellige Summe für die neue Spielzeit. Deren Entscheidung ist aber noch offen. Christoph Wendt, Geschäftsführer des Ligaverbands HBF, bestätigte dem TV den Rückzug von Badenstedt, und dass somit sportlich nur Schlusslicht Gröbenzell absteigt. Vor Badenstedt hatte sich die SVG Celle schon zum Saisonstart aus finanziellen Gründen verabschiedet.

„Natürlich können wir nun befreiter aufspielen, aber wir wollen in den verbleibenden Saisonspielen den Klassenerhalt auch sportlich schaffen“, sagt Brech: „Auch wir sind finanziell nicht auf Rosen gebettet, ich kann mit den Verantwortlichen in Badenstedt mitfühlen, wie schwer ihnen sicherlich die Entscheidung gefallen ist.“ Für den Vorstand der Miezen, die sich vor einigen Jahren vom Profitum verabschiedet haben, ist es ein strukturelles Problem: „Es entstehen so viele Kosten wie für Reisen, Beiträge zur Berufsgenossenschaft und Sozialversicherungen, Schiedsrichter und so weiter. Das ist alles nur schwer machbar, selbst wenn die Spielerinnen nur Aufwandsentschädigungen erhalten - von Gehältern will ich da gar nicht sprechen.“ Auch im administrativen Bereich setzt die MJC mit Ausnahme einer Halbtagskraft in der Geschäftsstelle notgedrungen auf eine ehrenamtliche Vereinsführung. „In der freien Wirtschaft wäre es undenkbar, dass ein Kleinbetrieb ehrenamtlich geführt wird.“

Die 2. Liga ist auch an der Spitze von Rückzügen betroffen: Ebenfalls aus finanziellen Gründen verzichten die beiden Spitzenteams Rosengarten und Ketsch auf den Aufstieg, einzig der Drittplatzierte Halle/Neustadt hat eine Lizenz für die 1. Liga beantragt.