| 16:23 Uhr

Serie Spochtipedia
Von wegen schwaches Geschlecht!

Die Mehringer Schützen trainieren in einer um die Jahrtausendwende erbauten Luftgewehrhalle oberhalb des Moselorts.
Die Mehringer Schützen trainieren in einer um die Jahrtausendwende erbauten Luftgewehrhalle oberhalb des Moselorts. FOTO: TV / Mirko Blahak
Mehring. Beim Sportschießen sind die weiblichen Schützen im Durchschnitt ihren männlichen Mitstreitern überlegen. An dem Präzisionssport, der die Konzentration schult, scheiden sich die Geister. Von Mirko Blahak
Mirko Blahak

Allen Machos dürfte diese Statistik ganz und gar nicht schmecken. „Im Schnitt schießen die Männer schlechter als die Frauen!“, sagt Winfried Schmitt, Schießmeister sowie Trainer bei der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Mehring und ein Mann mit reichlich Erfahrung.

Woran liegt’s? Sind weibliche Schützen ehrgeiziger? Sind sie vom Naturell her ruhiger an der Waffe? Alles reine Spekulation. „Warum das so ist, weiß keiner. Bislang hat niemand stichhaltige Erklärungen geliefert“, sagt Schmitt.

Zu den Machern in der  St. Sebastianus Schützenbruderschaft Mehring gehören Winfried Schmitt, Monika Schmitt, Norbert Dixius, Anja Schneider und Markus Schmitt (von links).
Zu den Machern in der  St. Sebastianus Schützenbruderschaft Mehring gehören Winfried Schmitt, Monika Schmitt, Norbert Dixius, Anja Schneider und Markus Schmitt (von links). FOTO: TV / Mirko Blahak

Ob Zufall oder nicht: Auch die Mehringer Schützen haben mit Antonia Cordier derzeit ein weibliches Aushängeschild. Im Herbst des vergangenen Jahres wurde sie Bundesmeisterin in der weiblichen Schülerklasse in der Disziplin Luftgewehr stehend.

Beim Schießen mit dem Luftgewehr kommen Projektile aus Blei zum Einsatz.
Beim Schießen mit dem Luftgewehr kommen Projektile aus Blei zum Einsatz. FOTO: TV / Mirko Blahak

Sie ist auch beim TV-Besuch an diesem Abend im Jugend-Training. Das Vereinsgelände der St. Sebastianus Schützenbruderschaft liegt am Waldrand oberhalb von Mehring. Die Luftgewehrhalle ist um die Jahrtausendwende errichtet worden. Sie bietet  zwölf Schützen gleichzeitig Platz, die ihre Ziele in zehn Metern Entfernung anvisieren. In direkter Nachbarschaft liegt der 50 Meter lange Schießstand für Kleinkaliber-Gewehre mit sechs Bahnen.

Die Mehringer Nachwuchsschützen in der Luftgewehrhalle sind zwischen zwölf und 24 Jahre alt. Interessierte Kinder können im Alter von acht oder neun Jahren mit einem Lasergewehr einsteigen. Wenn sie zwölf Jahre alt sind, dürfen sie zum Luftgewehr wechseln.

Anvisiert werden beim Sportschießen kleine schwarze Scheiben  – kein leichtes Unterfangen.
Anvisiert werden beim Sportschießen kleine schwarze Scheiben  – kein leichtes Unterfangen. FOTO: TV / Mirko Blahak

Keine leichte Sache – im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Juniorgewehr wiegt bis zu 3,5 Kilo, die Waffen für Erwachsene kommen auf 5,4 Kilo. „Deshalb beginnt man zunächst mit der Disziplin ,aufgelegt‘“, erläutert Schmitt. Das bedeutet: Das Gewehr wird auf einen Ständer gelegt und ist damit leichter zu beherrschen.

Die kleinen Scheiben in weiter Ferne zu treffen, bleibt aber kompliziert. „Nach ein paar Wochen regelmäßigem Training trifft man den äußeren von insgesamt zehn Ringen“, sagt Markus Schmitt, Sohn des Schießmeisters und Geschäftsführer der Mehringer St. Sebastianus Schützenbruderschaft.

„Um erfolgreich zu sein, müssen Sportschützen Ruhe, Konzentration und Körperbeherrschung trainieren“, sagt Trainer Schmitt. Dazu brauche es auch Ausdauer und Koordination. Zur körperlichen kommt die mentale Komponente. Die Fähigkeit, sich nicht ablenken zu lassen. Deshalb kommt in der Mehringer Trainingshalle Musik aus den Boxen. Winfried Schmitt: „Die Schützen müssen lernen, nicht zuzuhören.“

Beim Luftgewehr wird ein Projektil aus Blei, ein sogenanntes Diabolo, mit einem Durchmesser von 4,5 Millimetern mittels komprimierter Luft durch den Gewehrlauf gejagt. Das optimale Ziel, die Zehn auf der Zielscheibe, ist ein Punkt mit 0,5 Millimetern Durchmesser in zehn Metern Entfernung.

Gezielt wird mit Hilfe eines Diopters und eines Ringkornes, deren Einstellungen verändert werden können. Beim Anvisieren verschwindet ein Auge hinter einer Blende, das aber dahinter geöffnet bleibt, um die Sehstärke nicht zu beeinflussen.

Sobald sich das Zentrum der Zielscheibe in der Mitte des Ringkornes befindet, sollte der Schuss gelöst werden. Klingt einfach – in der Theorie!

Beim Luftgewehrschießen steht der Schütze parallel zur Scheibe, die Füße sind schulterbreit auseinandergestellt. Damit der Körper möglichst ruhig steht, tragen Sportschützen eine auf den ersten Blick etwas unkonventionell anmutende Schießkleidung. Extrastarke Sohlen an den über die Knöchel gehenden Schuhen verleihen einen guten Stand. Hosen und Jacken sind aus einem festen, steifen Material – beispielsweise aus einer Kombination aus Leinen und Leder. Günstig sind die Sachen nicht. Einsteigermodelle bei Jacken und Hosen kosten laut Markus Schmitt 90 bis 100 Euro. Ein Paar Schuhe sind für 80 bis 90 Euro zu haben.

Richtig ins Geld gehen die Waffen. Laut Geschäftsführer Schmitt müssen für ein Luftgewehr-Einsteigermodell  1000 bis 1200 Euro berappt werden. Luftpistolen schlagen mit 900 bis 1200 Euro zu Buche.

„Der Sport kostet viel Geld“, sagt Mehrings Brudermeister Norbert Dixius, der gleichzeitig auf die positiven Aspekte abhebt: „Beim Sportschießen lernt man die Fähigkeit, abzuschalten und sich auf sich zu konzentrieren. Das hilft Jugendlichen beispielsweise auch in der Schule.“

Markus Schmitt hat als Zehnjähriger per Sondergenehmigung mit dem Sportschießen begonnen, mit elf war er bereits erstmals bei einer deutschen Meisterschaft am Start. „Für mich ist Sportschießen ein Ausgleich zum Beruf, der zudem noch die Konzentration schult.“

Insgesamt haben die Sportschützen Probleme, Nachwuchs zu binden. Dixius: „Ein Kernproblem ist, dass das Mindestalter für die Ausübung des Schießsports mit Druckluftwaffen zwölf Jahre beträgt. In diesem Alter haben sich Kinder meist schon für andere Sportarten oder Hobbys entschieden.“ Er verdeutlicht dies am  Beispiel seiner Gemeinde Mehring: „In der Grundschule Mehring sind derzeit 13 Kinder neun oder zehn Jahre alt. Um das Interesse dieser Kinder buhlen alle Vereine im Ort – nicht nur die Sportvereine. Auch der Pastor möchte sie gerne als Messdiener haben.“

Hinzu komme, dass oftmals Schießen nicht als Sport angesehen werde – und dass nicht wenige Eltern ihre Kinder ungern mit einer Waffe sehen wollen, etwa  vor dem Hintergrund von Bildern grausamer Attentate in der Vergangenheit.

Am Schießstand wird Sicherheit großgeschrieben. Das fängt bei Vorgaben an – etwa der Empfehlung am Kleinkaliberstand, Ohrschutz zu tragen –, geht über schnell griffbereite Feuerlöscher und Verbandskästen und endet bei der Pflicht, bei Wettbewerben Aufsichtspersonen namentlich zu benennen.

Neben dem Sport wird bei den Mehringer Sportschützen Geselligkeit großgeschrieben. Nach dem Training wird an diesem Abend vor der Halle gegrillt und Badminton gespielt. Ob die Mädels auch beim Rückschlagspiel insgesamt besser sind als die Jungs, ist nicht überliefert.